Sitzung:
Ilka: „Ich bin unten, da ist ein Gang, gefliest mit Marmor. Rechts
und links sind Türen, ich entscheide mich für die linke Türe.
Es sind fünf, ich nehme die Mittlere. Oben an der Tür ist ein
Kuhkopf.“ „Hier wohnt die böse Ilka“ – steht
auf der Tür. Sie öffnet: „Da ist schummeriges Licht. Es
ist alles so, als ob ich irgendwie in einen Puff komme. Es ist alles so
rot abgehängt ... Der Fußboden ist aus getrocknetem Lehm. Da
stehen so rosa Pantöffelchen, iiihh, so ein bisschen anrüchig.“
Die Schuhgröße ist 39 und damit passen sie mir nicht. Ilka
wird richtig neugierig. „Da sehe ich meine Tochter. Die ist so 16
oder 17.“ Ihre Tochter ist jetzt 26 – also liegt diese symbolische
Zeit 10 Jahre zurück.
Ilka beschreibt weiter: „Da oben sehe ich einen Pferdekopf, irgendwie
ist das auch so eine Reitschule ... Eisenbeschläge, also, so Hufeisen
für das Pferd.
Meine Tochter steht mir genauso gegenüber, verschränkte Arme,
und wir schauen uns beide an. Zornig, wir sind beide zornig.
Ilka fragt erstaunt: Ich möchte dich mal fragen, ich dachte, das
hier ist eigentlich mein Raum, was machst du hier in meinem Raum? ...
Sie sagt: Mutter, das ist mein Raum.“
Die Auseinandersetzung mit ihrer Tochter steht an. Sie lebt zu Hause noch
in ihrem Haushalt und beide können sich nicht voneinander lösen.
Die Rollen sind vertauscht. Ilka ist als Pflegefall das Kind und ihre
Tochter kann nicht ihren Weg in ihr Leben gehen. Das wird in den letzten
Sessions von Ilka und ihrer Tochter 2 Jahre später sehr deutlich.
4 Wochen nach den Sessions wird sie in die andere Welt gehen.
Ilka fragt erbost: „Wie kommst du da drauf, dass das dein Raum ist?
... Ich stehe doch hier drin! Du siehst doch hier ist mein Lieblingspferd
an der Wand, und ich wollte jetzt grade zum Reiten gehen. ... Was machst
du hier? Hallo Tine, ich würde ganz gerne die Fragen stellen. Es
ist mir unangenehm, dass du hier bist, das stört mich. Könntest
du bitte dein Pferd nehmen und davon reiten? ... Nee, sagt sie, ich will
gucken, was du hier machst. ... Das ist mir peinlich.“
Ilka gesteht, das sie diese Mutter-Tochter-Kämpfchen aus ihrer „Sturm
und Drang-Zeit“ kennt. „Ich hab mit 12 noch die Matratze in
das Schlafzimmer meiner Eltern geschoben, weil ich Angst hatte, alleine
zu schlafen. Und dann war ich in der Handelsschule, da hat mir ein Junge
ganz gut gefallen, und von dem Zeitpunkt an habe ich in meinem Zimmer
geschlafen. Danach hatte ich mich verändert, ich war dann ein ganz
normales junges Mädchen. Ich habe dann gemerkt, dass meine Mutter
mir das irgendwie nicht gegönnt hat, sie wollte mich immer irgendwie
in meine Pflichten nehmen.“
Sie holt ihre Mutter herbei: „Mutter, ehrlich gesagt, ich möchte
nicht, dass du dich hier in meine Pubertät einmischst. Mach du deins,
ich möchte meins machen.“
Therapeut: „Guck mal, wie sie reagiert, und schau gleichzeitig,
wie deine Tochter reagiert. Da scheint sich irgendwas Selbstähnliches
aufzubauen. Nicht umsonst taucht deine Tochter da auf, wenn du dich vorne
auf die Tür schreibst.“
Ilka: „Die Mutter sagt: Moment mal! Erst hast du mal deine Pflichten
hier abzuleisten, das heißt: Schule, nachmittags hast du dich um
mich zu kümmern. Das war so, wenn ich die Hausaufgaben gemacht hatte,
bin ich mit ihr spazieren gegangen, wir sind dann nach A. gelaufen und
dann wieder mit dem Bus nach Hause. Das hat ihr gefallen, sie kam raus.
Mir hat es auch immer ganz gut gefallen, weil ich dann was gekauft bekam.
