Vorgespräch:
Ilka reflektiert noch einmal über ihren Zustand. „Ich persönlich
sehe das nicht als Rückfall. Das ist für mich eine Kurskorrektur,
die ich vorzunehmen habe, und das Thema, was gestern kam, das ist ein
Hauptthema, das weiß ich. Hinter dem Lymphknoten, da steckt noch
was ganz anderes. Wir haben ja gestern Lymphknoten auf die Tür geschrieben,
aber das, was da kam, hat mit dem Lymphknoten meiner Meinung nach nichts
zu tun.“ „Da vertraue ich deinem Unterbewusstsein immer mehr
als deiner Meinung“ - widerspricht der Therapeut. Irgendwie ist
Ilka nicht einsichtig: „Also gut. Ich fühle mich weder krank
noch sonst was oder sehe ich das falsch?“
„Das hängt von deiner Definition von krank ab.“ Offensichtlich
hält Ilka sich für gesund und sieht die große Gefahr nicht,
in der sie schwebt. „Deine Innenwelt ist nicht schön, die ist
dunkel, da ist dieser Schlauch. Wenn ich das Kriterium nehme, kann man
sagen, irgendwie bist du aus deiner Mitte, wo alles lebendig ist und strahlt,
raus geschoben worden. Klar, es ist eine Kurskorrektur, aber dein Vater
ist in dem Sinne zurückgekippt, weil er erlöster war. Wir hatten
das Hauptsymbolbild des Vaters erlöst, aber da gibt es andere Erfahrungen
mit ihm, die offensichtlich noch negativ gewirkt haben, vielleicht auch
die Erlebnisse der letzten drei Jahre, die ja irgendwie damit zusammenhängen,
und dann kippt etwas zurück, und er wird wieder weniger lebendig.“
Im Arbeitsstil der Psychobionik 3.0, die ab 2012 unterrichtet wird, werden
immer die alten Bilder völlig zerstört, da sie die alte Struktur
repräsentieren und da sich die neue Struktur wie in einer Konkurrenzsituation
zur alten Struktur befindet, bewirkt die Zerstörung der alten Informationsstruktur
eine Nachhaltig in der Stabilität der neuen Struktur. Das NEUE kann
erst entstehen und beständig bleiben, wenn das ALTE zerstört
ist. Doch viele Menschen tun sich beispielsweise recht schwer bei der
Zerschlagung der Eltern. In Wirklichkeit handelt es sich doch nur um die
Entfernung des alten Skript in der Betriebsanleitung des Menschen –
der PSYCHE.
Der Therapeut erklärt Ilka noch einmal, was er durch sie gelernt
hat. „Das, was ich so lerne, ist, Leute länger zu begleiten.
Ich hatte eine Brustkrebsklientin, die war durch ihren Prozess gegangen,
es war alles perfekt. Ein Jahr später kam sie noch mal, und es war
weiterhin alles ok. Sie hatte ein Problem im Außen mit ihrem Sohn,
sie merkte aber in der Session, das ist eher so ein Entwicklungsthema
von ihrem Sohn und nicht von ihr. Das ist eine schöne Sache, wenn
ich Menschen mit Krebs über längere Zeit begleiten kann und
feststelle, ihre Innenwelt ist stabil. Von dir habe ich ja drei Jahre
nichts gehört, wärest du früher gekommen, wäre das
auch früher aufgefallen. Damals stand es an, dass du eine Kurskorrektur
in deinem Leben machst, diese Kurskorrektur ist aber nicht passiert, und
dementsprechend kann das Alte wieder mehr Raum einnehmen. Wenn wir aber
früher wieder eine Session gemacht hätten, dann wäre es
uns früher aufgefallen, und du hättest es schneller korrigieren
können. Dann hättest du dir vielleicht einiges eingespart, weil,
wenn ein Lymphknoten so heftig arbeitet, ist das ein Ausdruck von Unstimmigkeit
in dir.“
Ilka wird nachdenklich. „Warum ist das so bei mir? Das sagt auch
meine Frauenärztin, ich würde das nicht ernst genug nehmen.
Will ich da nicht hingucken, das war ja auch immer ein Thema bei mir.
Himmelkruzitürken. Das gibt heute wieder eine Session, es kocht in
mir.“
Sitzung:
Ilka geht die Treppe hinunter: „Ich will grade den Gang betreten,
aber da ist ein Hund, der kläfft mich an, zeigt mir seine Zähne,
der will mich nicht reinlassen in den Gang, ich soll da nicht weitergehen.
Der hindert mich daran.“ „Spannend. Das war bei der letzten
Session ja auch schon, so Kriegsgemetzel. Was machst du jetzt? “
– kommentiert der Therapeut. „Ich versuche mal, mit dem zu
reden. ... Hund, kannst du mir mal sagen, weshalb du hier auftauchst und
warum zeigst du mir so die Zähne? ... Du bist blöd, sagt der
zu mir. ... Kannst du es etwas präziser sagen? ... Du kommst nie
zum Wesentlichen! - Ich gucke ihm jetzt erstmal in die Augen, und ich
kann direkt in seine Seele reinschauen. Da ist eine totale Verbindung
zwischen uns, ich fühle mich so zu dir hingezogen. Wir sind uns sehr
ähnlich, du bist mein Seelenpartner.“
„Er ist ein Teil deiner Seele. Für was steht er, warum bellt
er dich an, was will er von dir?
Ilka fragt ihn: „Kannst du mir mal sagen, weshalb du mich anbellst,
was willst du mir zeigen? ... Ich möchte dir zeigen, dass du nicht
alleine bist, dass ich bei dir bin. ... Wie meinst du das? ... Du musst
nicht die Zähne fletschen, das mache ich für dich, wenn es nötig
ist.“
„Er will dein Freund sein, für dich da sein.“ –
„Ja. Der ist jetzt auch ganz zahm geworden, der kommt mir fast so
vor wie ein Blindenhund.“ Der Therapeut fragt nach:
„Also, du bist blind und er führt dich.“
Ilka geht nun mit ihm zu einer Tür, die wie ein Klohäuschen
aussieht. Sie öffnet die Tür.
„Das ist so ein felsiges Zimmer, an den Wänden tropft es runter,
und da ist tatsächlich ein Klo. Da in der Ecke ist ein Klo, aber
der Felsen schimmert so golden. Das Wasser tropft runter, und ich hab
so das Gefühl: Gott sei Dank, da ist Wasser, ich kann überleben.
Ganz hinten ist da ein Gang, so ein Mäusegang, und ganz oben ist
ein grüner Stern. Mein Begleiter hat sich mittlerweile hingesetzt,
der schaut mich so an, wie ich da so stehe. Das ist ja irgendwie ein blödes
Bild, da goldenen Wände mit Wasser, und da ein Klo. Der Hund sieht
mich aber und merkt, wie meine Augen blitzen, ich fühle mich da wohl.
- Raum, kannst du mir sagen, das sind für mich die puren Gegensätze
hier in dem Raum. Weshalb bist du so hier in meiner Innenwelt aufgetaucht?
... Ich möchte dir nur zeigen, wie es in dir aussieht. In dir gibt
es diese Gegensätze. - Raum kannst du mir sagen, welche Ereignisse
in meinem Leben haben dazu beigetragen, dass diese Gegensätze hier
so auftauchen? ... Ich möchte dir zeigen, dass du blind bist. - Kannst
du mir sagen, wann ich so blind geworden bin und was dazu geführt
hat, welches Ereignis. ... Da kommt mir spontan eine Geschichte mit sieben
Jahren, das ist ganz was Blödes, das passt eigentlich gar nicht ...
da sehe ich eine Situation, da bin ich mit meinen Eltern irgendwo in Österreich
in Urlaub, Ich habe von meinem Vater Geld bekommen, dass ich mir ein Eis
kaufen darf. Ich habe mir ganz stolz eine Kugel Eis gekauft, ich will
grade schlecken, da kommt ein Bernhardiner, der mich von hinten anfällt.
Der war nur an dem Eis interessiert, nicht an mir. Das hat mich so erschreckt
... diese Situation taucht da jetzt auf.“
Ilka geht in diese Situation hinein und ihr Hund hilft ihr das Eis zu
verteitigen. Die kleine Ilka ist begeistert: „Die steht jetzt da
so richtig stark und sagt mir, ich hätte einen tollen Begleiter,
der auf sie aufpasst.“
Die große Ilka geht in die Welt der kleinen Ilka – zurück
in ihre Kindheit. Sie erschreckt sich, da sie feststellt, das sie heute
sehr große Ähnlichkeit mit ihrer Mutter damals hat. So wollte
sie nie werden.
Der Therapeut schlägt ihr einen Test vor. „Frag doch mal dich
als Siebenjährige, wenn die dich heute anguckt, ob dann ihre Mama
vor ihr steht oder du?“ „Ja, ich bin genauso. - Mutter, jetzt
schau dir das mal an, ich habe mich wirklich mit allen Mitteln dagegen
gewehrt, dass ich nicht so werde wie du. Ich habe es schon ein paar Mal
festgestellt, mit jeder Handlung übernehme ich das, was du mir vorgelebt
hast. - Durch meinen Körper geht jetzt so eine richtige Schwäche,
als ob ich gleich einen Kreislaufzusammenbruch bekomme.“
Der Therapeut klärt auf: „Ja klar, deine Mutter steckt in deinem
Gehirn drin, du bist deine Mutter, und irgendwann wirst du zu ihr, von
deinem Verhalten her, von der Identifizierung her, von deiner Sichtweise
her.“ Ilka ist schockiert: „.. Ich möchte da nicht hingucken.“
„Ach ja, deshalb der Blindenhund, jetzt haben wir es.“ reagiert
verstehend der Therapeut. „Der Hund hat dich da hingeführt
und hat gesagt: du bist eine Blinde, und ich bin der Blindenhund. ...
