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Session
T. Sag mir Bescheid, was da ist, was du wahrnimmst
K. Die Treppe ist ganz eng, fast keine Stufen, wie ein Rohr, ein Gang,
der ist ganz dunkel, ich seh da nichts.
T. Nimm dir einen Moment Zeit, wenn du dort angekommen bist, spür
mal, wo dort Türen sein könnten, lass dich mal von einer Tür
anziehen, ein Eingang deiner Innenwelt, in deinem Unterbewusstsein. Ok,
beschreib mir mal ganz grob, wie sie aussieht oder wie du sie dir vorstellst
K. Ich sehe eine Blechtür, komisch.
T. Guck mal, was draufsteht, wir haben ja viele Themen oder viele Symptome,
oder guck mal, was du draufschreiben willst - so als generelles Thema.
K. Also, mir kommt ganz spontan Angst, das hatte ich aber vorher nicht
überlegt
T. Gut, das kann natürlich sein, dass das dir einfach ein bisschen
Angst macht, dich hier zu konfrontieren, mit all dem, was da so hochkommt.
K. Das kann schon sein, stimmt
T. Guck mal, ob es nicht so ein ganz generelles Thema gibt, was vielleicht
dein Hauptthema ist, ich habe eben schon mal gedacht, vielleicht das Thema
Weiblichkeit, im weitesten Sinne, guck mal, mit welchem Wort könnte
man alle deine Themen am besten beschreiben, ein übergeordneter Begriff
vielleicht, Missbrauch vielleicht, obwohl, Missbrauch ist ja der tiefe
Hintergrund von etwas ...
K. Ich spür jetzt im Moment meinen Unterleib so richtig, ich denke,
das Thema ist schon passend, Missbrauch ist so eine Ecke davon.
T. Ah, Thema Weiblichkeit, das ist so ein generelles Thema, mal gucken,
wie es sich aufschlüsselt, dann haben wir immer einen Bezugspunkt,
das ist mir lieber, als wenn wir es so ganz allgemein lassen, gut, dann
schreib das mal drauf auf die Tür. Bist du bereit, sie zu öffnen?
K. Ja.
T. Dann öffne sie jetzt. Was siehst du?
K. Was ich befürchtet habe, da ist schon wieder kein Boden.
T. Beschreib mir mal, wie du es wahrnimmst, dass da kein Boden ist. Geht’s
direkt hinter der Tür tief runter?
K. Ja, da ist ein riesentiefes Loch, da geht’s ohne Ende runter.
T. Ist das so wie in der ersten Session, die ich mit dir gemacht habe,
in der Demosession?
K. Ja, nur da war ich im Wasser, und hier weiß ich gar nicht, was
da unten ist.
T. Kannst du Wände sehen oder die Decke, ist es dunkel oder hell?
K. Es ist ziemlich dunkel, die Höhlenwand auch.
T. Wie ist so dein Grundlebensgefühl, wie geht es dir, wenn du das
so wahrnimmst?
K. Angst und Unsicherheit.
T. Na gut, das beschreibt ja schon den Zustand sehr genau. Deine Weiblichkeit,
du hast keinen Boden und du bist unsicher. Jetzt ist natürlich eine
tolle Möglichkeit, wenn du dich fallen lassen könntest, aber
das hängt auch vielleicht mit der Weiblichkeit zusammen, ob du das
kannst. Schau mal, ob du dich traust, da rein zu springen. Das wär
natürlich das Beste, es einfach passieren lassen, loslassen, reinspringen,
gucken, wo du hinkommst, wo es dich hinführt.
K. Da muss ich mich überwinden.
T. Ja, das ist klar, das kann man nicht so einfach machen. Sonst gäbe
es einen Boden, und es gäbe kein Problem. Du könntest den Raum
noch vorher fragen, was seine Botschaft ist, so diese Standardfrage.
K. Ja, was ist deine Botschaft? ... Ich soll mal gucken (lacht).
T. Dann sei neugierig, forsche, gucke nach. Frag, ob du rein springen
sollst.
K. Soll ich rein springen? ... Ja, sagt der Raum. ... Ich bin schon drin.
T. Guck mal, ob du sogar schweben kannst und die Geschwindigkeit des Falls
irgendwie regulieren kannst oder beschreib einfach was passiert.
K. Ja, ich kann, wenn ich das möchte, ein bisschen langsamer fallen,
ich seh auch so Strukturen in der Wand, also so Mauervorsprünge,
in die ich mich stellen könnte, oder auch Pause machen.
T. Lass dich mal weiter fallen, guck mal, wo du hinkommst, welches tiefe
Thema dich anzieht.
K. Ich hab das Gefühl, ich bin jetzt unten und vor mir ist was ganz
Dunkles.
T. Sprich das Dunkle doch ruhig mal an, irgendwie so, wer bist du, was
soll ich hier, was willst du mir sagen oder mir geht’s hier nicht
gut, einfach reden oder so, Kontakt aufnehmen.
K. Ach, das ist ein ganz unangenehmer Raum.
T. Dann sag ihm das.
K. Das ist ein ganz unangenehmer Raum, das macht mir Angst und schürt
mir den Hals zu…der lacht über mich, das findet der gut, der
will das.
T. Ach, der will das, oh, frag mal nach, was soll das, warum ist der da?
K. Warum willst du das? ... Damit es mir schlecht geht.
T. Ok, warum soll’s dir schlecht gehen, oder seit wann ist dieses
Thema in dir oder was ist da passiert?
K. Seit wann bist du da und willst, dass es mir schlecht geht? ... Schon
immer.
T. Schon immer ... gut, dieses Immer hat natürlich auch einen Anfang,
frag mal ...
K. Ja, schon vor meiner Geburt, ich soll nicht da sein.
T. Also, im tiefsten Innern bist du ganz schnell an dem Punkt: du sollst
nicht da sein. Wie ist das für dich, wenn du das so deutlich wahrnimmst
oder weißt du das irgendwie schon?
K. Ja, ich weiß das.
T. Du weißt das schon! Wie erklärst du es dir oder welche Meinung
hast du darüber für dich gefunden?
K. Es ist einmal meine Schwester, die nicht will, dass ich da bin, und
meine Mutter wollte mich ja auch nicht.
T. Gut, dann hol mal beide herbei.
K. Dazu muss ich sagen, meine Mutter hatte Angst vor der Geburt, es war
nicht so, dass sie mich als Person nicht wollte.
T. Gut, da können wir sie gleich fragen, wenn sie dann da ist.
K. Meine Schwester, die sieht riesengroß aus, wie so ein unförmiger
Riese, ... grob ...
T. Sag ihr mal, was du siehst, sprich sie Mal an.
K. Du siehst riesengroß und Angst machend aus.
T. Ist sie älter?
K. Ja, drei Jahre, dreieinhalb Jahre.
T. Guck mal, wenn du sie ansprichst, ob sie reagiert, ob sie dich wahrnimmt,
wie sie reagiert?
K. Ja, die guckt von ganz hoch oben auf mich runter ... und sie möchte
mich zertrampeln.
T. Auch da würde ich wieder nachfragen, Warum denn, warum freut sie
sich denn nicht und so weiter, versuch mal, sie in ein Gespräch zu
verwickeln.
K. Warum möchtest du das? ... Eigentlich haben wir uns das schon
mal angeguckt, na ja ...
T. Ok, kann ja sein, die Frage ist nur, was ist da damals passiert, habt
ihr was verändert oder ist es so geblieben?
K. Ja, es ist jetzt anders.
T. Sag mal ruhig, was anders ist, was sich schon verändert hat, kannst
du ruhig der Schwester mitteilen.
K. Verändert hat sich, dass ich das jetzt weiß, warum es so
war, dass sie eben dachte, ich wollte ihr die Mama wegnehmen.
T. Frag sie, warum sie so groß ist.
K. Ja, warum bist du so groß? ... Weil ich mir das einbilde (lacht).
T. Ja, ja, doch das ist schon richtig, irgendwie ist das ja dein Bild
von ihr, du bildest dir das ein. Frag sie, was macht sie so groß,
warum machst du sie so groß, sie müsste es ja wissen, was gibst
du ihr für eine Macht, dass sie so groß ist in dir, das ist
ja schon dein Produkt, das sehe ich auch so.
K. Was machst du? Wieso bist du so groß, wieso bist du in meinen
Augen so groß?
T. Genau, guck mal, was sie jetzt sagt.
K. Weil ich mich so klein fühle.
T. Gut, dann probiere doch einfach mal aus, dass du dich größer
fühlst, so wie wachsen, guck mal, ob das geht, ob du einfach ein
bisschen größer werden kannst, ob sie dann automatisch kleiner
wird, also, es liegt dann eher an dir, sagt sie, sie ist normal und du
bist zu klein, einfach, kann ja sein, probiere mal aus, ob es geht. Oder
wir machen umgedreht die Frage, was lässt dich so klein fühlen,
da muss ja was passiert sein.