Das will sie so beibehalten.
Mutter, das stört mich, weil du mich dann an die Hand nehmen willst,
ich will das aber nicht. Nimm jemand anderen an die Hand, ich kann allein
laufen.“
Der Therapeut versucht den Zusammenhang zu verdeutlichen: „Du bist
12, und die will dich an die Hand nehmen. Du wolltest ja diese unangepasste
oder die böse Ilka hoch holen, die du damals nicht sein durftest.
Und schau gleichzeitig, warum taucht deine Tochter mit 16 auf?“
Ilka betrachtet beide nachdenklich: „Wenn ich mir das so anschaue,
ist es bei uns so, dass du mich immer an die Hand nehmen willst. So, als
ob sich die Rollen vertauscht hätten, als ob du die Mutter wärest
und ich das Kind. - Sie sagt: Du bist für mich immer die Mutti. ...
Aber ich habe dich, Tine immer als meine Mutter gesehen, weil du mich
immer angehört hast, du hast immer alles gewusst, was mir gefehlt
hat.
- Mutter, schau mal, siehst du, was da abgeht, da hat irgendwie ein Rollentausch
stattgefunden. Das, was du mir nicht gegeben hast, das hat mir jetzt meine
Tochter gegeben. Und ich habe damit ihr Leben blockiert. Das kann doch
nicht sein, wie findest du das? Los, antworte mir, wie findest du das?
Ilka ist wütend, greift nach dem Schlagstock und richtet sich auf
und schlägt drohend ein bisschen auf den Boden.
„Das war deine Aufgabe, und das muss jetzt meine Tochter übernehmen.
Das kann doch nicht sein. Wo warst du denn? Wach doch mal auf! ... Sie
sagt: Beruhige dich mal, beruhige dich! ... Nein, ich will mich nicht
beruhigen.“
Sie ruft ihren Vater herbei. „Vater, schau dir das mal an, und du
bist auch daran schuld. ... Er sagt: Moment, sachte, sachte, mein Kind,
setz dich erst mal ganz ruhig hin. ... Nein. Ich will nicht mehr ruhig
dasitzen, da ist doch alles schief gelaufen. ... Ilka schreit und schlägt
... Das gibt es doch nicht. Das nützt nichts, dass du geknickt bist.
- Er sitzt so richtig in sich zusammengefallen in so einer Büßerhaltung
da und denkt, ich hätte jetzt Mitleid. Scheiße mache ich. Meine
Mutter geht jetzt grad ein Stück zurück und denkt sich: es ist
mir lieber, die Zwei kämpfen. Sie will sich wieder mal aus der Verantwortung
raus stehlen.
- Nee, Mutter, komm her. Ja, sie hält die Hände vor das Gesicht,
das nützt aber nichts. ... Ilka schlägt kräftiger ...
„Was passiert“? – fragt der Therapeut neugierig. „Das
ist so, als ob ein Auge so um die Ecke flitzt und sich so auf ihren Kopf
setzt und mich da so abglotzt, also, beobachtet, was ich mache. Das findet
die gut. Die findet das gut, dass ich mich engagiere.
- Hey, Mutter, das kann ja nicht sein. Du willst bei mir abgucken, wie
ich es mache. Jetzt zieht sie das Auge wieder zurück. ... Ilka schlägt
weiter
Mutter, das nützt jetzt nichts, ich möchte jetzt endlich meinen
Weg gehen. Lässt du mich den gehen? ... Sie will schon Ja sagen,
aber es kommt nicht richtig raus. ...... Sag Ja. Sag jetzt Ja, verdammte
Scheiße. ... Die Tine sitzt da und ihr Gesicht wird so richtig hübsch,
sie wird richtig so eine ganz tolle junge Frau, in dem Moment, wo ich
meiner Mutter eins überbrate.“
Tine fühlt eine Art Erlösung, sie darf jung sein. „Sie
steht da, hält die Arme hoch und sagt: ich darf jung sein. Ich darf
machen, was ich möchte. Und ich weiß, dass das meine Mutter
auch will.“
In der PSYCHE ist das evolutionäre Muster „Pubertät und
Ablösung“ fraktal abgespechert und so reagieren beide Energiebilder.
Ilka beginnt wieder kräftig zu schlagen. „Ich hasse dich dafür,
du blödes Schwein. Ich hasse dich dafür, dass du uns so gepiesackt
hast.
Die Tine – ihre Tochter – sagt jetzt: „Mutter mach weiter.