Was siehst du?“
„Ich sehe momentan meine Mutter, wie sie selbstgefällig mit
verschränkten Armen dasitzt, und sie sagt: es hat doch gewirkt! Und
ich bin da an diesem Felsen angebunden, und ich strampele und mache, ich
will weg, und ich komme nicht weg. Ich seh die da sitzen, so selbstgefällig,
und ich könnte sie totschlagen. Die sitzt da und wird immer fetter,
baut sich so richtig auf, während ich mir einen abstrampele, und
es nützt alles nichts.“
Jetzt wird es deutlich: „Das war auch deine Eingangsfrage, da hast
du gesagt, du kommst nicht in die Pötte, es funktioniert irgendwie
nicht, es gibt keinen Antrieb: das ist Mama in dir! Die blockiert dich,
deinen Selbstentfaltungsweg. Du kommst nicht zu dir, du lebst deine Mama.“
– Ilka fragt ihre Mutter: „Bist du daran beteiligt, dass mein
Lymphknoten so angeschwollen ist? ... Ja. – zu 90%.“
Diese innere Mutter ist der unerlöste Hauptbrochen wie Ilka: meint
„Oh Mann, ich könnte sie totschlagen.“ Sie tobt und schreit
und schlägt mit zwei Schlagstöcken: ... Weg, weg jetzt du Arschgeige,
ich will dich nicht mehr länger haben. Hau ab, hau ab.“
Auch hier wird wieder deutlich. Ilka will sie weghaben, aber das geht
nur, wenn sie diese Mutter zerstört – umbringt – nur
dann entsteht eine NEUE archetypische Mutter. 2009 haben wir noch nicht
so genau darauf geachtet
Ilka fällt auf: „Ich schlag da immer daneben. Das ist wieder
so, dass ich alles mögliche mache, aber immer daneben. Ich nehme
jetzt so eine Schlagbohrmaschine, die Mutter ist wie in so einem Eisblock
drin, vielleicht ist die auch tiefgefroren.
Ein Geräusch von einem Presslufthammer wird eingespielt. Ilka wird
fies: „Jetzt steche ich in die Augen.“ „Du hast gestern
so ein bisschen diese Rache gehabt, das war richtig echt“ Ilka wird
ehrlich: „Weißt du, was ich machen will, ich möchte jetzt
ganz lieb tun und ihr dann eine rein hauen. Ach, du bist ne ganz Liebe,
ich streichele dich jetzt mal ... und dann mit einem Bömbchen oder
so ... Das möchte ich ganz zart in die ausgehöhlten Augen reinsetzen,
rechts, links ... Das langt mir aber noch nicht. Was könnte ich sonst
noch machen? ... Ich möchte jetzt noch ein Auto, das soll da noch
ganz langsam darüber rollen.“
Geräusche von fahrenden Autos, mit Crash und quietschenden Reifen
wird eingespielt und Ilka tobt sich aus. Danach wird der Symbolraum inspiziert:
„Das Klo ist weg.“
„Deine Mutter stand für das Klo?! Für die Scheiße.
Für die Scheiße in deinem Leben. Hol mal den Hund herbei, guck
mal, wie der auftaucht“ – fragt verwundert der Therapeut.
Der Hund freut sich, denn Ilka hat diese Aggressionsenergie ausgelebt.
„Der leckt mich ab. ... Ich bin so froh, dass du da bist, ich könnte
dich knuddeln. Du bist ein Lieber, du bringst da wenigstens ein bisschen
Bewegung rein. Sei schön brav, jetzt setz dich mal wieder neben hin.“
Diese letzte Bemerkung macht stutzig und sofort hat der Therapeut einen
Verdacht und fragt: „Sei schön brav – von wem kam dieser
Ausspruch?“
„Von der Mutter“ wird es Ilka auch klar.
Der Therapeut erklärt: „Die ist ja immer noch irgendwie wirksam
in dir. ... Gut, dann holen wir sie mal herbei und schauen, wie sehr sie
sich verändert hat, wie sie jetzt ausschaut. Lass sie mal neu auftauchen
durch die Tür. Guck mal, wie sie daherkommt.“
Die Klientin ist erstaunt: „Die kommt daher wie so ein Geist, so
wie in den letzten Zügen.“ Das ist aber ein Zeichen, das sie
noch nicht vollkommen transformiert wurde. Die Bearbeitung erfolgte auf
der Symbolebene und nicht in den realen Situationen. In der Psychobionik
3.0 wird dies streng berücksichtigt.
Die 7jährige Ilka ist begeistert und auch ihr Vater bescheinigt ihr
effektive Arbeit. Ilka empört sich ihn gegenüber: „Wenn
andere den Dreck wegräumen. Vater, ich bin nichts anderes von dir
gewöhnt. Ich hab hier für alle den Dreck weggeschafft. Ihr müsstet
mich eigentlich alle auf Händen tragen, aber eure Hände will
ich gar nicht.“
Echte Transformation ist dies nicht. Der Therapeut macht dies mit den
Worten klar: „Aha, da ist noch so ein bisschen Bockigkeit da. Dann
sag es ihnen ruhig. Eigentlich hätten sie dir helfen sollen, du bist
ja auch enttäuscht, dass sie dir nicht geholfen haben.“
Ilka wird ehrlich: „Ja, ich bin enttäuscht. Das will ich euch
schon mal sagen, ich bin enttäuscht, dass ihr mir nie geholfen habt.
Ich habe immer hundert oder zweihundert Prozent oben drauf gehabt, das
war ja schwierig, mit euch überhaupt zu leben. Das ich irgendwann
mal abgekämpft bin, das ist ja wohl verständlich. Das kreide
ich euch auch an, dass ihr mich so habt zappeln lassen.“ Ilka merkt
selbst: „Also, die stehen nicht hinter mir.“ Papa ist immer
noch schwach.
Er erklärt sich selbst: „Letztendlich ging mir das mit der
Familie am Arsch vorbei, ich kam ja aus dem Krieg, und ich war vorher
ja ein toller Mann, danach war der Unterschenkel weg. Dann war dein Bruder
da, du kamst auf die Welt, und ich musste dann für die Familie sorgen.
Das habe ich irgendwie so von zu Hause mitgekriegt, aber da fehlt mir
auch ein Stück Lebensqualität, ich wollte auch mal so ein Lotterleben
haben.“ – „Das war ein toller Mann, da standen die Mädchen
Schlange, und dann war er festgenagelt“ – erklärt Ilka
ihren Vater weiter. Doch den Verlust seines Beines hat er nie verarbeitet,
denn er fühlt sich als Invalide. Ilka hat als kleines Mädchen
den Stumpf ihres Vaters liebkost. Wir rufen dieses Kind und es spürt
den Schmerz und die Trauer vom Papa. Ilka fängt an zu weinen. „Vater,
ich weiß ja, dass du so leiden musst, ich möchte dir helfen.“
Das Kind fängt an, den Papa zu trösten. „Papa, schau mal,
ich übernehme den Schmerz für dich. ... Der liegt da und genießt
es voll. ... Ich habe das immer gemerkt, du hast mir immer so leid getan.
Das ist so die tiefe Trauer für deine Jugend, die dir da verloren
gegangen ist.“
Ilka soll ihre Mutter holen. Konnte sie ihren Mann nach dem Krieg annehmen?
„Wir haben uns ja geliebt, und als er aus dem Krieg kam, da konnte
ich ihn doch nicht einfach sitzen lassen. Ich habe da auch schon in seinem
Elternhaus gelebt, ich wollte auch nicht mehr zurück.“ Ilka
befragt ihre Mutter weiter: „Mutter, kannst du mir mal sagen, ob
da irgendwas bei dir wie versteinert wurde, ob du dein Herz verschlossen
hast, nach dem Krieg? ... Ja, ich bin da in so eine ganz andere Atmosphäre
rein gekommen, da war der Schwiegervater, der mit drei Kindern alleine
war, weil die Frau mit 50 an Brustkrebs gestorben ist. Der war sehr hart,
der war beruflich sehr erfolgreich, der wollte seine Kinder zu stählernen
Menschen machen. Da war der eine Bruder, der war eher schwach, der musste
dann im Winter nackt in den Schnee raus und sich wälzen, um sich
abzuhärten. ... Und ich weiß, mein Vater hat die Mutter sehr
vermisst, der wollte von seinem Vater nichts wissen“ – meinte
abschließend Ilka über ihren Vater.
Dem Therapeuten fällt auf: „Die Mutter deines Vaters ist mit
50 an Brustkrebs gestorben, du hast auch mit 50 Brustkrebs gekriegt. ...
Gut, guck mal, ob deine Mama den Papa annehmen kann, so wie er ist.“
„Mama, kannst du den Vater so annehmen, wie er ist? ... Nee! Der
ist mir zu weich. Das ist nicht der Mann, den ich brauche. Der ist so
voller Trauer, der trauert seiner Mutter hinterher.“ – berichtet
sie. Sie wird gerufen: „ Ja, die Mutter Anna. ... die geht gleich
zu ihrem Jungchen und sagt: Ach, jetzt sei doch nicht so betrübt!