K. Da kommt jetzt mein Onkel, ich war noch sehr klein.
T. Wie klein warst du? Geh mal dahin, lass das Bild noch mal auftauchen,
wir wollen jetzt nur die Assoziation noch mal feststellen.
K. Also, ich war ein halbes oder ein dreiviertel Jahr, ein Säugling.
T. Beschreib mir das Bild, was jetzt gerade auftaucht.
K. Ich hab eigentlich kein Bild, sondern ich hab nur so einen Druck.
T. Ach so, das Körpergefühl ist da.
K. Ich fühls halt hier und hier (zeigt auf Brust und Unterleib).
T. Also, da müssen wir als allererstes Mal rangehen, damit du dich
überhaupt entfalten kannst, sonst bleibst du so klein. Der Missbrauch
muss unbedingt aufgelöst werden ... oder frag doch mal deine Schwester,
ob es damit zusammenhängt, wir überprüfen es mal.
K. Sonja, hängt es damit zusammen? ... Ja. ... Ich war mit neun Monaten
sauber, um diese Situation zu verhindern, es ging aber, bis ich sieben
war, mein Onkel hat mich oft gewickelt, da war ich dann vorsichtshalber
schnell, schnell sauber.
T. Hast du noch bewusste Erinnerungen daran?
K. Ja, ja, die sind dann irgendwann gekommen, die hatte ich nicht die
ganze Zeit.
T. Ich hab’s nicht mehr in Erinnerung, wo hast du die her, aufgedeckt?
K. Ich hab mal Therapie gemacht, da ist mir das eingefallen.
T. Wie lang hast du Therapie gemacht?
K. Das waren nur dreißig Sitzungen, 1994, da hatte ich eine Fehlgeburt
und hab’s nicht bemerkt. Der Arzt hat gedacht, ich hätte einen
Abbruch versucht, dabei hab ich meinen Körper einfach nicht gespürt.
Aus diesem Grund bin ich dann in Therapie gegangen.
T. Dann hast du dreißig Sitzungen gemacht, und seitdem weißt
du es einfach. Hat sich da mit deiner Weiblichkeit, in deinem Dasein irgendwas
verändert, so gefühlsmäßig, seitdem du das weißt?
Wie gehst du damit um, es ist ja trotzdem ein heftiges Wissen?
K. Ja, es war eher so ein komisches Gefühl vorher, und jetzt ist
es klarer, ich weiß, warum.
T. Ja, ok, gut, wir können den Raum noch mal fragen, es ist so meine
Idee, ich weiß nicht, ob das stimmt, häufig ist das so, das
der fehlende Fußboden vielleicht damit zusammen hängt. Frag
mal diesen Raum, wenn der direkt mit dem Missbrauch zusammenhängt,
dann soll er grün blinken, und wenn das nicht so der Fall ist, dann
soll er rot blinken. Guck mal, was er macht, wenn du ihn fragst.
K. Ok, Raum, hast du mit dem Missbrauch zu tun, bist du deshalb so schwarz
und bedrohlich? Blinke grün oder rot! … Er ist grün.
T. Hm, er ist grün. Häufig ist es so, wenn der Boden fehlt,
dass etwas Fundamentales passiert ist, und das ist häufig schon Missbrauch.
Gut, es wär natürlich ganz wichtig, dass du das aufarbeitest,
das zweite wäre deine Schwester, die ist so riesengroß, sie
sagt, sie kann nichts dafür, du bist so klein, und wenn du missbraucht
worden bist, dann fühlst du dich halt klein und versteckst dich energetisch.
Gut, jetzt hol die Mama noch mal herbei, die dich nicht wollte oder Angst
hatte vor der Geburt. Guck mal, wie sie auftaucht.
K. Im Vergleich zu früher ist sie aber schon groß (lacht).
T. Sag’s ihr.
K. Am Anfang hast du dich versteckt und warst klein, eher wie so ein Hauch,
das ist auch immer noch so, aber schon jetzt ein bisschen fester.
T. Aha, ein bisschen fester, ja. Kann sie dich wahrnehmen, wenn du das
so sagst, wie reagiert sie drauf?
K. Ich hab das Gefühl, du bist in deiner eigenen Welt, du hast mich
mein Leben lang nicht wahrgenommen.
T. Hm, nimmt sie auch jetzt wieder nicht wahr!
K. Nee.
T. Gut, das heißt, wir müssten tatsächlich auch deine
Mutter irgendwie aufwecken, so dass sie Bezug zu dir hat, weil letztendlich
brauchst du ne Mama, die hinter dir steht, also, die müsste letztendlich
auch mehr da sein, zumindest, wenn sie so abwesend ist, dann ist das auch
so ein weiblicher Teil, der abwesend ist, ok. Ja, da gibt es was zu tun.
K. Da hab ich schon viel dran getan.
T. Hast du schon viel dran getan, dann zeige es ihr.
K. Am Anfang war ich so wütend auf sie, und dann war sie so klein,
als sie überhaupt mal aufgetaucht ist. Dass du jetzt so groß
bist, ist schon gut und dass ich nicht sauer bin, ist auch gut.
T. Hast du schon eine Menge Wut und Hass raus gelassen?
K. Ja, (lacht) ist schon ok, Wut hab ich nicht mehr, aber ich würde
dich gerne lieben und dich bei mir fühlen.
T. Gut, der erste Schritt, den du machen kannst, geh mal auf sie zu, guck
mal, wie sie reagiert, ob sie dich überhaupt wahrnimmt, wenn du auf
sie zugehst, mach das mal.
K. Ach nee, die sieht irgendwie aus wie eine Madonna und rührt sich
nicht.
T. Geh mal ganz dicht, berühr sie mal, ob sie dich überhaupt
wahrnimmt. Also, nimm mal ihre Hand oder so was.
K. Du bist nicht lebendig, du bist eine Figur. Du siehst aus wie Maria
im Stall.
T. Ja, oh ja. Ja, da müssen wir eine Menge noch tun. Ist es damals
bei deiner Therapie auch so raus gekommen, dass sie nicht so da war, deine
Mama?
K. Ja, das ist mir bewusst, durch Therapie und verschiedene Seminare.
T. Lebt deine Mama noch?
K. Nee, die ist schon ganz lange tot, die ist krank geworden, als ich
sechs war und gestorben, als ich sechzehn war.
K. Heute ist übrigens ihr Todestag.
T. Oh, sag ihr das mal.
K. Das ist dein Todestag heut, heute vor 35 Jahren bist du gestorben.
T. Guck mal, ob sie schaut.
K. Nein, das ärgert mich, die könnte ja jetzt mal gucken.
T. Ärger taucht auf, ... gut.
K. Auch noch Ärger.
T. Na ja, weißt du, sie ist ja abgespeichert in dir als Puppe, als
etwas Unlebendiges, und das einzige Gefühl, was auftaucht, ist Ärger.
Der erste Einstieg ist halt der Ärger zu ihr. Letztlich musst du
sie lieben können, du musst ein tolles Gefühl haben zu Mama,
aber es ist halt Ärger da, der erste Einstieg wäre Ärger.
Ja, das können wir machen, in den Ärger einsteigen ... guck
mal, was du willst jetzt.
K. Ich hab im Moment so das Gefühl, das ist so resignierend ... Ich
hab 51 Jahre versucht, deine Aufmerksamkeit zu kriegen.
T. Ja, und jetzt hast du doch langsam aufgegeben.
K. Hmm, ich hab im Moment zumindest das Gefühl.
T. Na gut, da tun wir noch was dran, das kriegen wir noch hin ... ja ...
gut, guck mal weiter, ob du da unten noch was siehst, du bist ja immer
noch ganz tief unten, da ist Mama, da ist deine Schwester, da ist jetzt
dein Onkel, mit dem Bild, der dich missbraucht. Guck mal, ob es da unten
noch was gibt.
K. Nee, das ist nicht so konkret, ich hab das Gefühl mein Mann ist
da.
T. Ok, dann sprich mit ihm, sprich ihn auch an.
K. Ich hab Angst vor dir.
T. Guck mal, wie er reagiert.
K. Er ist so ein bisschen ratlos.
T. Tja, wie weit ist er entfernt von dir, wenn du ihn anschaust, hinspürst?
K. Ja, so eineinhalb Meter.
T. Kennst du dieses Gefühl, Angst vor ihm zu haben, genau das, was
du jetzt hast?
K. Ja eigentlich, als er mich umbringen wollte, und danach, natürlich.
T. Ja. Sprich ihn mal drauf an, auf die Szene, guck mal, wie er reagiert,
ob es für ihn auch wichtig ist.
K. Auf welche Szene, als er mich umbringen wollte? ... Ja, du hast es
auch nicht vergessen, du weißt auch noch, wie das da war, damals,
solange ist es noch nicht her.
T. Wie lange ist es her?
K. Es war Silvester 2005, also 2004/ 2005, der Wechsel.
T. Ja, wenn du ihn jetzt so siehst, wie geht es dir dann?
K. Ja, ich hab so Alarmglocken an, so im Moment macht er nichts, aber
ich muss einfach höllisch aufpassen.