Die muss endlich aus unserem Leben verschwinden, jetzt kriegt auch gleich
mein Vater noch eine rein.“
Ilka schlägt weiter und ihre Tochter lobt sie dafür. „Mutter,
das machst du toll. Erste Sahne. ... Weg mit euch, ich möchte euch
nicht mehr sehen. ... Komm Mutter, lauf zur Höchstform auf.“
Wichtig ist nicht nur, das Ilka emotional ehrlich wird, sondern das sie
auch ihrer Mutter aufzeigt, wo dies hin geführt hat, wenn sie ihr
Kind nicht loslässt. Daher fordert der Therapeut sie dazu auf, denn
die PSYCHE ist lernfähig.
„Mutter, guck mal, das gibt es doch nicht, Ich bin einmal in meinem
Leben ausgebrochen, und das habe ich wirklich büßen müssen.
Das war während meiner Studienzeit, da war ich nicht so angepasst.
Und ihr habt mich dann wieder so richtig auf den Boden der Tatsachen gebracht.
Ich weiß ja, wie es geht, und eigentlich habe ich damals Gefallen
daran gefunden. Ihr habt das damals so schamlos ausgenutzt, als ich dann
nicht mehr wusste, wie ich beruflich weitermache. Ich wollte da gerne
so ein bisschen rumhängen. - Ich hatte damals in der Kanzlei meines
Vaters gearbeitet, und das hat mich so angeödet. Mein Vater hat mich
dann mal in sein Büro zitiert und gesagt: Sag mir mal was zu dieser
Stromrechnung, und die ging mir am Arsch vorbei. ... schlägt wieder
... Ich sag dir das, Vater, die geht mir so am Arsch vorbei, was interessiert
mich das, ob der Zählerstand stimmt oder weiß der Henker was.
... Ich hing da fest, vor lauter Verzweiflung habe ich viel gegessen.
Du wolltest einen Nachfolger, Vater, das wusste ich, ich habe gedacht,
mir fällt die Decke auf den Kopf. Abends bin ich dann bedienen gegangen
in irgendwelchen Sportlergaststätten, und dann hast du, Vater mich
zur Rede gestellt. Und du Mutter, hast dann gesagt, das passt doch nicht,
was du da machst.“
Ilka darf nicht über die Situation reden, sonst wäre es eine
Gesprächspsychotherapie, sondern muß jeweils in die Situation
hineingehen und dort in der Gegenwartsform die beteiligten Personen ansprechen
oder moderieren. Denn nur so verändern sich die abgespeicherten Informationen
durch Rückkoppelung, die zur Selbstorganisation führt und neue
Strukturen erschafft. Daher sagt der Therapeut: „Geh jetzt mal in
diese Situation.“
Ilka geht mit ihrem Bewusstsein in diese Zeit und in diese abgespeicherten
Erlebnisse.
„Also, meine Mutter sagt: Ilka, wir haben gehört, dass du abends
bedienst, und das passt doch nicht. ... Ich mag aber meinen Job in der
Kanzlei nicht, das gefällt mir nicht, ich will da raus. ... Dann
hat mein Vater gesagt: ok, dann mach halt was anderes. ... Ich will das
nicht zuhause machen, ich will mich auf meinen Steuerberater vorbereiten.
Ich habe den hinters Licht geführt, ich wollte mein Lotterleben weiterführen.“
Da Ilka schon wieder über ihre Eltern redet, fordert der Therapeut
zur direkten Rede auf: „Sag es ihm direkt. Du wolltest ja jetzt
diesen anderen Teil raus lassen. Brav warst du lange genug.“
Ilka schlägt und schreit: „Ich will nicht, ich will keinen
Scheiß Steuerberater machen. Ich will es nicht, es geht mir am Arsch
vorbei. Ich möchte mein Lotterleben haben. Ich möchte rummachen,
ich möchte dahin und dorthin, ich möchte nach Hamburg. Ich weiß
gar nicht mehr, wie der hieß, zu dem will ich fahren. Und dann will
ich woanders hinfahren und nicht hier rumhängen, das interessiert
mich nicht. Ich möchte das jetzt ausleben, ich möchte gucken,
was für mich richtig ist oder was falsch ist. Es ist mein Leben.“
Hier wird Ilkas Hauptthema sehr sichtbar: Sie hat sich nie von ihren Eltern
abgelöst und ist ein Kind geblieben. – in der Pubertät
stecken geblieben. In 2 Jahren wird genau dieses Problem zum unlösbaren
Hindernis und Ilka verstirbt. Die Eltern haben wie viele andere in dieser
Zeit versucht ihr Kind mit Macht zu lenken, statt in die Selbständigkeit
zu fördern. Ihr Kind ist daher nicht wirklich lebensfähig und
die Evolution selektiert sie aus. Ist Krebs unter diesem Gesichtspunkt
unbewusst von den Eltern erzeugt? Auch die Oma hatte schon Brustkrebs,
also das selbstähnliche Thema.