... und der heult sich jetzt aus. Ach, Mutti, Gott sei Dank, dass du da
bist“ – berichtet Ilka unter Tränen. „Ich hab dich
so vermisst. ... Nur das wollte mein Vater, der wollte seine Mutter wieder.
- Mein Vater war zu jung, als seine Mutter starb. Er konnte mit der Härte
des Vaters nichts anfangen.“
Die Großmutter von Ilka wurde noch nicht bearbeitet und gibt somit
wie eine Arbeitsanweisung in der PSYCHE den Befehl: Mit 50 Brustkrebs
und daran sterben. Um diesen Skript zu löschen, darf die Oma nicht
sterben. „Das heißt, wir müssten den Konflikt seiner
Mutter lösen, damit sie nicht mit 50 stirbt. Sag du ihr das mal,
sonst übernimmst du ihren Konflikt mit dem Brustkrebs. Irgendwas
trägt sich da weiter.“
Ilka: „Großmutter oder Mutter Anna, wir müssen uns jetzt
irgendwas einfallen lassen, dass du mit 50 nicht an Brustkrebs stirbst,
weil ich das sonst für dich übernehme.“
Und an den Therapeuten gerichtet: „Sie wollte nicht mehr mit diesem
steinharten Mann zusammen sein.“
Therapeut: „Ok, im Klartext: Beziehungskonflikt. Kein Bock mehr
auf ihren Mann, irgendwas ist vorgefallen, irgendwas hat ihr so weh getan“.
Ilka erklärt: „Der war ja auch immer unterwegs, in fremden
Ländern, der war damals Prokurist in einer Firma und oft im Ausland.
Sie musste dann mit den drei Kindern alleine zurechtkommen. Wenn er wieder
kam, wollte er dann bestimmen. Sie wollte das nicht mehr, er hat ja eigentlich
von der Entwicklung der Kinder nichts mitgekriegt und sich dann in alles
eingemischt.
Also Opa, komm doch mal her, pass mal auf, du warst ja ein toller, erfolgreicher
Mann, aber das mit deiner Frau hast du irgendwie nicht so hingekriegt.
Du wolltest drei Kinder, du hattest drei Kinder, du bist dann fort und
hast dein Leben gelebt, und die Mutter war zuhause mit den drei Kindern,
und sie war hoffnungslos überfordert. Wenn du dann zurückkamst,
hast du den großen Macker gespielt.“
Therapeut: „Und irgendwas ist zwischen den Beiden so schief gelaufen,
dass seine Frau den Brustkrebs gekriegt hat und daran verstorben ist.“
Wir versuchen dies aufzudecken: „Er muss zu seiner Frau eine Beziehung
aufnehmen, dass sie nicht vor lauter Kummer, Konflikt oder Gram stirbt.“
– ist der Vorschlag des Therapeuten.
In der heutigen Form der Psychobionikarbeit gibt es die Zerstörung
der destruktiven Beziehung von Anfang an, sowie weiter zurück, d.h.
bei den Vorfahren muß auch das Urbild „Die Liebenden“
aktiviert werden. Dies geschieht nur durch vollkommene Zerstörung
der „Skripte“ der Beziehung von Oma und Opa in der PSYCHE.
Denn Beide haben sich angezogen und so muß auch bei den beiden Elternpaaren
das Urbild „Die Liebenden“ erzeugt werden. So kann in der
PSYCHE die destruktiven Befehle: Bekomme Brustkrebs und sterbe“
eleminiert werden. Diese Weiterentwicklung war 2009 in dieser klaren Form
noch nicht vorhanden. Urbilder sind immer fraktal vernetzt.
Ilka hat eine Idee. Sie entspricht der Haltung der Synergetik Methode
die Innenwelt einfach umzugestalten. Leider ist díese Herangehensweise
nicht nachhaltig, wie eben erklärt. Sie sagt: „Also, pass auf,
ich habe einen Vorschlag: ich verdiene so viel Geld, dass ich meine Familie
mitnehmen kann, wenn ich ins Ausland fahre, und die Kinder eben dort zur
Schule gehen. Dann bekommen sie auch die Bildung, die ich wollte. Dann
lernen sie auch fremde Menschen kennen, fremde Kulturen, das wollte ich
immer. - Oma, möchtest du das? ... Sie möchte es mal probieren.
... Also, dann fahrt mal los.“ Naiverweise macht der Therapeut den
Vorschlag: „Spielt es einfach mal durch, ob es geht. Es geht darum,
dass Opa und Oma irgendwie glücklich sind und sie nicht vor lauter
Kummer und Konflikt stirbt.“ Leider ist so eine nachhaltige Veränderung
nicht möglich.
Ilka: „Ok, die geht mit, und sie sagt ihren Kindern, der Vater muss
arbeiten, und wir machen uns eine schöne Zeit. Wir gucken, was wir
lernen könne, erleben können, in dem jeweiligen Land. Dann guckt
sie sich um, sie ist in den Dörfern bei den Einheimischen, und sie
blüht dort auf. Sie kann da was von ihrem Kulturkreis einbringen,
das ist ein richtiger Austausch. Die Kinder springen da rum, die müssen
jetzt nicht Klavier spielen oder so, die dürfen mit den anderen Kindern
rumhüpfen. Der Kleinste, der eigentlich immer so ein bisschen gekränkelt
hat, der wird von den fremden Kindern geheilt, indem sie ihn in ihre Gruppe
aufnehmen. Die Oma ist total zufrieden, und wenn der Opa heimkommt, gibt
es kein Geschrei. Die Oma sitzt da und freut sich auf ihren Mann, weil
sie keine Last auf dem Herzen hat. Dadurch, dass sie mit so vielen Leuten
Kontakt hatte, war es so als ob die Familie sich vergrößert
hat, ihr Schwerpunkt lag nicht auf ihrem Mann.“
„Jetzt gucken wir einfach, ob Oma 50 wird“ – will der
Therapeut testen.
„Der 50. Geburtstag von Oma wird in Afrika gefeiert, da gibt es
ein großes Trommelkonzert, das ist ein großes Fest. Die Oma
erlebt ihren Geburtstag in einer ganz tiefen inneren Ruhe, sie ist stolz
auf ihre Familie, auf ihre große Familie, der Mann, die Kinder,
alle, die auf dem Fest sind, gehören dazu. Das ist schön, so
wünsche ich mir das auch.“
Das Ergebnis wird für gut befunden und nun gehen wir direkt in den
Krieg, wo das Bein abgeschossen wird. Auch hier geschieht die Veränderung
einfach.
„Ich bin schon da in der Schlacht, und ich sehe grade, dass mein
Vater kurz vor sich einen Einschuss sieht. Er springt grade noch so zur
Seite und wird von den Splittern gar nicht getroffen, sondern er kann
sich grade noch so wegrollen. Er ist deshalb weg gesprungen, weil er unbedingt
da raus kommen wollte, er wollte überleben, er wollte wieder zu seiner
Frau. Das hat ihm in diesem Moment die Kraft gegeben so einen Riesensprung
zur Seite zu machen.“
So wird heute nicht mehr gearbeitet, auch wenn jetzt das Bein wieder gesund
erscheint und Ilka begeistert feststellt: „Nee, der hat keinen Stumpf.“
Wie hat sich der Symbolraum verändert? Ilka beschreibt: Der Raum
ist mittlerweile ganz aus Gold, die Felswände sind nicht mehr da,
das ist ein schöner Tempel, der mit Gold verkleidet ist. Ich sitze
da drin, das Klo ist ja schon lange weg, und um mich herum fließt
Wasser ... das ist das Paradies! So stelle ich mir das Paradies vor. Da
sind Blumen, Schmetterlinge, da sind spielende Kinder, und ich sitze so
mittendrin und habe alles, was ich brauche. Es fehlt nichts. Es ist so
gleichförmig, in dem Raum ist alles so harmonisch.“
Opa und Oma bekommen diesen Raum in seiner Veränderung gezeigt. „Opa,
schau mal, dadurch, dass du damals deine Familie mitgenommen hast, hast
du mein Leben auch erlöst. Mein Leben ist jetzt im Paradies. - Ja.
Und ich möchte mich bei dir bedanken, dass du das so gut gemacht
hast. ... Ja, sagt er, ich habe mich ja auch wie im Paradies gefühlt,
ich habe das nur weiter gegeben.“
Zum Abschluß werden alle ins Zimmer gerufen. „Die kommen alle
rein, mir kommt das so vor, als wären es alle Engel. Sie setzen sich
ganz sanft auf den Boden, und es gibt nichts zu sagen, keiner braucht
was zu sagen. Jeder genießt die Anwesenheit des Anderen, und es
ist ein himmlischer Frieden.“
Ilka bedankt sich noch bei dem Hund, der ihr den Weg gezeigt hat. Sie
ist dadurch tiefer mit ihrem „Schatten“ in Kontakt gekommen.
Leider reicht die Lebenskraft nur noch für 2 Jahre.
„Und ich habe gedacht, ich hätte heute bestimmt keine Bilder.
Aber in der vorigen Session hat mich was angetickert, das ist dann plötzlich
hoch gekommen. - Das letzte Bild war schon stark, wie die da alle als
Engel in dieser göttlichen Harmonie da waren. Das vergesse ich mit
Sicherheit nie mehr wieder“ – meint sie noch im Nachgespräch.