T. Ja, sag ihm das mal.
K. Ich würde dir nie den Rücken kehren, ich muss höllisch
aufpassen und kann dich überhaupt nicht berechnen oder einschätzen
…
T. Ja, wie reagiert er auf deine Worte, wenn du so klar bist, so deutlich
bist?
K. Ja, ich glaub, er kann sich selber nicht einschätzen, er hätte
das ja auch nicht von sich erwartet.
T. Ja, ok. Das heißt, deine Aufmerksamkeit ist berechtigt, weil,
du musst auch auf ihn aufpassen.
K. Ja.
T. Ja, ok. Frag ihn mal, ob er auch mit dran beteiligt ist, dass du keinen
Fußboden hast in deinem Raum.
K. Bist du da auch dran beteiligt, dass ich keinen Boden unter den Füßen
habe? … Ja, er hat diesen Zustand gehalten, dafür gesorgt,
dass sich das nicht ändert.
T. Ja, ok. Beschreib mir doch mal ganz kurz, was da so passiert ist oder
wie du dich erinnerst, also ohne jetzt in die Emotion rein zu gehen, ohne,
dass wir es jetzt großartig anreißen oder auflösen wollen.
Ich versuch ja erstmal, so eine Übersicht zu machen, so was wie ein
update. Und sag es ihm.
K. Ja, ich hatte dir vorher gesagt, dass ich dich verlasse, bin dann aber
zu Silvester mit dir noch zu Freunden gegangen, weil ich nicht wusste,
wohin mit mir, weil egal, wohin, hättest du mich verfolgt. Bei den
Freunden war ein neutraler Ort.
T. Also, du wusstest schon, dass er das nicht will, er klammert an dir
und du wolltest ihn verlassen, ... ok
K. Ja natürlich, und ich hab das nicht gehört, dass du da schon
gesagt hast, man müsste mir den Hals durchbohren, durchschneiden,
das hast du da mehrfach gesagt.
T. Frag ihn mal, ob er es schon direkt so gemeint hat?
K. Hast du es so gemeint, in dem Moment? ... Ja. ... Hast du die Wut aufgeschaukelt,
so den ganzen Abend? ... Ja.
T. Frag ihn mal, was war denn der Auslöser, dass du ihn so erwischen
konntest, dass er so wütend geworden bist, was hast du bei ihm hoch
geholt, weil, dass ist ja so ein bisschen auch dein Part.
K. Was hab ich gemacht, dass du so wütend geworden bist? ... Ich
muss immer bei ihm bleiben. Und immer machen, was er will.
T. Na, das hast du ja 30 Jahre lang fast gemacht.
K. 25! Minus zwei Monate, und das sollte ich mein Leben lang machen.
T. Was hat da in dir Nein gesagt?
K. Mein Körper hat Nein gesagt, ich hab Gelenkbeschwerden gekriegt
und konnte mich nicht mehr bewegen, und dann hab ich gesehen, ich muss
da was ändern.
T. Also, diese ganz Typische, du konntest nicht gehen, weggehen von ihm,
und wie du es dann gemacht hast, da bist du gesund geworden.
K. Nee, vorher schon, das war ja ein Weg. Als ich mich innerlich von meinem
Mann getrennt habe, da bin ich gesund geworden.
T. Genau, sag ihm das mal.
K. Ja, als ich mich innerlich von dir getrennt habe, da bin ich gesund
geworden, bis auf ein paar Kleinigkeiten, nicht erwähnenswert
T. Das heißt also, du konntest dann gehen, das hat er gemerkt und
wollte es nicht. Offensichtlich hast du ihm irgendwie versprochen, du
bleibst für ewig bei ihm.
K. Hab ich nicht!
T. Frag ihn mal, ob es so für ihn war!
K. War das so für dich, dass ich dir versprochen habe, für immer
bei dir zu bleiben? ... Er nickt.
T. Ja, für ihn war das so. Ja, wenn du 25 Jahre bei ihm bleibst,
ist ja schon fast eine Ewigkeit, dann kann man davon ausgehen, dass du
das den Rest des Lebens auch machst. Genau, und wenn das nicht ist, dann
bringt er dich um. Das ist ja schon heftig, er könnte ja auch sagen,
danke schön, es war toll, aber, er bringt dich um. Das Versprechen
muss in ihm ganz tief was ausgelöst haben.
K. Ich habe dir das nie versprochen, wir haben nie kirchlich geheiratet,
wir haben nur unterschrieben, du hast mir mal gesagt, du hast mir doch
versprochen, mich nie zu verlassen, aber das hab ich nie getan.
T. Gut, was war seine Enttäuschung?
K. Was war deine Enttäuschung?
K. Das ich aufgehört habe, dich zu lieben. Wo hast du das gemerkt
oder wann? ... Ja, so richtig erst klar geworden ist ihm das Silvester.
Zeig mir mal, wann ist es dir klar geworden, in welcher Situation.
T. Wo er das fühlt, oh Scheiße, du bist weg.
K. Er wollte mit mir tanzen, und dann hab ich das abgelehnt.
T. Und in dieser Ablehnung hat er gespürt, du bist für immer
weg?
K. Ja ...
T. Hast du dich da erst getraut, es ihm so deutlich zu sagen oder warst
du schon früher weg?
K. Nee, ich war schon früher weg, schon viel früher, eigentlich
schon Monate früher.
T. Hast du wahrgenommen, dass er wahrnimmt, dass du weg bist?
K. Ja, also ich habe schon gefühlt, dass du gesehen, gemerkt hast,
dass ich gehen werde und will. Du hast dich immer weiter zurückgezogen,
hast immer mehr Außenkontakte abgebrochen, warst vorher nach außen
immer der große Macker, und nachher hast du dich mit allen zerstritten
und nur noch alleine zuhause gesessen, du warst immer zuhause, das war
einfach furchtbar. Und vorher überhaupt nicht. Also, daran hab ich
das schon bemerkt, du hast was bemerkt, dein Verhalten hat sich geändert.
T. Er hat es vielleicht nicht so deutlich gesehen, wie an diesem Abend,
dieses nicht mehr tanzen wollen, war für ihn so der Auslöser,
der minimale Auslöser, wo er plötzlich blitzschnell merkte:
oh, die ist weg. Frag ihn mal, was dann mit ihm passiert ist, was ist
mit ihm abgegangen?
K. Was ist mit dir passiert? Schon als wir ins Auto gestiegen sind, warst
du so wie mit dem Schalter umgedreht, du hast wirklich irre geguckt, voll
verzweifelt.
T. Ah, ja, die Verzweiflung ist dann losgebrochen. Beschreib mir mal die
Handlung sachlich, also, wir gehen da heute nicht rein, aber beschreib
sie mir noch mal, wie ist das abgelaufen?
K. Vor der Haustür, also, das Auto stand vor der Haustür, da
geht’s so drei Stufen hoch, er hat so getan, als würde er die
Tür aufschließen. Er hatte ein Opinel aus der Hosentasche genommen
und kam dann die Stufen runter gesprungen und sagte: ich töte dich
jetzt! Ich hatte vorher einen Tramper auf der Straße gesehen und
hab gedacht, der hört mich und hab mich dann gewehrt, erstmal körperlich
auch und lautstark gebrüllt, weil ich gehofft hab, dass der Typ kommt,
T. Also, du hast ihn sofort ernst genommen.
K. Ja, und dann haben wir gekämpft, also, ich war schwarz und blau,
ich konnte wirklich zwei Monaten nicht auf der linken Seite liegen, und
hab auch den Spiegel abgebrochen vom Auto, und so, ich hatte überall
blaue Flecken, und wir lagen dann schließlich in der Pfütze
auf dem Boden und dann konnte ich mich nicht mehr rühren.
T. Er war stärker?
K. Ja. Und er kniete so auf mir, und hatte die Faust hier (am Kinn), ich
hatte hier überall blaue Flecken von dem Knöchel, er hat das
Messer hier gehabt ( an der Kehle) und hat gesagt, ich liebe die Schafe
auch, ich kann die Schafe schlachten, dann kann ich dich auch schlachten.
Dann hab ich versucht eine Beziehung herzustellen, weil, ich hatte das
Gefühl, das hat mit mir gar nichts zu tun.
T. Red mit ihm.
K. Ich hatte das Gefühl, dss hat mit mir nichts zu tun, ich wollte
dir klarmachen, hallo, ich bin’s Brigitte! Hallo! Das ist erst mal
gelungen, und dann musste ich versprechen, dass ich ins Bett gehe mit
ihm, und dann habe ich wieder was Falsches gesagt, ich weiß nicht,
was.