Der Therapeut verstärkt sie in dieser Sichtweise: „Ja, das
ist dein Leben. Guck mal, was er sagt dazu.“ Ihr Vater antwortet:
„Ja, wenn du das so machen willst, ich habe das auch nicht machen
können, dann enterbe ich dich. - Ich meine, das Erbe hatte ich schon
mit einberechnet. Das ist Scheiße gelaufen. ... Vater, über
das Erbe können wir jetzt nicht handeln, das bleibt mir, das brauche
ich. - Vater, ich merke jetzt auch, wie es in dir kocht, weil du das auch
gerne gemacht hättest. Und jetzt stehe ich vor dir und fordere es
ein. Und du willst mich einfach bremsen, du willst mich bremsen.
Der Therapeut bestärkt sie in ihrer Haltung: „Sag ihm ruhig,
du lässt dich von niemandem mehr bremsen, du gehst jetzt deinen Weg.
Also, setz dich durch.!
Ilka: „ Ich lasse mich durch dich nicht bremsen, und das Geld habe
ich mir verdient. Ich bin auf die Welt gekommen und habe dir alles Mögliche
gezeigt. Du wolltest ja nicht hingucken, das ist dein Problem. 19 Jahre
sind jetzt genug, du hättest genug von mir lernen können, jetzt
ist Schluss. Das Erbe her, und ich gehe.“
Ilka hat offensichtlich das Gefühl, sie war für ihren Vater
da und nicht umgedreht. Der Therapeut unterstützt weiter: „Eigentlich
müsste er stolz sein auf dich, du bist selbstbewusst, gehst deinen
Weg, er hat sich gar nicht richtig getraut.“
– „Vater, du hast dich nicht getraut, ok, du hast gleich Familie
gehabt, zwei Kinder, das war aber deine Entscheidung. Gut, du hattest
auch die Unterschenkelamputation, und dadurch warst du ein bisschen gebremst.
Aber, du hast doch gut ausgesehen, hättest du halt was daraus gemacht.
Du hast doch immer gesagt, du wärest selbst mit einem Holzbein schneller
als ich. Hättest du halt was daraus gemacht. - Vater, ich möchte
jetzt eine Entscheidung haben, diese Entscheidung ist für mich lebensnotwendig.
Ich sage dir, treffe die Richtige! - Vater, ich merke, wie du ins Wanken
kommst. Du hast das so noch gar nie gesehen. ... Nee, hat er nicht, er
hat es nicht gemerkt.“
Der Therapeut provoziert weiter: „Du warst zu brav, Ilka, das ist
nicht aufgefallen, er hat das nicht mal vermutet. Frag ihn mal, ob das
so war.“
Ilka: „Hast du ... ah, ok, du hast es mir nicht zugetraut! Das machen
ja die Wenigsten, das ist ja eigentlich auch meine Masche. Ilka ist wütend
und schlägt weiter. Der Therapeut erklärt den Zusammenhang provokativ
neu: „Da hast du dich selbst gelinkt, auf harmlos gemacht, und keiner
traut dir was zu.“
Der Vater wird einsichtig und Ilka spürt dies. „Irgendwie will
er mir den Weg nicht verbauen. - Vater, was ist denn dein Beweggrund?