In ihrer Beschreibung der letzten 3 Jahre erzählt sie plötzlich
von einem massiven Ereignis: „Ich bin ja immer umhergerannt und
habe getan und gemacht, weil ich einfach diesen Halt nicht hatte. In den
ersten Sessions hatte ich ja keinen Boden unter den Füßen und
so weiter. Jetzt war der Boden schon da, aber nicht vollkommen, es war
noch nicht rund. Das habe ich die letzte Zeit so gespürt, ich fühlte
mich wie entwurzelt. 2007 ist dann auch meine Mutter gestorben, vorher
war ich fit ... Das hat mich flachgelegt, meine Tochter hat es auch sehr
mitgenommen. In unserem Leben hat sich wirklich was verändert, da
war ich ein bisschen unvorsichtig.“
Der Therapeut probiert die Mitteilung einzuordnen: „Das kann der
Auslöser gewesen sein. Das ist ein markantes Ereignis, wenn die Mutter
stirbt. Da kommt alles ins Ungleichgewicht, du musst vielleicht die Mutter
in deinem Kopf mehr übernehmen, du wirst vielleicht mehr zu deiner
Mutter, das sind ja unbewusste Vorgänge. Wenn deine Mutter im Außen
ist, kannst du mehr das Kind sein, aber wenn die plötzlich weg ist?“
Ilka ergänzt: „Ja, das war für mich heftig. Ich hatte
grade angefangen, wieder zu arbeiten, ich war auf den ersten Seminaren,
und in der Zeit kam sie ins Krankenhaus und hat aufgegeben. Ich und meine
Tochter, wir haben sehr darunter gelitten, ich habe 15 Kilo zugenommen,
ich habe dann gemerkt, ich bin jetzt Vollwaise. Das Berufliche hat mir
geholfen, dadurch kam ich da so wieder raus
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Vorgespräch:
K. ... ich persönlich sehe das nicht als Rückfall. Das ist für
mich eine Kurskorrektur, die ich vorzunehmen habe, und das Thema, was
gestern kam, das ist ein Hauptthema, das weiß ich. Hinter dem Lymphknoten,
da steckt noch was ganz anderes. Wir haben ja gestern Lymphknoten auf
die Tür geschrieben, aber das, was da kam, hat mit dem Lymphknoten
meiner Meinung nach nichts zu tun.
T. Da vertraue ich deinem Unterbewusstsein immer mehr als deiner Meinung.
K. Also gut. Ich fühle mich weder krank noch sonst was oder sehe
ich das falsch?
T. Das hängt von deiner Definition von krank ab. Wenn du so eine
große Toleranz für krank hast, dann bist du nicht krank. Also,
deine Innenwelt ist nicht schön, die ist dunkel, da ist dieser Schlauch.
Wenn ich das Kriterium nehme, kann man sagen, irgendwie bist du aus deiner
Mitte, wo alles lebendig ist und strahlt, raus geschoben worden. Klar,
er ist eine Kurskorrektur, aber dein Vater ist in dem Sinne zurückgekippt,
weil er erlöster war. Wir hatten das Hauptsymbolbild des Vaters erlöst,
aber da gibt es andere Erfahrungen mit ihm, die offensichtlich so gewirkt
haben, vielleicht auch die Erlebnisse der letzten drei Jahre, die ja irgendwie
damit zusammenhängen, und dann kippt etwas zurück, und er wird
wieder weniger lebendig.
K. Ich möchte jetzt daran weiterarbeiten.
T. Es bleibt dir eh nichts anderes übrig.
K. Ich muss jetzt eigentlich gar nichts machen.
T. Nein. Es kommt alles so hoch, wie es ist. Das, was ich so lerne, ist,
Leute länger zu begleiten, ich hatte eine Brustkrebsklientin, die
war durch, es war alles perfekt. Ein Jahr später kam sie noch mal,
und es war weiterhin alles ok. Sie hatte ein Problem im Außen mit
ihrem Sohn, sie merkte aber, das ist eher so ein Entwicklungsthema von
ihrem Sohn, nicht von ihr. Das ist eine schöne Sache, wenn ich die
Leute so begleiten kann, das habe ich da gemerkt. Von dir habe ich ja
drei Jahre nichts gehört, wärest du früher gekommen, wäre
das auch früher aufgefallen.
K. Das hat damit was zu tun, dass das für mich abgeschlossen sein
sollte, ich wollte beruflich da weiter machen ...
T. Gut, damals stand es an, dass du eine Kurskorrektur in deinem Leben
machst, diese Kurskorrektur ist aber nicht passiert, und dementsprechend
kann das Alte wieder mehr Raum einnehmen. Wenn wir aber früher wieder
eine Session gemacht hätten, dann wäre es uns früher aufgefallen,
und du hättest es schneller korrigieren können. Dann hättest
du dir vielleicht einiges eingespart, weil, wenn ein Lymphknoten so heftig
arbeitet, ist das ein Ausdruck von Unstimmigkeit in dir.
K. Warum ist das so bei mir? Das sagt auch meine Frauenärztin, ich
würde das nicht ernst genug nehmen. Will ich da nicht hingucken,
das war ja auch immer ein Thema.
T. Das sieht so aus, aber das ist weit verbreitet. Die Leute haben einen
Leidensdruck, damit sie sich bewegen, von daher bist du ganz normal. Guck
mal, was die R. alles ausgehalten hat, bis heute, bis sie sich mal hinlegt
und ihre Mama bearbeitet. Das ist weit verbreitet, überall.
K. Wir sind so verblieben, dass ich immer nachgucken lasse. Warum habe
ich das nicht gemacht?
T. Ja. Du bist einfach zu einer Schülerin von mir gegangen, nicht
zum Meister, ich weiß auch nicht, warum. Du bist zur B. gegangen,
die kann das ja auch.
K. Ja, weil die um die Ecke wohnt, mir war das immer zu viel Aktion.
T. Jetzt hast du einen Grund.
K. Also gut, jetzt fangen wir an.
T. Wenn du deine Kurve kriegst, bin ich mit allem einverstanden.
K. Himmelkruzitürken. Das gibt heute wieder eine Session, es kocht
in mir.
T. Das ist gut, das gefällt mir. Da kommt viel Energie in Gang, da
hast du schon deinen Raum verändert, das war früher nicht so.
K. Ja, das weiß ich.
Sitzung:
K. Ich bin da. Ich will grade den Gang betreten, aber da ist ein Hund,
der kläfft mich an, zeigt mir seine Zähne, der will mich nicht
reinlassen in den Gang, ich soll da nicht weitergehen. Der hindert mich
daran.
T. Spannend. Das war bei der ersten Session ja auch schon, so Kriegsgemetzel.
K. Ja, Kämpfer.
T. Das ist irgend so ein Aggressionsanteil, der da sichtbar wird. ...
Gut, was machst du jetzt?
K. Ich möchte aber in die Türe rein, ich versuche mal, mit dem
zu reden. ... Hund, kannst du mir mal sagen, weshalb du hier auftauchst
und warum zeigst du mir so die Zähne? ... Du bist blöd, sagt
der zu mir. ... Kannst du es etwas präziser sagen? ... Du kommst
nie zum Wesentlichen! ... (Ein Hund bellt im Hintergrund) ... Weg mit
dir. ... Aber ich will dich gar nicht wegschicken, weil ich glaube, es
ist ganz gut, dass du da bist.
T. Guck mal, ob du dich näher dran traust, wenn du ihn einlädst,
dass er da sein darf. Guck, mal, ob das geht.
K. Ich gucke ihm jetzt erstmal in die Augen, und ich kann direkt in seine
Seele reinschauen. Da ist eine totale Verbindung zwischen uns, ich fühle
mich so zu dir hingezogen. Wir sind uns sehr ähnlich, du bist mein
Seelenpartner.
T. Er ist ein Teil deiner Seele. Gut, für was steht er, warum bellt
er dich an, was will er von dir?
K. Kannst du mir mal sagen, weshalb du mich anbellst, was willst du mir
zeigen? ... Ich möchte dir zeigen, dass du nicht alleine bist, dass
ich bei dir bin. ... Wie meinst du das? ... Du musst nicht die Zähne
fletschen, das mache ich für dich, wenn es nötig ist.
T. Also, er will so ein bisschen dein Freund sein, für dich da sein.
Dann frag ihn doch mal, ob er mitgeht auf deine Reise durch die Tür,
der will dann quasi für dich da sein, wenn ich das richtig verstanden
habe.
K. Ja. Der ist jetzt auch ganz zahm geworden, der kommt mir fast so vor
wie ein Blindenhund.
T. Also, du bist blind und er führt dich.
K. Ok, jetzt frag ich mal, willst du mit mir dahinten rechts in den Raum
gehen? Da ist ein kleines Loch in der Türe, und das zieht mich irgendwie
magisch an. ... Ja, ich gehe mit dir, dann hast du keine Angst.
T. Guck mal, ob irgendwas auf der Tür draufsteht.
K. Das ist ein Klohäuschen.
T. Bist du bereit, diese Tür zu öffnen? Dann öffne sie
jetzt. Wie ist deine Wahrnehmung, was ist da?
K. Das ist so ein felsiges Zimmer, an den Wänden tropft es runter,
und da ist tatsächlich ein Klo. Da in der Ecke ist ein Klo, aber
der Felsen schimmert so golden. Das Wasser tropft runter, und ich hab
so das Gefühl: Gott sei Dank, da ist Wasser, ich kann überleben.