T. Also, er wollte mit dir schlafen.
K. Nee, er wollte mit mir ins Bett, ich war nicht mehr in diesem Bett,
ich war ja schon vorher in ein anderes Zimmer gezogen, schon länger,
Und dann sind wir ins Haus, und ich habe ihm gesagt, ich möchte aber
nicht mit ihm schlafen, und er hat gesagt, dass er das jetzt sowieso nicht
könnte. Ich habe ihn gebeten, das Messer unten zu lassen, und dann
hat er gesagt, ich kann dich auch mit bloßen Händen umbringen,
ich brauche das Messer nicht. Ja und dann, ich hatte auch so Schnitte,
und so, ich war am Bluten, das war aber nicht schlimm, aber, na ja Dann
hat er zwei, drei Stunden auf mich eingeredet, mir die Zunge in den Mund
gesteckt, die Hand zwischen die Beine gesteckt, meinen Busen angefasst,
und hat so irres Zeug erzählt, wir wären das tollste Ehepaar
der Welt, und das wär wie eine Geburt und das wär so toll. Und
das wär jetzt die allergrößte Liebe, ... und als er dann
endlich eingeschlafen ist, hab ich die Polizei gerufen. Er war völlig
von den Socken, es war ihm wie ein Verrat, wie ich denn auf die Idee kommen
könnte, die Polizei zu rufen, wo er mich doch so geliebt hat. Aber
ich hab da stocksteif im Bett gelegen, und ich hab auch nichts gesagt,
er hat einen Monolog gehalten.
T. Das heißt, der muss irgendwie ausgespact gewesen sein. Kanntest
du so einen Zustand bei ihm schon?
K. Nein, also, wenn er was getrunken hatte, dann ist er schon mal ausgeflippt,
aber so was wie da, kannte ich nicht, nein.
T. Hast du noch mal anschließend ausführlicher mit ihm reden
können, oder Kontakt herstellen können?
K. Also, der hatte ja Kontaktverbot, und wir haben uns mal in der Bank
getroffen, das war dann ein paar Monate später. Also, bei Gericht
haben wir uns dann getroffen, weil es da ums Haus ging.
T. Ist er bestraft worden?
K. Das Strafverfahren ist noch nicht gewesen. Der verschiebt das immer.
T. Hast du Anzeige erstattet?
K. Ja.
T. Und wieso hängt es davon ab, dass er es verschiebt?
K. Er war im Ausland, eineinhalb Jahre, er war in Südamerika und
ist seit Februar erst wieder hier. Dann war im März ein Prozesstermin,
und den hat der Anwalt abgesagt, das ist sein Freund, der Anwalt, auch
mein langjähriger, jetzt gewesener Freund. Dann war am 29. Oktober
der nächste Termin, der wurde auch abgesagt.
T. Wie ist das für dich, wenn du so drüber nachdenkst, willst
du, dass er bestraft wird oder wie arbeitet es in dir, wie ist deine Haltung?
K. Ja, ich möchte, dass ihm von einer anderen Stelle als von mir
mal gesagt wird, dass man das nicht darf.
T. Das scheint noch nicht angekommen zu sein?
K. Nein, ich hab nicht das Gefühl.
T. Der denkt, dass ist einfach so eine Beziehungsgeschichte zwischen euch
beiden?
K. Ja, ich bin schuld, ich hab ihn gereizt.
T. Hat er das mal so direkt gesagt, an dem Abend?
K. Ja, nein, an dem Abend nicht, erst später. Ich hab ihn dann mal
in der Bank getroffen, in dem Vorraum, da ist mir das Herz wirklich in
die Hose gerutscht, da war noch ein anderer Typ, ich bin dann aber auch
vor die Tür, und wir haben dann noch was miteinander geredet, das
war einen Tag, bevor er weg ist, erst mal nach Köln, dann nach Südamerika.
T. Durfte er denn ins Ausland gehen, das klingt so ein bisschen, wie sich
der Strafbarkeit entziehen oder so was?
K. Er durfte das, ja, da war ja schließlich keiner dabei, ist ja
nur ein Familiendelikt, ich bin ja nur die Ehefrau.
T. Na gut, du könntest dir auch eine Menge zusammenreimen, von außen
betrachtet ist das ja eine Geschichte, die passiert wahrscheinlich tagtäglich,
ein Ehepaar streitet sich, und jeder sagt was anderes. Ok, oder hast du
anschließend so was wie ein Gutachten gekriegt?
K. Nein.
T. Über deine körperlichen Verletzungen?
K. Ach so, doch, ich bin schon zu meiner Ärztin gegangen. Also, das
ist schon dokumentiert. Und der Richter hat auch gesagt, dass das glaubhaft
ist, weil, ich hatte ja hier blaue Flecken, man konnte das genau sehen,
und das passte zu dem, was ich gesagt habe und nicht zu dem, was er gesagt
hat.
T. Wenn du sachlich drüber redest, wie geht’s dir denn damit?
K. Es ist hier am Brodeln (Hals).
T. Ist es so ein bisschen, wie: du musst das noch verarbeiten, willst
es loswerden, das stimmt alles noch nicht so, wie es ist, oder ist das
so ein Stückchen deine Biographie, und du sagst, das ist mir halt
passiert, was soll’s.
K. Nee, soweit ist das noch nicht. Aber, ich denke mir, der Prozess muss
auch erst mal laufen, also kurz vor dem Termin ging’s mir gar nicht
gut.
T. Ok. Ja, da haben wir noch einiges dran zu arbeiten. Das muss man auch
auflösen. 25 Jahre, ganz viel angestaut und gesammelt, wahrscheinlich.
K. Und dann, bei einer Session kam raus, ich glaub, das war bei dir auch,
so eine Botschaft, die mir meine Eltern mitgegeben habe.
T. Ja, was ist das noch?
K. Männer sind böse. Ja, und das ist irgendwie noch nicht ganz
aufgelöst, das ist zwar völlig bescheuert, dass ist mir schon
klar, aber es ist einfach …
T. Ja gut, es kann eine Botschaft sein aus dem morphogenetischem Feld,
aus einem Familienthema heraus, deine Mama kann das miterlebt haben, wenn
die eh sowieso nicht so ganz in der Welt ist, wer weiß, was ihr
passiert ist, das müssen wir aufdecken.
K. Ja, meine Mutter ist wohl als Kind vergewaltigt worden
T. Ja, alles klar. Ja, manchmal ist es sogar so, dass dir das heute passiert,
weil es ihr passiert ist, so selbstähnlich, ... ach, damit es nicht
vergessen wird oder ins Bewusstsein kommt oder aufgearbeitet wird, es
gibt manchmal so ganz merkwürdige Zusammenhänge, ganz komisch.
Ja, da müssen wir auch rein, stimmt. Ich muss mir mal die Demosession
wieder anhören, ich hab sie nicht mehr in Erinnerung. ... Dein Bauch
arbeitet jedenfalls ganz gut mit den Themen.
K. Ja, es brodelt. ... (lacht)
T. Ok. Thema Weiblichkeit. Mama, Schwester, Männer, Vergewaltigung,
Missbrauch, da ist schon eine Menge da. Wär ja schon fast die Frage,
wie steckst du das alles weg, wie kommst du damit klar? Ich mein, du hast
dir einen guten Schutzpanzer angelegt.
K. Ich komm mir manchmal vor, wie ein Hamster im Hamsterrad. Ich bin hier
bei den Sessions auch immer in Gängen gelandet und dann immer durch
Gänge gelaufen, die sich auch noch gedreht haben. ... (lacht)
T. Ja, das ist natürlich das beste Bild vom Hamsterrad, das stimmt.
K. Und ich hab immer gemacht und getan. Also, ein Ruhepol war für
mich die Schule, das hatte natürlich auch Vorteile, weil, die hab
ich ganz locker, lässig gemacht, ich war auf einem konservativen
Mädchengymnasium. Das war ganz klar geregelt, da wusste man, wo das
Feindbild ist, das war für mich optimal, diese Schule.
T. Deshalb sind auch alle Männer schlecht. Du hast es schon über
alle Stadien in der Zwischenzeit auch bestätigt bekommen, Männer
sind gefährlich.
K. Und jetzt schon wieder. Meine Geschwister haben mir immer gesagt, ich
soll mit dem Walter aufpassen, der würde mir was tun, die haben das
vorausgesagt.
T. Tatsächlich?
K. Da hat meine Schwester aus Amerika extra angerufen, um mir das zu sagen,
und ich hab gesagt, der tut mir nie was, die hatten richtig Angst um mich.
T. Jetzt lass doch mal diese Schwestern alle auftauchen, hör mal,
was die jetzt dazu sagen, in deiner Innenwelt.
K. Also, ich hab zwei jüngere Schwestern und einen älteren Bruder……was
sagt ihr dazu?
T. Hattest du nicht eine ältere Schwester?
K. Ja, eine ältere, aber mit der hab ich keinen Kontakt mehr, da
weiß ich nicht, was die dazu sagt, ich hab den Kontakt abgebrochen,
nach einer Zeit, nachdem mein Vater gestorben ist, deshalb ist die jetzt
nicht da. Soll ich die mit erscheinen lassen?
T. Wir können ja mal testen, wie sie kommt, wie sie auftaucht, ob
es die überhaupt noch gibt in dir, ja, nimm doch erst mal die anderen
beiden, die irgendwie tatsächlich was zu dir gesagt haben.