Du siehst ja anscheinend, dass mein Weg doch wichtig ist, dass ich den
gehen muss? Was bringt dich ins Zweifeln? ... Er sagt: Eigentlich habe
ich das alles hier für meine Kinder geschaffen, und ich habe ja meine
Kinder immer geliebt. ... Das wussten wir ja auch. Ich weiß, dass
du das alles nur für deine Kinder gemacht hast, du hast uns beide
geliebt, auch wenn ich dir vielleicht ein bisschen näher war. Aber
mein Bruder hat dann später aufgeholt, als ich eine Zeitlang in Ungnade
gefallen war. - Vater, kannst du mir sagen, liebst du mich jetzt genauso
... ? Weißt du noch, wie das war, als ich dir als kleines Kind zu
Weihnachten vor Aufregung aufs Hosenbein gepinkelt habe? Dann bist du
sogar hingegangen und hast mich gewickelt. Liebst du mich jetzt genauso
wie damals? ... Ja, da hat sich nichts geändert. ... Das tut mir
aber gut, das zu hören.“ Ilka weint – genau danach hatte
sie immer gesucht. „Vater, danach habe ich die ganze Zeit gesucht,
dass du mich wieder so liebst wie am Anfang.“
Ilka soll ihre Tochter Tine und sich selbst als inneres Kind beim Opa
zusammenführen. Dies ergibt neue noch nie dagewesene Verbindungen
in der PSYCHE und da es erlebnisorientiert geschieht, ist diese Qualität
auch neuronal verankert. Das Gehirn verändert sich und dadurch auch
der Körper – der Krebs kann sich mehr und mehr auflösen.
Die Spannungsbilder der nicht gelungenen Pubertät sind ein Aspekt
zur Entstehung des Brustkrebs rechts und den Lympfknoten links.Ilka fordert
ihre Tochter auf: „Tine, komm wir gehen mal zu Opa. Wir sitzen jetzt
da, der Opa in der Mitte und wir außen rum. Wir bewundern den Opa
oder meinen Vater, das hat er sich auch immer gewünscht ... Vater,
durch deine Großzügigkeit und Großherzigkeit hast du
das erreicht, was du immer wolltest. Ganz einfach. Die Tine hat dich eigentlich
immer geliebt, genau wie ich das auch immer gemacht habe. Das hätten
wir natürlich alles einfacher haben können, wir hätten
nur aufeinander zugehen müssen und versuchen müssen, den Anderen
ein bisschen zu verstehen. Wenn man liebt, kann man auch beim Anderen
Dinge akzeptieren, die man selber nicht so mag oder versteht. ... Er bejaht
das jetzt.
- Vater, jetzt möchte ich von dir wirklich wissen, stehst du bedingungslos
hinter mir, auch, wenn ich Scheiße mache, auch, wenn ich hier die
Sau raus lasse? ... Ja. Ich weiß das jetzt, manchmal machst du Scheiß,
manchmal bist du beim Lernen ein biss-chen kompliziert, aber du gehst
deinen Weg. ... Bedingungslos, Vater? ... Ja, bedingungslos.“
Ilka fühlt sich ganz ruhig und rund, „aber total schlagkräftig,
kraftvoll“ – sagt sie. „Ja, es ist nicht so anstrengend,
es ist klarer für mich, es kommt klarer rüber, wo es für
mich hingeht. Ich brauche jetzt nicht mehr so viel ausprobieren, was richtig
ist, weil ich gestärkt bin. - Vater, ich finde das toll, das war
das, was wir beide immer gewollt haben, ich musste jetzt 54 Jahre alt
werden, das wir uns dahingehend arrangieren konnten.“ Der Therapeut
wirft noch ein: „Und du musstest erstmal heftig krank werden.“
Ilka: „Er sagt: ok, du hast viel dabei gelernt. ... Ja, das stimmt.
... Er sagt auch: Das ist dein Werkzeug für deine Zukunft.“
Hier wird deutlich, das die heutige Ilka damit gemeint ist, aber wir haben
versäumt, die Energiebilder „Pubertierende“ und „inneres
Kind“ klar voneinander abzugrenzen. In der heutigen Arbeitsweise
der Psychobionik 3.0 wird nachgeschaut und getestet, ob jeweils die genannten
Urbilder erlöst sind. Diese sind fraktal aufgebaut und daher ist
beispielsweise auch der Pubertierende von Ilkas Vater zu überprüfen.
Wir überprüfen hier leider nur das Verhältnis des inneren
Kindes zu seinem Vater und Mutter.
Therapeut: „Dann hol doch mal die kleine Ilka herbei, guck mal,
wie alt sie ist, wenn sie auftaucht.“ – Ilka: „Ilka,
komm mal her. Die hat einen Schulranzen auf, sie ist sechs oder sieben,
und sie sagt: ok, jetzt geht es mal hier weiter, ich will was lernen.
Die will sich hier gar nicht aufhalten. - Mein Vater sitzt so selbstgefällig
auf einem Stuhl und sagt: Oh, das habe ich gut gemacht.