Ganz hinten ist da ein Gang, so ein Mäusegang, und ganz oben ist
ein grüner Stern. Mein Begleiter hat sich mittlerweile hingesetzt,
der schaut mich so an, wie ich da so stehe. Das ist ja irgendwie ein blödes
Bild, da goldenen Wände mit Wasser, und da ein Klo. Der Hund sieht
mich aber und merkt, wie meine Augen blitzen, ich fühle mich da wohl.
T. Frag doch mal den Raum nach einer Botschaft, was soll das, du verstehst
es nicht.
K. Raum, kannst du mir sagen, das sind für mich die puren Gegensätze
hier in dem Raum. Weshalb bist du so hier in meiner Innenwelt aufgetaucht?
... Ich möchte dir nur zeigen, wie es in dir aussieht. In dir gibt
es diese Gegensätze.
T. Dann machen wir es standardmäßig, wir fragen den Raum, was
dazu beigetragen hat, dass er so ist wie er ist. Warum sind diese Gegensätze
so heftig, so krass, gibt es Ereignisse, die du dir anschauen sollst.
K. Raum kannst du mir mal sagen, welche Ereignisse in meinem Leben haben
dazu beigetragen, dass diese Gegensätze hier so auftauchen? ... Ich
möchte dir zeigen, dass du blind bist.
T. Gut, wann bist du blind geworden, was ist passiert, dass du etwas nicht
siehst, oder was hast du nicht gesehen? Las dir am besten das Ereignis
zeigen.
K. Kannst du mir sagen, wann ich so blind geworden bin und was dazu geführt
hat, welches Ereignis. ... Da kommt mir spontan eine Geschichte mit sieben
Jahren, das ist ganz was Blödes, das passt eigentlich gar nicht ...
T. Doch, das passt immer.
K. ... da sehe ich eine Situation, da bin ich mit meinen Eltern irgendwo
in Österreich in Urlaub, Ich habe von meinem Vater Geld bekommen,
dass ich mir ein Eis kaufen darf. Ich habe mir ganz stolz eine Kugel Eis
gekauft, ich will grade schlecken, da kommt ein Bernhardiner, der mich
von hinten anfällt. Der war nur an dem Eis interessiert, nicht an
mir. Das hat mich so erschreckt ... diese Situation taucht da jetzt auf.
T. Gut, dann geh du mal dahin, du heute, Guck mal, die kleine Ruth mit
ihrem Eis, und dann greif mal ein in das Geschehen. Nimm ruhig den Hund
von eben mit
(Hundegebell im Hintergrund)
K. Was mach ich denn jetzt?
T. Was immer du willst.
K. Der Hund kommt und jetzt fordere ich meinen Begleiter auf, den Bernhardiner
zu stoppen. Mein Begleiter springt den sofort an und zwickt oder beißt
dem in die Nase. So groß wie er ist, der Bernhardiner, genauso feige
ist er jetzt abgezogen. Das hat er gut gemacht. Das hast du toll gemacht,
super. Danke.
T. Guck mal, wie die kleine Ruth reagiert.
K. Die steht jetzt da so richtig stark und sagt mir, ich hätte einen
tollen Begleiter, der auf sie aufpasst.
T. Kann das sein, dass der Hund aufgetaucht ist, weil dieses Ereignis
hoch gedrückt hat? Das kann gut sein, das ist ja auffällig.
... Gut, wir gucken gleich mal, ob das im Eingangsraum, im Symbolraum
irgendetwas verändert hat.
K. Nee, da hat sich nichts geändert.
T. Nimm mal die Siebenjährige mit in den Raum, zeig ihr das mal.
K. Die setzt sich gleich auf das Klo, stützt ihren Kopf auf die Hände,
schaut mich an und sagt: Ok, und jetzt? So, als ob sie mir sagen möchte,
ich brauch jetzt mal ein Programm.
T. Ok, das ist die, die meint, dass das Leben ein Programm sein muss.
Was machst du jetzt mit der?
K. Du kannst mich mal gern haben. Hör mal zu, jetzt habe ich dich
mitgenommen, jetzt bleib mal ganz friedlich. ... Die sitzt da sehr gelangweilt.
Das stört mich irgendwie, das macht mich aggressiv. ... Du pass mal
auf, ich habe dich hier mit in den Raum genommen, in den schönen
Raum, du setzt dich freiwillig gleich auf den Klodeckel und machst einen
auf gelangweilt. Das macht mich innerlich aggressiv, ich will dir kein
Programm bieten.
T. Lass mal den Hund auch mit da sein. Guck mal, was mit der Kleinen jetzt
passiert. Das Thema Aggression kommt wieder hoch, ok.
K. Der Hund guckt mich an, und dann legt er sich auch hin und schläft.
Ich glaube, ich spinne.
T. Jetzt bist du aggressiv, dann brauchst du keinen Hund mehr, merkst
du es? Guck mal, was du jetzt machen willst. Das Mädchen sitzt da,
es will was von dir, der Hund schläft ...
K. Ich hätte wirklich Lust, beide rauszuschmeißen, die sind
mir nicht sehr dienlich.
T. Aha, dann sag es mal den Beiden, und spür mal, was sollen die
denn dienen, was sollen die machen?
K. Also, passt acht, ich mag es einfach nicht, wenn ich in einem Raum
bin und zwei pennen. Ich sitze hier und muss mir einen abquälen,
und ihr macht euch einen schönen Lenz. Da habe ich keinen Bock drauf.
T. Das muss ein Programm sein, woher kennst du das? Die tun hier alle
nichts, die liegen hier faul rum, die pennen, sind müde, und du musst
hier richtig Action bringen. Woher kennst du das, welche Situation taucht
auf? Die Erste, die auftaucht.
K. Die Erste, ... meine Tochter hat auch diese Ambitionen, die sagt: ach
Mutter, das ist so schön beruhigend, wenn du wurstelst. ... T., ich
weiß, dass das für dich sehr entspannend ist, du sitzt dann
in so einem Schaukelstuhl, und ich wische mir die Schweißperlen
von der Stirn und ich denke mir: irgendwo ist das für mich ein Teil
Sicherheit, dass jemand da ist, aber auf der anderen Seite macht mich
das wahnsinnig aggressiv. Da denk ich, verdammt, ich will hier nicht arbeiten,
du sollst arbeiten, du sollst deinen Arsch mal heben, und ich sitze im
Schaukelstuhl, und gucke zu. Das ist doch eine verdrehte Welt.
T. Guck mal, jetzt hast du schön deine Aggressivität, deshalb
kann auch der Hund pennen. In Wirklichkeit geht es um deine Tochter, die
sitzt da auf dem Klo, selbstähnlich zu dir damals und lässt
die Welt tanzen. Guck mal, wie die T. reagiert.
K. Sitzt die T. jetzt auf dem Klo?
T. Ich weiß es nicht, du hast gesagt, selbstähnlich wie bei
deiner Tochter, die sitzt im Schaukelstuhl ...
K. Ja, genau.
T. Du kannst die Beiden ja mal zusammenbringen.
K. Das ist die T., ja, ja.
T. Das heißt, du gast damals auch auf dem Klo gesessen, also symbolisch,
im Schaukelstuhl und hast die Welt machen lassen.
K. Das stimmt. Wenn ich mich jetzt so an meine Kindheit erinnere, dann
war das immer so ... Es war gut aufgeteilt, mein Vater hat das Geld verdient,
meine Mutter hat im Haus alles gemacht, die Oma, die hat oben gewohnt,
die hat ihren Senf immer dazu gegeben, deshalb gab es immer Stunk. Die
haben mich immer so ein bisschen mit Geld gelockt, das sollte ich dann
im Büro irgendwas putzen oder Unkraut jäten. Meine Mutter hat
dann gesagt, ich bekäme die Stunde zwei Mark oder so. Dann habe ich
das gemacht, ansonsten nicht, ich hätte nie einen Finger krumm gemacht,
da waren ja genug Leute.
T. Sag es deiner Tochter heute mal. Hol dich, von damals, herbei, setze
die mal nebeneinander und sag ihr: guck mal, so war ich damals auch. Erzähle
es ihr in deinen Worten.
K. T., schau mal, so war ich damals auch, ich habe praktisch nur etwas
zu Hause gemacht, wenn ich was dafür gekriegt habe. Ansonsten war
mir das wuscht.
T. Guck mal, wie deine Tochter darauf reagiert.
K. Na siehst du, und bei mir machst du immer ein Mordsgeschrei, und selbst
bist du genauso.
T. Das würde auch heißen, du bist zu deiner Mutter geworden.
Wie gefällt dir denn diese Idee?
K. Super, ja!! ... (stöhnt und hält sich den Kopf) ... Mir bleibt
nichts erspart.
T. Offensichtlich. Frag doch mal dich als Siebenjährige, wenn die
dich heute anguckt, ob dann ihre Mama vor ihr steht oder du?
K. Ja, ich bin genauso.
T. Dann sag es mal deiner Mama. Rede mal mit ihr, mit der damals. Lass
sie kommen und begegne ihr jetzt heute. Das ist die Rückkoppelung,
die wir jetzt machen.
K. Mutter, jetzt schau dir das mal an, ich habe mich wirklich mit allen
Mitteln dagegen gewehrt, dass ich nicht so werde wie du. Ich habe es schon
ein paar Mal festgestellt, mit jeder Handlung übernehme ich das,
was du mir vorgelebt hast.