K. Woher wusstet ihr das? Ja, die haben gesehen, dass der wie so ein Gorilla
ist. Ja, der ist schon ab und zu mal ausgeflippt, wenn er getrunken hat,
dann hat er schon mal was zerdeppert, oder so.
T. Wenn nun deine Schwestern auftauchen, wie geht es dir dann, welches
ist dein Grundgefühl?
K. Oh, ein ganz warmes.
T. Frag die beiden Mal, ob die dir helfen wollen, das alles jetzt aufzudecken
und zu verarbeiten und so weiter.
K. Da brauch ich nicht fragen, das weiß ich ... Wollt ihr mir helfen,
das aufzuarbeiten? ... Ja. ... Meinen Bruder hab ich auch noch ... ? Udo,
du auch? ... Ja, klar.
T. Also, die drei hast du für dich. Frag die mal, wie ist denn deren
Verhältnis zu Mama, weil, für dich ist die Mama ja doch ziemlich
leblos.
K. Wie ist euer Verhältnis zur Mama? ... Ja, auch so.
T. Also, auch zu weit weg. Frag sie mal, ob sie auch bereit sind, dir
zu helfen, den Kontakt zu Mama wieder herzustellen.
K. Seid ihr auch bereit, zu helfen, den Kontakt zu Mama herzustellen?
... Ja, das ist ja auch ihr Thema.
T. So, was ist mit Papa? Den hatten wir noch nicht.
K. Ja, der ist tot. Der ist 2000 gestorben.
T. Lass ihn mal auftauchen jetzt in deiner Innenwelt, guck mal, wie er
auftaucht oder in welchem Alter er ist? Oder welches erste Bild kommt.
K. Der ist so 60, er ist 82 geworden. Mit 82 war er ein alter Mann, und
mit 60 war er voll Power.
T. Guck mal, wie er auftaucht, was er sagt zu dir
K. Ich freu mich, ihn zu sehen, ich hab ein warmes Gefühl zu ihm.
Er hat mir aber schon immer gesagt, ... er schimpft jetzt mit mir (lacht),
dass ich den da nicht heiraten soll, dass der mich ausnutzt, dass er ein
Schmarotzer ist.
T. Das heißt, Papa ist immer noch nicht einverstanden, im Nachhinein,
sogar.
K. Nee, der ist nicht einverstanden, der war nie einverstanden.
T. Frag ihn mal, ob er dir hilft, all das zu verarbeiten?
K. Hilfst du mir, all dies zu verarbeiten? ... Er guckt ein bisschen so,
ich bin doch selber schuld (lacht).
T. Ja, genau. Das klang auch so bisschen so, ich hab’s dir damals
schon gesagt, wenn du auf mich hören würdest und so weiter.
Ja, alles aufarbeiten, würde bedeuten, er steht hinter dir und was
immer du tust, er ist einverstanden. Das ist eine Riesen Lernleistung
für ihn, er müsste sogar im Nachhinein einverstanden sein, dass
du den geheiratet hast, und so weiter, also, da kommt richtig heftig was
auf ihn zu.
K. Willst du mir trotzdem helfen? ... Ja.
T. Gut, Papa und deine Geschwister sind auf deiner Seite, Mama und deinen
Ex müssen wir noch bearbeiten, deinen Onkel auch.
K. Meine älteste Schwester ist nicht auf meiner Seite.
T. Gut, dann holen wir die jetzt mal herbei, die ist ja diese Riesengroße.
Gut, wir können sie fragen, ob sie auch bereit ist, dich zu unterstützen,
wie immer sie das macht, sie kann es ja auch dadurch machen, dass sie
dich provoziert oder wie auch immer, sie sagt ja, du bist ja zu klein,
ich bin ja normal, es kann ja sein, dass sie sogar ein Stückchen
recht hat.
K. Wirst du mir auch helfen? ... Ja, die macht eher so: Phh. Ein bisschen
beleidigt, es haben ja alle Geschwister den Kontakt zu ihr abgebrochen.
Das ist natürlich auch nicht so schön.
T. Also, sie ist die Böse.
K. Ja.
T. Ja, das ist ne blöde Situation für sie. Wie ist es denn für
dich? Sag’s ihr. Willst du sie überhaupt dabei haben?
K. Nee, lieber nicht.
T. Gut, dann müssen wir mit ihr auch noch arbeiten, bis du damit
einverstanden bist, dass sie doch dazu gehört. Ja, das ist klar,
das sind alles Energiebilder in deinem Kopf, wir wollen natürlich
als Endzustand haben, dass die alle mit dir gut können und dich lieben,
wär natürlich optimal, wenigstens neutral müssen sie sein,
und so diese optimale Familienstruktur haben. Ja, und du brauchst natürlich
einen Fußboden, als allererstes. Gut, dann arbeiten wir noch mal
ein bisschen weiter. Diesen dunklen Kellerraum, da unten, lass doch mal
dort dein inneres Kind auftauchen, guck mal, wie das daher kommt, dich
als Kind, guck mal, wie du daher kommst.
K. Das ist jetzt so eine Sechsjährige, die ist ganz munter.
T. Oh ja.
K. Die war mal anders.
T. Genau, beschreib mir mal, wie sie war. Oder sag’s ihr mal, red
mal mit ihr.
K. Als ich dich das erste Mal gesehen habe, hast du in so einer kleinen
Salzsäule gesessen, hast mit Feuer gespielt, und du warst kleiner
als jetzt und hast überhaupt nicht auf Ansprache reagiert, so autistisch
vor dich hingewuselt. Und alles was um dich rum war, egal, ob ein Körper
oder in der Familie, oder was, konnte dir nichts anhaben.
T. Wo war das, welche Session war das?
K. Das war nicht bei einer Session, Das war ein Wochenende mit Meditation
und Innenweltreisen, aber ohne Anleitung, mit Musik, da hab ich dieses
Innere Kind mit Salzsäule zu mir genommen, und irgendwann blieb es
bei mir.
T. Gut, das heißt, es ist jetzt doch schon ziemlich erlöst
und lebendig.
K. Ja, die ist lebendig.
T. Gut, ich würde sie gern mal auf den Missbrauch ansprechen, guck
mal, wie sie darauf reagiert, wenn du das Thema darauf bringst. Ist sie
frei davon oder ist da noch ein Teil abgespalten, frag sie mal?
K. Was hast du mit dem Missbrauch zu tun? ... Da guckt sie nicht hin.
T. Ah, da ist so ein Teil abgespalten. Da will sie halt nicht hingucken.
Gut, dann sag ihr trotzdem, wir werden den Teil auch noch holen, befreien,
und das sie auch wieder ganz vollständig ist und so weiter.
K. Wir werden den Teil auch noch holen. Ja, sie ist schon ganz munter,
sie hüpft.
T. Ja, ist toll, super. ... Ja, stell dir mal vor, du sitzt am Meer, Wellenrauschen,
am Strand, du wendest deinen Kopf nach links, und ganz in der Ferne taucht
so eine Gestalt auf, die immer näher kommt, und je näher sie
kommt, je besser kannst du sie wahrnehmen, weil das ist deine innere Frau,
deine Weiblichkeit. Sie wird größer, du kannst mehr Einzelheiten
erkennen, du kannst auch sehen, wie sie geht, welche Gestalt sie hat oder
was sie anhat. Lass das ruhig mal so ein Entstehungsprozess sein, bis
sie so nah ist, dass du sie ansprechen kannst oder sie dich. Dann beschreib
mir mal, wie sie aussieht oder was du wahrnimmst oder was sie sagt oder
was geschieht.
K. Sie ist ganz dick eingepackt, ich kann die fast gar nicht sehen das
sieht so aus, als hätte sie ein Karnevalskostüm an, so wie ne
Blume, sie ist ganz dick eingepackt.
T. Sprich sie doch mal an, was du siehst, und schau mal, wie sie darauf
reagiert.
K. Ich seh fast nichts von dir, ich seh ein bisschen das Gesicht, Grade,
dass du gucken kannst, und sonst bist du ganz dick eingepackt.
T. Hat sie dich wahrgenommen? Reagiert sie auf dich?
K. Ja.
T. Frag sie doch mal, wie es ihr geht, sie ist ja immerhin deine innere
Frau.
K. Wie geht es dir? ... Die ist noch ein bisschen schwach. Du bist eingesperrt?!
T. Sag ihr mal, dass das wie eine Verkleidung aussieht oder so.
K. Ja, das sieht wirklich so aus wie ein Karnevalskostüm, oder wie
so ein Kostümfilm.
T. Guck mal, ob sie darauf reagiert.
K. Sie sagt, das ist besser so.
T. Dann frag mal nach, was ist denn passiert, dass sie sich so ein bisschen
verkleidet oder versteckt, das klingt ja auch ein bisschen nach verstecken.
K. Was ist passiert, warum versteckst du dich so? ... Damit mich keiner
sieht. ... Wer soll dich nicht sehen, und seit wann ist das so?