T. Es erschreckt die meisten, aber das ist fast überall so.
K. Durch meinen Körper geht jetzt so eine richtige Schwäche,
als ob ich gleich einen Kreislaufzusammenbruch bekomme.
T. Ja klar, deine Mutter steckt in deinem Gehirn drin, du bist deine Mutter,
und irgendwann wirst du zu ihr, von deinem Verhalten her, von der Identifizierung
her, von deiner Sichtweise her.
K. ... (K. ist schockiert) ... Ich möchte da nicht hingucken.
T. Ach ja, deshalb der Blindenhund, jetzt haben wir es.
K. Ich möchte da nicht hingucken.
T. Der Hund hat dich da hingeführt und hat gesagt: du bist eine Blinde,
und ich bin der Blindenhund. ... Was siehst du?
K. Ich sehe momentan meine Mutter, wie sie selbstgefällig mit verschränkten
Armen dasitzt, und sie sagt: es hat doch gewirkt! Und ich bin da an diesem
Felsen angebunden, und ich strampele und mache, ich will weg, und ich
komme nicht weg. Ich seh die da sitzen, so selbstgefällig, und ich
könnte sie totschlagen. Die sitzt da und wird immer fetter, baut
sich so richtig auf, während ich mir einen abstrampele, und es nützt
alles nichts.
T. Das war auch deine Eingangsfrage, da hast du gesagt, du kommst nicht
in die Pötte, es funktioniert irgendwie nicht, es gibt keinen Antrieb:
das ist Mama in dir! Die blockiert dich, deinen Selbstentfaltungsweg.
Du kommst nicht zu dir, du lebst deine Mama. Und deine Tochter spiegelt
das. ... Jetzt frage mal deine Tochter in der Innenwelt, ob die mitbeteiligt
ist, dass deine Lymphknoten reagieren. Frag die mal, und guck, ob sie
nickt oder mit dem Kopf schüttelt.
K. T., bist du daran beteiligt, dass mein Lymphknoten so angeschwollen
ist? ... Nein.
T. Frag mal deine Mutter, ob sie es ist.
K. Mutter, bist du beteiligt? ... Ja.
T. Dann will dir deine Tochter das nur spiegeln. Ach, am besten soll deine
Mutter noch ein Schild hochhalten, zu wie viel Prozent sie beteiligt ist.
K. 90.
T. Na, dann hast du den Hauptbrocken jetzt. Deine Mama muss bearbeitet
werden.
K. Oh Mann, ich könnte sie totschlagen.
T. Das ist ne gute Idee. Fang mal an.
K. ... (tobt und schreit und schlägt mit zwei Schlagstöcken)
... Weg, weg jetzt du Arschgeige, ich will dich nicht mehr länger
haben. Hau ab, hau ab.
T. Triff sie aber auch.
K. Ich schlag auch noch daneben, die ganze Zeit. Oh, mich nervt das. Jetzt
hau ich dir erst mal die Fußsohlen weg. Ich will nicht so sein,
wie du, ich bin anders. Himmel, Arsch, hau ab ...
T. Hol noch mal deine Oma dazu und deinen Papa, die sollen zugucken. Die
Oma hat sich schon damals immer mit ihr angelegt.
K. Der Vater sagt: Gott sei Dank, jetzt gibt es hier mal Zunder.
T. Ah ja, du sollst es wieder machen?
K. Es ist so, dem tu ich auch damit einen Gefallen.
T. Du erlöst deinen Papa, merkst du es, der hat sich nie durchgesetzt.
K. Du Arschgeige, weg, ich habe es satt. ... (schlägt die ganze Zeit
kräftig) ... Weg, weg, mir tut schon alles weh, aber das ist mir
grad scheißegal. Ich will das jetzt auch auskosten, ich will die
richtig zerschlagen. Du Schwein, weg aus meinem Leben, ich kann dich nicht
mehr gebrauchen, ich hasse dich. ... Mir tut schon alles weh, mein ganzer
Arm. ...
T. Die bestimmt dein ganzes Leben. Wie sieht sie denn aus, rede mal mit
ihr.
K. Nee, ich schlag da immer daneben. Das ist wieder so, dass ich alles
mögliche mache, aber immer daneben.
T. Guck mal, die hat einen Schutz um sich rum, dass sie gar nicht greifbar
ist, guck mal, wie kannst du diesen Panzer, dieses Schutzschild oder was
das ist, durchbrechen? Wie könnte das funktionieren? Keine Ahnung,
ein Messer nehmen, gezielter, langsamer ...
K. Ich nehme jetzt so eine Schlagbohrmaschine, die Mutter ist wie in so
einem Eisblock drin, vielleicht ist die auch tief gefroren.
T. Die hält ewig so.
(Geräusch von einem Presslufthammer)
K. Jetzt steche ich in die Augen.
T. Du hast gestern so ein bisschen diese Rache gehabt, das war richtig
echt, guck mal, ob es auch hier diese Energie ist. Das scheint hier nicht
die Aggressionsenergie zu sein, das würde ja funktionieren. Wenn
das nicht funktioniert, ist es eine andere Art von Energie. Guck mal,
ob du das genießen willst, sie zu zerstören. Guck mal, was
du mit ihr machen willst. Sie liegt jetzt vor dir, guck mal, was du mit
ihr machen willst. Das ist ja immer der Schattenanteil, der ist immer
tief verborgen, und der muss jetzt da sein dürfen, vielleicht fies
sein, ihr wehtun ...
K. Weißt du, was ich machen will, ich möchte jetzt ganz lieb
tun und ihr dann eine rein hauen. Ach, du bist ne ganz Liebe, ich streichele
dich jetzt mal ... und dann mit einem Bömbchen oder so ... Das möchte
ich ganz zart in die ausgehöhlten Augen reinsetzen, rechts, links
... Das langt mir aber noch nicht. Was könnte ich sonst noch machen?
... Ich möchte jetzt noch ein Auto, das soll da noch ganz langsam
darüber rollen.
(Geräusche von fahrenden Autos, mit Crash und quietschenden Reifen)
K. So, und jetzt kommen die Bömbchen.
(Laute Explosionsgeräusche, K. strahlt)
K. Meine Hand tut mir jetzt total weh.
T. Und, wie sieht es jetzt aus, in dem Raum mit deiner Mutter?
K. Das Klo ist weg.
T. Deine Mutter stand für das Klo?! Für die Scheiße. Für
die Scheiße in deinem Leben. ... Hol mal den Hund herbei, guck mal,
wie der auftaucht.
K. Der leckt mich ab. ... Ich bin so froh, dass du da bist, ich könnte
dich knuddeln. (K. bekommt einen Stofftiger in die Arme) ... Du bist ein
Lieber, du bringst da wenigstens ein bisschen Bewegung rein. Sei schön
brav, jetzt setz dich mal wieder neben hin.
T. Sei schön brav – von wem kam dieser Ausspruch?
K. Von der Mutter.
T. Die ist ja immer noch irgendwie wirksam in dir. ... Gut, dann holen
wir sie mal herbei und gucken, wie sehr sie sich verändert hat, wie
sie jetzt ausschaut. Lass sie mal neu auftauchen durch die Tür. Guck
mal, wie sie daherkommt.
K. Die kommt daher wie so ein Geist, so wie in den letzten Zügen.
T. Wie geht es deiner Siebenjährigen? Guck mal hin.
K. Die sitzt da und freut sich, wieder was geschafft.
T. Und du hast ihr ja eine gute Action geboten.
K. Unbedingt, das hat sie auch gesagt.
T. Deine Tochter, die hat dir auch zugeguckt, was meint die?
K. Ja, die sagt: na Gott sei Dank, das Thema hätten wir jetzt mal
beendet. Das geht der auch auf die Nerven.
T. Und dein Vater?
K. Der sagt: das ist effektive Arbeit! ... wenn andere den Dreck wegräumen.
Vater, ich bin nichts anderes von dir gewöhnt. Ich hab hier für
alle den Dreck weggeschafft. Ihr müsstet mich eigentlich alle auf
Händen tragen, aber eure Hände will ich gar nicht.
T. Aha, da ist noch so ein bisschen Bockigkeit da. Dann sag es ihnen ruhig.
Eigentlich hätten sie dir helfen sollen, du bist ja auch enttäuscht,
dass sie dir nicht geholfen haben.
K. Ja, ich bin enttäuscht. Das will ich euch schon mal sagen, ich
bin enttäuscht, dass ihr mir nie geholfen habt. Ich habe immer hundert
oder zweihundert Prozent oben drauf gehabt, das war ja schwierig, mit
euch überhaupt zu leben. Das ich irgendwann mal abgekämpft bin,
das ist ja wohl verständlich. Das kreide ich euch auch an, dass ihr
mich so habt zappeln lassen.
T. Den Papa müssen wir noch irgendwie dahin kriegen, dass er groß
und stark wird, also ein bisschen stärker als deine Mutter, sonst
passt das Verhältnis nicht.
K. Also, die stehen nicht hinter mir.
T. Was könnten wir mit deinem Papa machen? Der soll mal zeigen, warum
er so schwach ist, dass er nicht wirklich deine Mutter besiegt hat im
besten Sinne des Wortes.
K. Vater, kannst du mir mal sagen, warum du so schwach warst, dass du
mit der Mutter nicht zusammengekommen bist?
T. Er hätte diese Klärungsarbeit machen müssen.
K. Ja genau, ich habe das aber alles für die Familie übernommen.
... Letztendlich ging mir das mit der Familie am Arsch vorbei, ich kam
ja aus dem Krieg, und ich war vorher ja ein toller Mann, danach war der
Unterschenkel weg. Dann war da dein Bruder da, du kamst auf die Welt,
und ich musste dann für die Familie sorgen. Das habe ich irgendwie
so von zu Hause mitgekriegt, aber da fehlt mir auch ein Stück Lebensqualität,
ich wollte auch mal so ein Lotterleben haben. Das war ein toller Mann,
da standen die Mädchen Schlange, und dann war er festgenagelt.
T. Das klingt ein bisschen so, dass dadurch das er seinen Unterschenkel
verloren hat, ist er quasi auch nicht mehr so männlich gewesen. Frag
ihn mal, ob das so ein einschnitt war in seinem Leben.
K. Vater, war das für dich so ein Einschnitt? ... Ja. ... Da kommt
mir grade so eine Szene, mein Vater hat dann so einen Stumpf. Als Kind
habe ich oft den Beinstumpf liebkost, ich habe ihn wohl so angenommen.
T. Sag das deinem Vater mal, vielleicht hat er ihn ja nicht angenommen.
K. Vater, hast du den Stumpf angenommen? ... Nein, ich habe ihn nicht
angenommen, ich war dann nicht mehr männlich, ich war ein Invalide.
T. Du hast als Kind versucht, seinen Schmerz zu übernehmen, wenn
du so willst. Hol mal dieses Kind herbei, und guck mal, was das eigentlich
will, was das macht, wie alt ist die?
K. So drei oder vier, ich komme da hin, und spüre die Trauer und
den Schmerz vom Vater, und das Kind möchte diesen Schmerz vom Vater
nehmen.
T. Dann soll das Kind das dem Vater mal sagen.
K. ... (weint) ... Vater, ich weiß ja, dass du so leiden musst,
ich möchte dir helfen.
T. Das Kind fängt an, den Papa zu trösten, wenn du so willst.
Zeig deinem Papa ruhig deine Tränen, deine Sehnsucht, das ist toll,
guck mal, ob du ihn erreichst, ob du ihn berührst.
K. Papa, schau mal, ich übernehme den Schmerz für dich. ...
Der liegt da und genießt es voll. ... Ich habe das immer gemerkt,
du hast mir immer so leid getan. Das ist so die tiefe Trauer für
deine Jugend, die dir da verloren gegangen ist.
T. Frag ihn ruhig, wie das für ihn ist, dass er sein Bein verloren
hat.
K. Vater, kannst du mir mal sagen, wie das für dich ist, ohne Bein?
... Ja, jeder hat mich angeschaut, ja, ich war praktisch ein Krüppel,
von einem schönen Mann zu einem Krüppel. Ich musste dann nur
noch vernünftig sein, ich durfte nicht mehr ausflippen.
T. Ist es so was: deine Mutter hat ihn angenommen, und das ist die Verbindung?
K. Ja.
T. Dann hol mal deine Mutter herbei und frag mal, warum sie das gemacht
hat, ob es ok war ...
K. Mutter, warum hast du den Vater angenommen? ... Wir haben uns ja geliebt,
und als der aus dem Krieg kam, da konnte ich ihn doch nicht einfach sitzen
lassen. Ich habe da ja auch schon in seinem Elternhaus gelebt, ich wollte
auch nicht mehr zurück.
T. Frag mal deine Mutter, ob bei ihr irgendwas dicht gegangen ist.
K. Mutter, kannst du mir mal sagen, ob da irgendwas bei dir wie versteinert
wurde, ob du dein Herz verschlossen hast, in dem Moment? ... Ja, ich bin
da in so eine ganz andere Atmosphäre rein gekommen, da war der Schwiegervater,
der mit drei Kindern alleine war, weil die Frau mit 50 an Brustkrebs gestorben.
Der war sehr hart, der war auch beruflich sehr erfolgreich, der wollte
seine Kinder zu stählernen Menschen machen. Da war der eine Bruder,
der war eher schwach, der musste dann im Winter nackt in den Schnee raus
und sich wälzen, um sich abzuhärten. ... Und ich weiß,
mein Vater hat die Mutter sehr vermisst, der wollte von seinem Vater nichts
wissen.
T. Die ist mit 50 an Brustkrebs gestorben, du hast auch mit 50 Brustkrebs
gekriegt. ... Gut, guck mal, ob deine Mama den Papa annehmen kann, so
wie er ist.
K. Mama, kannst du den Vater so annehmen, wie er ist? ... Nee! Der ist
mir zu weich. Das ist nicht der Mann, den ich brauche. Der ist so voller
Trauer, der trauert seiner Mutter hinterher.
T. Gut, dann holen wir jetzt die Mama herbei, also die Mama von deinem
Vater.
K. Ja, die Mutter Anna. ... die geht gleich zu ihrem Jungchen und sagt:
Ach, jetzt sei doch nicht so betrübt! und der heult sich jetzt aus,
ach, Mutti, Gott sei Dank, dass du da bist. ...
(K. weint) ... Ich hab dich so vermisst. ... Nur das wollte mein Vater,
der wollte seine Mutter wieder.
T. Ja, ganz genau. Das haben wir damals auch nicht beachtet.
K. Mein Vater war zu jung, als seine Mutter starb. Er konnte mit der Härte
des Vaters nichts anfangen.
T. Das heißt, wir müssten den Konflikt seiner Mutter lösen,
damit sie nicht mit 50 stirbt. Sag du ihr das mal, sonst übernimmst
du ihren Konflikt mit dem Brustkrebs. Irgendwas trägt sich da weiter.
K. Großmutter oder Mutter Anna, wir müssen uns jetzt irgendwas
einfallen lassen, dass du mit 50 nicht an Brustkrebs stirbst, weil ich
das sonst für dich übernehme.
T. Irgendwie schleift sich da was durch, wie auch immer. Sie müsste
eigentlich sagen, was ihr Konflikt war, warum wollte sie gehen ...
K. Sie wollte nicht mehr mit diesem steinharten Mann zusammen sein.
T. Ok, im Klartext: Beziehungskonflikt. Kein Bock mehr auf ihren Mann,
irgendwas ist vorgefallen, irgendwas hat ihr so wehgetan ...
K. Der war ja auch immer unterwegs, in fremden Ländern, der war damals
Prokurist in einer Firma, die Bestecke herstellte, er war oft im Ausland.
Sie musste dann mit den drei Kindern alleine zurechtkommen, wenn er wieder
kam, wollte er dann bestimmen. Sie wollte das nicht mehr, er hat ja eigentlich
von der Entwicklung der Kinder nichts mitgekriegt und sich dann in alles
eingemischt.
T. Wir müssen diesen Opa herbeiholen und mit ihm reden und es ihm
zeigen. Der muss sehen, wie sich das durchschleift bis zu dir heute und
so weiter.
K. Also Opa, komm doch mal her, pass mal auf, du warst ja ein toller,
erfolgreicher Mann, aber das mit deiner Frau hast du irgendwie nicht so
hingekriegt. Du wolltest drei Kinder, du hattest drei Kinder, du bist
dann fort und hast dein Leben gelebt, und die Mutter war zuhause mit den
drei Kindern, und sie war hoffnungslos überfordert. Wenn du dann
zurückkamst, hast du den großen Macker gespielt.
T. Und irgendwas ist zwischen den Beiden so schief gelaufen, dass seine
Frau den Brustkrebs gekriegt hat und daran verstorben ist. Guck mal, wie
er reagiert, ob er irgendwie betroffen ist darüber.
K. Der sagt: Ja, mein Gott, so ist das halt, ich als Mann muss meinem
Beruf nachgehen.
T. Dann mach ihm klar, dass sein Sohn ein Bein verliert und nicht richtig
männlich sein kann, dass das alles irgendwie zusammenhängt.
K. Jetzt pass mal auf, Opa, das ist jetzt deine Sichtweise, aber es hat
zur Folge gehabt, dass deinem Sohn im Krieg der Unterschenkel abgeschossen
wurde. Dadurch war er so in seiner Männlichkeit gestört, dass
er auch in seiner Ehe nicht klargekommen ist.
T. Man könnte auch sagen, vielleicht ist der Opa so in seiner Männlichkeit
gestört, dass es sich bei seinem Sohn durchdrückt. Das ist ja
nur ein Symptom, das er das Bein abgeschossen kriegt, der Eine steckt
es weg, und der Andere bricht zusammen. Der Opa soll mal dahingucken,
was er da so weitergibt.
K. Opa, da musst du schon mal hingucken. Ich möchte das so nicht,
ich möchte gesund sein. Ich möchte, dass das jetzt so geregelt
wird, dass ich gesund und leicht leben kann, und voller Freude, ich will
nicht eure Traurigkeit übernehmen, da habe ich keinen Bock drauf.
Das habe ich lange genug gemacht, ich will das nicht mehr. ... Ja, was
soll ich denn machen? Mach mal einen Vorschlag, Opa, ein bisschen darum
kümmern, kannst du dich schon.
T. Er muss zu seiner Frau eine Beziehung aufnehmen, dass sie nicht vor
lauter Kummer, Konflikt oder Gram stirbt.
K. Also, pass auf, ich habe einen Vorschlag: ich verdiene so viel Geld,
dass ich meine Familie mitnehmen kann, wenn ich ins Ausland fahre, und
die Kinder eben dort zur Schule gehen. Dann bekommen sie auch die Bildung,
die ich wollte. Dann lernen sie auch fremde Menschen kennen, fremde Kulturen,
das wollte ich immer.