K. Als ich in die Pubertät gekommen bin, und schon ziemlich früh
Busen und sehr früh meine Tage gekriegt habe, da war ich erst elf.
T. So mehr oder weniger seit Anfang an versteckst du dich, versteckt sie
sich.
K. Das war nur ein Teil der Frage, der andere Teil war, warum! Ja, warum
versteckst du dich? ... Ja, damit ihr nichts passiert.
T. Weiß sie denn, was passieren kann?
K. Weißt du, was passieren kann? ... Das kommt mir jetzt blöd
vor, wenn ich das sage: da kommen die bösen Männer (lacht).
T. Ah, nee ist ja klar, das kann ganz tief die Wahrnehmung gewesen sein,
entweder von der Mama her, von deinem Missbrauch aus. Frag sie weiter
aus, am besten holst du die Elfjährige herbei, die ihre Tage da kriegt,
die anderen Mädchen freuen sich ...
K. Warum willst du deinen Busen nicht zeigen? ... Ja, den soll man nicht
sehen, sie wär lieber ein Junge.
T. Sie wär lieber ein Junge, ah ja. Wieso ist das so oder was ist
ihr passiert, dass sie lieber ein Junge wär, wieso lehnt sie das
Weibliche ab?
K. Wieso möchtest du lieber ein Junge sein? ... Da passiert mir nichts.
... Was kann dir passieren, was ist dir passiert, dass du dich so versteckst.
Ja, da kommt mein Onkel wieder.
T. Dann soll sie dir mal die Szene zeigen, an die sie sich jetzt erinnert,
bezieht. Welche Szene ist es, welche taucht auf?
K. Zeigst du mir mal, was du jetzt meinst, was ist dir passiert? ... Er
hat den Finger in sie rein gesteckt.
T. Guck mal, wie alt sie ist, was ist das erste Bild dazu?
K. Jetzt im Moment drei. Also, das ist eine Szene, an die kann ich mich
noch erinnern, da weiß ich auch noch, was ich anhatte.
T. Beschreib mal, was du wahrnimmst.
K. Ich hatte so ein hellblaues Kleid an, mit so einem Petticoat drunter.
Da waren wir im Keller in unserem Haus, meinem Elternhaus, im Wäschekeller.
T. Beschreib mal, was da ist, was du wahrnimmst, welche Erinnerung kommt?
K. Ja, ich seh die Wäscheleinen und da ist noch so ein Schrank, ein
Tisch steht in der Mitte, wo meine Mutter immer den Wäschekorb drauf
gestellt hat. Mein Onkel hat mich auf diesen Tisch gesetzt.
T. Wenn er das tut, spür mal, ob er dir vertraut ist, ob du ihn magst
oder was da so läuft?
K. Ob ich ihn mag? Nein ich hab totale Angst, ich weiß auch, was
jetzt kommt.
T. Du hast schon Erfahrung mit ihm?
K. Ja, das war die erste Szene, die ich wirklich als Bild im Kopf hab
und nicht nur als Körpergefühl.
T. Und da bist du drei, etwa? Beschreib mal, was er tut, was geschieht,
du kannst es dir auch ruhig von draußen anschauen.
K. Er zieht sich die Hose runter. Kann man denn eine Dreijährige
vergewaltigen?
T. Guck mal, was passiert
K. Ja, das macht er.
T. Er geht richtig rein, nicht nur mit seinem Finger, auch mit seinem
Schwanz?
K. Aber in das After.
T. Guck mal das Mädchen an, was macht die, schreit die, geht die
raus aus dem Körper, was passiert da, guck mal hin.
K. Die beamt sich weg.
T. Die beamt sich weg, ah, hat sie schon geübt ...
K. Die ist gar nicht mehr da, die ist jetzt in der Salzsäule, in
dem Rohr.
T. Ah, da kommt das Bild von der Salzsäule her. Wie alt ist er, dein
Onkel?
K. So 40, Ende 30. Er ist der Bruder meiner Mutter?
T. Wenn du das so siehst, gibt es da irgendwelche Emotionen dazu?
K. Also, mir schnürt sich hier der Hals zu, ich krieg hier so einen
Druck.
T. Ah, ja. Bist du schon mal tiefer dort rein gegangen, dass du es ausagiert
hast?
K. Ich bin einmal in so eine Szene rein gegangen, in der Therapie war
das. Das war eigentlich die Therapeutin meiner Schwester, bei der ich
dann Familienaufstellungen gemacht habe. Ich konnte mich an eine Szene
erinnern, das war bei meiner Oma in der Wohnung. Und ich konnte mich daran
erinnern, wie das Schlafzimmer früher aussah, später hat sich
das ja verändert. Mein Onkel hat mich gewickelt und ich hab geschrieen,
und meine Mutter hat reingeguckt ins Schlafzimmer, und dann hat er mich
gekitzelt und ich hab gelacht. Sie hat dann gedacht, es ist doch alles
gut und ist wieder gegangen, und ich hatte die Chance verpasst. In diese
Szene sollte ich dann reingehen, und da ist mein Vater dann dazwischen
gekommen und hat meinen Onkel in die Ecke geschlagen.
T. Ging’s dir da ein bisschen besser mit, als du das so bearbeitet
hast, weil, das ist der einzig richtige Ansatz, du musst nur reingehen
in die einzelnen Themen. Dann hat natürlich deine innere Frau absolute
Berechtigung, wenn sie solche tiefsten Gefühle, Erfahrungen, Körpergefühle
und so weiter abgespeichert hat, natürlich sind die Männer dann
saugefährlich. Das ist ja die Erfahrung von Anfang an. Frag doch
mal deine innere Frau, ob sie jetzt Lust hat, im Nachhinein das alles
zu bearbeiten. Das lässt sich alles verändern, dann bricht auch
erst mal emotional was auf, was auch wichtig ist, damit du in diese ganze
Gefühlswelt wieder rein kommst.
K. Und, bist du bereit, das zu bearbeiten? Sie sagt, wenn sie Hilfe hat
dabei (lacht), ohne Hilfe geht’s nicht.
T. Ja, jede Menge Hilfe, die Schwester hilft, der Bruder, der Papa und
wer auch immer. ... Jetzt einfach, nur aus Neugier gefragt, du sagtest,
bis 7 Jahre kannst du dich daran erinnern, wann war das letzte Mal.
K. Ich weiß, dass es dann mal so eine komische Situation gab, ich
glaube, meine Eltern haben auf jeden Fall irgendwas mitbekommen, und mein
Vater ist dann mit mir zusammen ins Sauerland gefahren, ich weiß
noch, ich hab ein Gespräch belauscht, da hat der meiner Mutter gesagt:
ach, dann fahr ich mit der ins Sauerland, mit ihr mal ganz alleine, dann
vergisst sie das schon wieder, und dann ist es wieder ok. Ich denke, die
sind noch von einem einmaligen Ereignis ausgegangen. Und den Kontakt danach
haben sie sehr gelockert, war ja immerhin Familie, mein Onkel ist auch
noch der Kollege meines Vaters, die waren früher ganz oft da und
später fast nie mehr.
T. Dann haben die eine Szene mitgekriegt, ... weißt du noch die
Szene?
K. Nee, ich weiß nur noch dieses Gespräch und das da irgendwas
ganz komisch war, Das Alter weiß ich eher von einem Photo, das da
gemacht wurde und da war ich so 7 oder 8. Und ich weiß auch, dass
mein Onkel seine Töchter missbraucht hat. Also, das weiß ich!
T. Woher weißt du das?
K. Weil ich einmal noch zwei Monate bei denen gewohnt habe, als ich 15
war und meine Mutter kurz vorm Sterben war, und da hab ich das einmal
mitbekommen, das sind Zwillinge, die sind zwei Jahre älter als ich
...
T. Die waren dann 17?
K. Ja, ...
T. Wie war das für dich, das muss ja heftig gewesen sein, wenn du
das mitkriegst, kannst du dich noch real daran erinnern? Beschreib doch
mal.
K. Ja, da kann ich mich sehr gut dran erinnern, die Mädchen waren
im Badezimmer, die sind immer zusammen ins Bad und waren am Giggeln und
Lachen und so, und mein Onkel hat dann gegen die Tür geklopft und
wollte rein, und sie haben ihn nicht rein gelassen, dann hat er gegen
die Tür gebollert, sie haben wohl gedacht, wenn ich im Haus bin,
dann haben sie Schutz. Dann haben sie ihm die Tür aufgemacht, und
dann war Ruhe im Bad, eine ganze Weile, man hörte nicht mehr viel,
und meine Tante lief wuselnd dauernd hin und her, hektisch, und die Mädchen
kamen dann mit gesenkten Köpfen, in sich zusammengefallen aus dem
Badezimmer raus, und er ... (Sie mimt eine vorgewölbte Brust) so
... Und mein Bruder hat auch einmal mitgekriegt, dass sich meine Eltern
unterhalten haben, dass das Verhältnis zwischen meinem Onkel und
den Mädchen nicht normal sei.