T. Guck mal, ob Oma einverstanden ist, darum geht es. Die Oma muss so
lebendig sein, dass sie mit Opa weiterleben will.
K. Oma, möchtest du das? ... Sie möchte es mal probieren. ...
Also, dann fahrt mal los ...
T. Spielt es einfach mal durch, ob es geht. Es geht darum, dass Opa und
Oma irgendwie glücklich sind und sie nicht vor lauter Kummer und
Konflikt stirbt.
K. Ok, die geht mit, und sie sagt ihren Kindern, der Vater muss arbeiten,
und wir machen uns eine schöne Zeit. Wir gucken, was wir lernen könne,
erleben können, in dem jeweiligen Land. Dann guckt sie sich um, sie
ist in den Dörfern bei den Einheimischen, und sie blüht dort
auf. Sie kann da was von ihrem Kulturkreis einbringen, das ist ein richtiger
Austausch. Die Kinder springen da rum, die müssen jetzt nicht Klavier
spielen oder so, die dürfen mit den anderen Kindern rumhüpfen.
Der Kleinste, der eigentlich immer so ein bisschen gekränkelt hat,
der wird von den fremden Kindern geheilt, indem sie ihn in ihre Gruppe
aufnehmen. Die Oma ist total zufrieden, und wenn der Opa heimkommt, gibt
es kein Geschrei. Die Oma sitzt da und freut sich auf ihren Mann, weil
sie keine Last auf dem Herzen hat. Dadurch, dass sie mit so vielen Leuten
Kontakt hatte, war es so als ob die Familie sich vergrößert
hat, ihr Schwerpunkt lag nicht auf ihrem Mann.
T. Jetzt gucken wir einfach, ob Oma 50 wird.
K. Der 50. Geburtstag von Oma wird in Afrika gefeiert, da gibt es ein
großes Trommelkonzert, das ist ein großes Fest. Die Oma erlebt
ihren Geburtstag in einer ganz tiefen inneren Ruhe, sie ist stolz auf
ihre Familie, auf ihre große Familie, der Mann, die Kinder, alle,
die auf dem Fest sind, gehören dazu. Das ist schön, so wünsche
ich mir das auch.
T. Ok, dann lass sie ruhig weiterfeiern, das scheint ja gut zu laufen.
Jetzt geh doch noch mal mit deinem Bewusstsein zu deinem Vater mit seinem
abgeschossenen Bein. Wir müssen noch diese Situation aus dem Krieg
verändern, vielleicht braucht er es nicht mehr so. Wir können
ja mal gucken, was passiert, wenn er in den Krieg zieht, ob sein Bein
abgeschossen wird oder nicht. Es kann ja sein, dass das schon ausreicht,
dass sich irgendwas verändert, aber trotzdem müssen wir das
Gedächtnisbild noch verändern. ... Also, dann machen wir mal
einen Sprung, schick deinen Vater mal in den Krieg.
K. Ich bin schon da in der Schlacht, und ich sehe grade, dass mein Vater
kurz vor sich einen Einschuss sieht. Er springt grade noch so zur Seite
und wird von den Splittern gar nicht getroffen, sondern er kann sich grade
noch so wegrollen. Er ist deshalb weg gesprungen, weil er unbedingt da
raus kommen wollte, er wollte überleben, er wollte wieder zu seiner
Frau. Das hat ihm in diesem Moment die Kraft gegeben so einen Riesensprung
zur Seite zu machen.
T. Das heißt, die Veränderung mit dem Opa ist so tief greifend,
dass sie sich weiterhin auswirkt. ... Gut, dann guck mal, wie er zurückkommt
und wie deine Mutter auf ihn reagiert.
K. Das ist jetzt natürlich ganz anders. Die empfängt ihren Mann
und ist unheimlich froh, dass er da ist, sie wollen auch gleich alleine
sein. Sie haben sich so viel zu erzählen, sie vergessen richtig die
Zeit, sie sind nur so für sich da. Meine Mutter ist froh, dass ihr
Mann wieder heil zurückgekommen ist, und mein Vater ist froh, dass
seine Frau auf ihn gewartet hat, dass sie für ihn da ist. Er ist
ihr unendlich dankbar, sie war ja auch keine hässliche Frau und auch
kein Kind der Traurigkeit. Er hat ja sehr wohl gesehen, dass selbst sein
Bruder sich mit meiner Mutter immer gut verstanden hat. Er ist froh, dass
sie ihn so herzlich empfangen hat.
T. Jetzt hol mal die Sechsjährige herbei, und die soll mal ihre Eltern
angucken.
K. Die sind da so zusammen, und ich setze mich obendrauf.
T. Guck mal an deinem Vater runter, ob er noch den Stumpf hat.
K. Nee, der hat keinen Stumpf.
T. Wie ist das für dich, wenn du das siehst?
K. Ich bin so die Krone von allem, die haben sich, und ich bin irgendwie
wie eine Blüte daraus.
T. Ja, das ist schön symbolisch. ... Dann geh noch mal in den Raum,
schau mal, wie der aussieht.
K. Der Raum ist mittlerweile ganz aus Gold, die Felswände sind nicht
mehr da, das ist ein schöner Tempel, der mit Gold verkleidet ist.
Ich sitze da drin, das Klo ist ja schon lange weg, und um mich herum fließt
Wasser ... das ist das Paradies! So stelle ich mir das Paradies vor. Da
sind Blumen, Schmetterlinge, da sind spielende Kinder, und ich sitze so
mittendrin und habe alles, was ich brauche. Es fehlt nichts. Es ist so
gleichförmig, in dem Raum ist alles so harmonisch.
T. Das zeig jetzt mal deinem Opa, weil der ja seine Familie mitgenommen
hat, und dadurch ist alles in diese Richtung gekippt. Also, dass der Opa
noch mal sieht, wie es sich bis heute, bis zu dir, auswirkt, weil er damals
diese Entscheidung gefällt hat.
K. Opa, schau mal, dadurch, dass du damals deine Familie mitgenommen hast,
hast du mein Leben auch erlöst. Mein Leben ist jetzt im Paradies.
T. Das muss ihn berühren.
K. Ja. Und ich möchte mich bei dir bedanken, dass du das so gut gemacht
hast. ... Ja, sagt er, ich habe mich ja auch wie im Paradies gefühlt,
ich habe das nur weiter gegeben.
T. Ja, jetzt kriegst du so eine Ahnung, wie es ist im Paradies zu leben.
Dein Leben ändert sich. ... Ja, dann hole sie alle noch mal da rein,
auch die Oma, deinen Vater, deine Mutter und die Siebenjährige.
K. Die kommen ja alle rein, mir kommt das so vor, als wären es alle
Engel. Sie setzen sich ganz sanft auf den Boden, und es gibt nichts zu
sagen, keiner braucht was zu sagen. Jeder genießt die Anwesenheit
des Anderen, und es ist ein himmlischer Frieden.
T. Kannst du diesen himmlischen Frieden annehmen?
K. Ja.
T. Dann genieße ihn noch einen Moment. ... Bedanke dich doch noch
mal bei dem Hund, der dir den Weg gezeigt hat.
K. Danke, das hast du gut gemacht.
T. Es ist schon faszinierend, was so von selbst auftaucht und dir den
Weg zeigt.
K. Und ich habe gedacht, ich hätte heute bestimmt keine Bilder. Aber
in der vorigen Session hat mich was angetickert, das ist dann plötzlich
hoch gekommen. ... Nachgespräch:
K. Das letzte Bild war schon stark, wie die da alle als Engel in dieser
göttlichen Harmonie da waren. Das vergesse ich mit Sicherheit nie
mehr wieder.
T. Es ist auch für mich spannend, zu sehen, was für Kleinigkeiten
wir vergessen können und was das für Auswirkungen hat.
K. Das merke ich auch, ich bin ja immer umgerannt und habe getan und gemacht,
weil ich einfach diesen halt nicht hatte. In den ersten Sessions hatte
ich ja keinen Boden unter den Füßen und so weiter. Jetzt war
der Boden schon da, aber nicht vollkommen, es war noch nicht rund. Das
habe ich die letzte Zeit so gespürt, ich fühlte mich wie entwurzelt.
2007 ist dann auch meine Mutter gestorben, vorher war ich fit ...
T. Siehst du, das kann ein Auslöser sein.
K. Das hat mich flachgelegt, meine Tochter hat es auch sehr mitgenommen.
In unserem Leben hat sich wirklich was verändert, da war ich ein
bisschen unvorsichtig.
T. Das ist ein markantes Ereignis, wenn die Mutter stirbt. Da kommt alles
ins Ungleichgewicht, du musst vielleicht die Mutter in deinem Kopf mehr
übernehmen, du wirst vielleicht mehr zu deiner Mutter, das sind ja
unbewusste Vorgänge. Wenn deine Mutter im Außen ist, kannst
du mehr das Kind sein, aber wenn die plötzlich weg ist ...
K. Ja, das war für mich heftig. Ich hatte grade angefangen, wieder
zu arbeiten, ich war auf den ersten Seminaren, und in der Zeit kam sie
ins Krankenhaus und hat aufgegeben. Ich und meine Tochter, wir haben sehr
darunter gelitten, ich habe 15 Kilo zugenommen, ich habe dann gemerkt,
ich bin jetzt Vollwaise. Das Berufliche hat mir geholfen, dadurch kam
ich da so wieder raus.
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