T. Dann frag sie doch mal direkt, diese beiden Mädchen, wenn du das
Bild noch so vor Augen hast oder geh doch mal ins Bad rein, während
es da noch so still ist, guck einfach mal rein.
K. Ja, ich bin drin.
T. Beschreib mal, was du wahrnimmst.
K. Die eine steht vor der Badewanne und stützt sich auf, und er vergewaltigt
sie von hinten.
T. Ok, du kannst schon mal kurz intervenieren, du kannst sagen, dass du
das alles aufarbeitest, dass das so nicht weitergeht, dass das nicht ok
ist oder so was, weil, wenn wir jetzt da reingehen, dann bricht das für
dich auf, das ist der Nachteil dabei. Also, einfach nur mal sachlich die
Anweisung geben, das geht so nicht weiter, du kommst wieder, ...
K. Genau, ich komme wieder und dann haue ich dir eine rein, in dieser
Szene, da hätte ich nämlich jetzt schon Lust zu ...
T. Nee, wenn wir jetzt da einsteigen, dann kommt erstmal die Wut hoch
und dann die Verzweiflung und dann bricht das ganze Thema auf, das kriegen
wir nicht in einer Session rund ... Und guck mal, wie der Onkel reagiert.
K. Oh, der hat mich jetzt wahrgenommen, komischerweise, der guckt mich
jetzt an, ein bisschen erstaunt.
T. Und deine Tante kannst du auch mit hinzunehmen, sag ihr auch Bescheid.
K. Die lebt noch.
T. Die lebt noch, ... dein Onkel ist schon tot?
K. Ja, schon lange, mit Anfang 60 ist der gestorben. Ja, nach dem Tod
meiner Mutter ist er gestorben, da war er Anfang 60.
T. Also, du könntest deine Cousinen sogar noch fragen, was da gelaufen
ist und deine Tante auch. Wie ist jetzt dein Verhältnis heute zu
ihr?
K. Wir sehen uns ja nicht so oft, ich war jetzt noch einmal zu Besuch,
und Margot, meine jüngste Schwester sagt immer, wenn die Tante tot
ist, dann geht’s los, dann werden sie es aufarbeiten, weil vorher
können sie es wohl nicht.
T. Deine Cousine sagt das?
K. Nee, das sagen wir Schwestern, die Cousinen reden ja nicht drüber,
die haben da nicht drüber gesprochen.
T. Und deine Schwestern wissen auch Bescheid?
K. Ja, klar, wir haben ein ganz enges Verhältnis miteinander.
T. Du siehst die heute auch häufig?
K. Ja, ich seh die heute, zum Beispiel, wir machen so ein Seminar, mein
Bruder und meine Schwester.
T. Jetzt guck doch mal, deine innere Frau, wie sie sich präsentiert,
dort am Strand vielleicht, was sie sagt dazu, du hast ja ne Menge aufgedeckt
oder zumindest erzählt, guck mal, was sie sagt, was sie meint dazu.
K. Was meinst du jetzt dazu? Sie hält das alles so fest um sich und
sagt, sie packt das erst aus (lacht)
T. Gut, da würden wir im Januar sofort mit anfangen, es ist sinnvoll,
da sofort einzusteigen. Ok, wir können auf der anderen Seite noch
folgendes machen, die Psyche besteht ja aus männlich und weiblich,
so ne aktive und passive Energie oder wie auch immer man das bezeichnen
will, Yin und Yang, du kannst diese männliche Energie mal auf deiner
rechten Seite auftauchen lassen, als deinen inneren Mann. Guck mal, wie
der daher kommt, lass den auch mal so als Punkt auftauchen, und dann wird
er größer, so dass du mehr Einzelheiten erkennen, detaillierter
wahrnehmen kannst. Guck mal, wie dein innerer Mann daherkommt.
K. Der reitet auf einem Pferd (lacht).
T. Oh ja, gut, so ein bisschen Prinzähnlich.
K. Ja (lacht) Er kommt jetzt von dem Pferd runter, so ganz locker, lässig,
also, ganz normal.
T. Wie ist das, wenn du ihn siehst, red mal mit ihm.
K. Wie geht es dir? ... Na, der hat immer gesehen, dass alles läuft,
das hab ich schon gemerkt
T. Der klingt eigentlich auch ganz fit
K. Ja, dem geht’s gut.
T. Also, die Qualität ist in dir offensichtlich vorhanden, du kannst
dich durchsetzen.
K. Ja, das ist ein großer, schlanker, normaler Mann, also, er ist
ganz normal.
T. Zeig ihm mal seine innere Frau, also sein Gegenüber, guck mal,
wie er auf sie reagiert.
K. Die ist schon hier, da ist die innere Frau, jetzt macht die Frau auch
noch so (hält die Hände vor die Augen).
T. Ok, da merkst du schon alles dran, die hat Angst vor dem Mann, die
haben noch nicht so ne Harmonie mit sich. Guck mal, wie er auf sie reagiert.
K. Na ja, er kennt sie ja, ... das ist dann halt so, deshalb musste er
ja immer alles machen.
T. Also die beiden sind schon vertraut miteinander.
K. Ja, er mit ihr, aber sie mit ihm wohl nicht so.
T. Frag sie mal.
K. Bist du mit ihm vertraut? ... Nee, die guckt ja gar nicht hin.
T. Gut, dann sag ihr schon mal, dass es jetzt auch in Zukunft darum geht,
dass sie sich mit ihm beschäftigt, dass sie einen Beschützer
kriegt, wenn du so willst, also einen aktiven Part, der für sie aufpasst
und so weiter, dass es ein bisschen ausgewogener wird, dass sie nicht
mehr alleine da ist oder so was. Red mal ein bisschen mit ihr.
K. Schau dir das mal an, das ist dein Mann, dein innerer, der beschützt
dich, der ist bei dir, und dann kannst du auch mal gucken, was es so gibt
für dich in der Welt, außer verstecken ... na, das glaubt sie
mir jetzt nicht so wirklich.
T, Ja, ist klar, das ist aber ein Prozess. So, deine innere Frau, mit
wie viel Prozent ist sie jetzt da? Also, wie hoch ist deine Weiblichkeit
im Leben, frag sie mal. Zwischen 0 und 100 Prozent, was würdest du
so sagen, ungefähr. Sie soll mal ein Schild hochhalten
K. Wie viel bist du mit deiner Weiblichkeit im Leben? ... Fünf.
T. Fünf Prozent, oh ja. Gut, das kann sein, wenn sie Missbrauch hat,
so tief, so weit zurückliegend, ja. Gut, dann frag mal den Mann,
wie weit bist du mit deiner Power da? Guck mal, welches Schild er hochhält.
K. Wie bist du da mit deiner Power? ... 90 oder 80.
T. Ja, ganz grob hatte ich auch so eine Idee. Gut, was mich jetzt noch
interessieren würde, bei all dem, was wir versucht haben, so ein
bisschen aufzuschlüsseln, lass mal deine Großeltern auftauchen,
alle vier. Guck mal, wer zuerst kommt.
K. Oma und Opa mütterlicherseits.
T. Guck mal, wie die beiden daher kommen, Arm in Arm oder verstritten.
K. Ja, die kommen als Paar, die waren 62 Jahre verheiratet und haben sich
Küsschen gegeben, wenn er im Keller Apfelsaft holen gegangen ist.
Also, die sind im gleichen Dorf aufgewachsen, in die gleiche Schule gegangen.
T. Oh ja, wenn du die siehst, wie geht es dir?
K. Ich freu mich komischerweise drüber, ja, ich freu mich für
sie.
T. Ja gut, wenn sie 62 Jahre zusammen waren, dann haben sie so eine ganz
starke Harmonie oder irgendetwas Tragfähiges zumindest, auch das
ist ja in deiner Familie, in deiner Psyche drin, wenn du so willst. Es
kann natürlich sein, dass du dich darüber freust.
K. Dann kommt der Vater meines Vaters, aber der war sehr alt, der war
schon immer alt, und meine andere Oma hab ich nie kennen gelernt, die
ist 45 gestorben.
T. Lass die trotzdem mal beide auftauchen, guck mal, wie die auftaucht,
die Oma.
K. Ja, die ist ganz klein und hutzelig ... die ist eine sehr Schwache
... mein Vater ist ja ein sehr intelligenter Mensch, und mein Opa war
eher so ein bisschen einfach gestrickt, also, ich denke mal, die Intelligenz
hat er von seiner Mutter, aber als Persönlichkeit war sie sehr klein.
Er ist böse auf seinen Vater und will seine Mutter retten.
T. Er will seine Mutter retten, ah ja. Also, da ist noch ganz viel Spannung
mit den Themen. Gut, dann gucken wir mal auf der anderen Seite, wie reagiert
die Mama auf ihre Eltern?
K. Ja, sie geht vor meiner Oma in Deckung. Meine Oma hatte so die Keule
geschwungen.
T. Die war eher der männliche Part?
K. ... ja, und mein Opa, sie versteckt sich hinter meinem Opa. Und er
macht so mit der Hand (beschützende Geste).
T. Wie ist das, wenn du das so siehst?
K. ich weiß das, das überrascht mich nicht.
T. So ist es halt, so kennst du es. Sag doch mal in die Runde, dass du
jetzt in der nächsten Zeit alle ihre Themen bearbeitest, also, so
ein bisschen, wie eine Ankündigung, guck mal, wie sie darauf reagieren.
K. Ich werde alle diese Themen, die wir jetzt eben genannt haben, bearbeiten.
T. Guck mal, welche Reaktion passiert.
K. Mein Vater lacht, grinst breit, freut sich, und meine Mutter versteckt
sich hinter meinem Opa, die ist jetzt im Moment ein Kind und lugt ihm
so zwischen den Beinen vorbei, also, die ist nicht richtig da.
T. Frag sie mal, in welchem Alter sie missbraucht worden ist. Woher weißt
du es, hat sie das mal erzählt?
K. Also, es muss so Grundschulalter gewesen sein. Das ist uns eigentlich
erst im Nachhinein klar geworden, dass sie das immer wieder erzählt
hat, aber nicht von sich, sondern von einer anderen Person, irgendwie
war uns Geschwistern das allen klar.
T. Da kam das raus? Ja klar, wenn sie über eine andere Person erzählt,
ist sie ja wie abgespalten und redet dann über den anderen Teil,
der das erlebt hat.
K. Ja, das war schon ein bisschen komisch, weil sie immer wieder gesagt
hat, dass nicht nur die Frauen, die auf der Flucht waren, vergewaltigt
wurden, sondern dass einfach in dieser Chaoszeit so ein Boden war, auf
dem manche Typen sich ausleben konnten.
T. Ja, das war normal damals. ... Ja, dann haben wir alle Personen sichtbar
gemacht, und auch die Traumen sichtbar gemacht. Gut, jetzt machen wir
mal so eine Art von Hochrechnung, ich gebe das einfach mal vor, stell
dir mal vor, du bearbeitest das jetzt, sagen wir mal, im nächsten
halben Jahr, schau doch mal, wie dann der Raum aussieht, mit dem Fußboden.
Geh da noch mal rein, schau in dir an.
K. Der Raum hat einen Boden, der ist ziemlich lang und nicht so furchtbar
breit, und an der Seite sind viele Fenster. Ich kann aber nicht rausgucken.
T. Nee, ist klar, du kannst noch nicht rausgucken, deine Sicht ist noch
nicht da. Ok, lad doch mal deine Figuren alle ein in den Raum, also, wir
nehmen praktisch das Ergebnis vorweg, also wie eine Rückkopplung.
Guck mal, wie deine innere Frau dann aussieht oder sich bewegt oder dein
innerer Mann, zum Beispiel, rufen wir die Beiden mal als erstes auf.
K. Also, mein innerer Mann ist ein kleines bisschen größer
und so ein bisschen ... (sie streckt die Brust vor).
T. Wie reagiert deine innere Frau auf ihn oder wie ist sie da?
K. Ich krieg die irgendwie nicht.
T. Er soll sie mal rufen. Gib ihm mal den Auftrag, er soll sie holen,
in der erlösten Form.
K. Hol du mal die innere Frau, die erlöste, nicht die eingepackte.
... Die so verschleiert, dass ich sie nicht sehen kann.
T. Das heißt, für deine Psyche ist es fast unmöglich,
sich sie dir vorzustellen, und wenn du sie aufrufst, dann ist sie verschleiert,
also, du kannst sie dir nicht richtig vorstellen, weil das eine unglaubliche
Veränderungsarbeit bedeutet, die so einfach für deine Psyche,
Seele gar nicht vonstatten gehen kann, weil da steckt ja ganz viel drin,
die Traumen, der Missbrauch ...
K. Also, die ist jetzt nicht mehr so dick eingepackt, aber sie hat ganz
viele Schleier überall, ich kann nichts sehen.
T. Die ist noch verschleiert, das ist ok. Guck mal, wie deine Eltern daherkommen.
K. Die haben sich an der Hand, und meine Mutter ist auf einmal eine Person.
T. Was ist mit dem inneren Kind, lass das auch noch mal auftauchen. Frag
es mal, wie es ihm geht, auch wenn es an den Missbrauch denkt, ob das
andere innere Kind oder der abgespaltene Anteil auch schon da ist, integriert
ist oder guck mal, wie das Kind aussieht.
K. Ja, da sind jetzt zwei Kinder, die ziehen irgendwas, als würden
sie zusammen spielen.
T. Gut, es kann sein, dass das dann noch integriert werden muss, dass
es dann irgendwann mal ein Kind wird. Letztendlich ist es so wie bei einer
Persönlichkeitsabspaltung, das muss man herbeiholen und dann integrieren.
Es kann auch sein, dass es ein bisschen Zeit braucht, weil es was ganz
Neues ist, du kennst es ja gar nicht. Das kann man gar nicht hochrechnen,
weil du es nicht kennst, weil es schon ganz früh passiert ist. ...
Was können wir noch machen, deine Großeltern herbeirufen, alle
vier, guck mal, wie sie da sind.
K. Mein Opa ist jetzt auf einmal stärker, der ist jetzt ein Mann,
vorher war er so, ... wurde er so von meiner Oma unter den Arm geklemmt.
T. Da kommt wahrscheinlich auch die Power her für deinen inneren
Mann.
K. Und die anderen Großeltern, meine andere Großmutter väterlicherseits,
ich seh sie nicht so richtig, ich weiß so wenig von ihr.
T. Ja, wie fühlst du dich, wenn du das alles so wahrnimmst, diesen
Raum, deine Verwandtschaft, deine Clique, deine Energiebilder.
K. Ja, ich will die jetzt mal irgendwie hinter mir haben, mal gucken,
was da vorne ist und nicht immer mir die angucken.
T. Ok, wenn wir das bearbeitet haben, dann steht dir auch die Welt wieder
offen. Sag’s ihnen mal, guck mal, ob sie als Ergebnis sich alle
hinter dich stellen, und guck mal, welche Perspektive hast du. Was ist,
wenn du nach vorne guckst?
K. Man kann nicht in diesen Raum reingucken, und ich würde gerne
aus den Fenstern gucken,
T. Oh ja, dann geh schon mal hin, ist ja alles nur ne Hochrechnung und
guck mal, was du drin siehst.
K. In dem Moment, wo ich um die Ecke komme, also, das sind so dicke Mauern
und wenn ich die Fenster eigentlich sehen müsste, dann ziehen die
sich zu.
T. Es kann gut sein, dass deine Psyche plötzlich streikt, und dann
kannst du keinen Blick da raus werfen, weil es eine Hochrechnung ist,
und auch eine Perspektive, das ist ja noch schwieriger. Tja, da brauchen
wir auch ein bisschen Zeit für, das geht nicht ganz so schnell.
K. Das ist mir klar.
T. Aber das geht. Weißt du, es geht mir im Moment auch nur darum,
so ein Anfangsbild zu entwerfen, von dem wir ausgehen, damit wir am Ende
rückkoppeln können und sagen können: da standen wir mal,
guck mal, wie die Veränderungen sind. Das ist schon ganz spannend,
weil es in allen Bereichen ja Veränderungen geben wird, und das ist
mit Sicherheit ganz spannend zu sehen.
K. Wir hatten das schon mal gemacht, zum Schluss, da konnte ich mir nur
Gänge in den Höhlen vorstellen, jetzt sehe ich wenigstens Fenster,
auch wenn ich noch nicht rausgucken kann, und Licht sehe ich auch.
T. Hattest du das bei mir gemacht?
K. Ja. Du hast dann zum Schluss auch gesagt, geh mal aus der Höhle
raus und ich konnte nicht.
T. Nee, so lange dieser Missbrauch nicht aufgelöst ist, ist es fast
unmöglich. So eine massive Abspaltung der Psyche, die kannst du nicht
wahrnehmen, die kriegst du nicht so integriert in deiner Vorstellung.
Gut, das war ein breites update mit dem Überthema Weiblichkeit. Guck
mal, ob du noch was wahrnehmen, feststellen willst oder ob du das erst
mal so stehen lassen kannst, ob irgendwas noch fehlt.
K. Ja, ich merke, das hat auch mit meiner Arbeit zu tun, mit dem Miteinander
auf der Arbeit, nicht mit der Arbeit selbst, sondern mit den Kollegen.
T. Wie du da bist und so weiter, das ist klar, das wird sich auch in deiner
Psyche sehr ändern. Es gibt ja dann wesentlich mehr Kommunikation
oder Verbindung untereinander, dass ist ja das, was wir letztendlich machen,
alles miteinander neu verbinden. Ja, guck doch mal ganz kurz, was ist
mit deinem Mann, deinem Exmann.
K. Da krieg ich Angst, wenn ich an den denke.
T. Ja, das ist klar. Das ist auch der nächste Schritt, den du machen
müsstest.
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