Die Mutter kommt jetzt aufgemotzt rein und sagt zum Vater: ok, los, wir
haben jetzt was zu tun. Das sieht so aus, als ob sie ihre Stellung als
Frau in der Familie wieder hätte. - Mutter, das finde ich jetzt toll.
Ich möchte jetzt mal ein bisschen hingucken, wie du, Mutter das machst.
Mutter, ich will das jetzt mal sehen, wie du den Vater verführst,
ich möchte Zuschauerin sein. - Das ist ja witzig, und plötzlich
starten die durch. Das ist kaum zu glauben.
- Das ist total liebevoll. Ich habe von meinen Eltern ein altes Bild gefunden,
da sitzt sie bei ihm auf dem Schoß, die necken sich.
- Das ist total neu, das habe ich noch nie gesehen. Ich habe nie gesehen,
dass die sich in den Arm genommen haben, ich kann mich nicht erinnern.
Deshalb musste ich das mit meinen Freunden erstmal alles so ausprobieren,
weil ich es von zu Hause aus nicht kannte. Auch, das Zuneigung gepflegt
wurde, nein, es gab immer nur Pflichten, was hast du erreicht, wie ist
der Kontostand? Was anderes gab es nicht, das waren die Hauptthemen.“
Der Therapeut ist zufrieden: „Das ist ja toll, jetzt haben wir deine
Eltern als Liebespaar, das innere Kind ist frei und fühlt sich gut.
Und was macht deine Tochter? Die dürfte ja jetzt nicht mehr Mama
für dich spielen.“ - „Nee, nee, die sitzt da und lächelt
nur noch, ... du hast ein helles, lichtvolles Gesicht, es sieht aus wie
beleuchtet, dein Gesicht ist so jugendhaft, so zart, als ob du grade erblüht
wärest, wie eine Blume, die zum ersten Mal in ihrem Leben Wasser
kriegt.“ – berichtet begeistert und gleichzeitig erstaunt
Ilka über ihre Tochter.
Der Therapeut fragt nach: „Spür mal, ob sich in dir was verändert
hat, dass du auch die Mutterrolle annehmen kannst. Ich hatte vorhin die
Idee, dass du vielleicht die Mutterrolle deswegen nicht richtig angenommen
hast, weil du deine Mama nicht so richtig als Mama akzeptiert hast. Oder
sie nicht so haben wolltest oder nicht so werden wolltest wie sie.“
Ilka bestätigt dies: „Ja, ich wollte nicht so werden wie meine
Mutter. Da habe ich mich das ganze Leben lang gegen gewehrt, ... Mutter,
für mich war das immer schlimm, du wurdest nur geduldet, der Vater
hat zwar direkt nichts gesagt, dich aber nie mit Respekt behandelt. Ich
habe das schon getan, aber so war halt die Atmosphäre bei uns zuhause.
- Ich wollte nie so werden wie du, ich wollte erfolgreich werden wie der
Vater, aber nie so unterwürfig und mit meiner Meinung mich zurückhaltend
wie du. Immer so dieses Gedeckelte, das wollt ich nie, weißt du,
Mutter, das hat bei mir bewirkt, dass ich oft Sprachschwierigkeiten hatte.
Ich habe dann immer nur halbe Sätze gesprochen, weil ich mich nicht
traute, die ganze Wahrheit zu sagen, und ich hätte mir ja auch Feinde
machen können.“
Der Therapeut kommentiert: „Also, immer die Kontrolle behalten,
immer aufpassen, niemals autonom drauflos reden.
Ilkas befragt ihre Mutter: „Du hast mich ja jetzt schon mit einem
Auge beguckt oder belauert, fast schon, findest du das denn auch gut,
was ich jetzt mache? ... Ja, ich finde das toll, weil ich es hätte
auch machen sollen. Für mich war es das kleinere Übel, immer
zurückzustecken, und ich habe es ausgehalten.“
Der Therapeute erläutert: „Das war ihre Taktik, um durchzukommen.
Eigentlich hätte sie es gerne gemacht wie du, sie hat sich nur nicht
getraut. ... Jetzt hast du deine Eltern hinter dir, wie ist das? Die sind
sogar stolz auf dich.“
Kinder müssen sich immer weiter entwickeln, wie ihre Eltern. Die
Muster der Eltern müssen aufgelöst werden – die Evolution
will das so.
Wir wollen die Veränderung testen. Sind die Eltern wirklich erlöst
und stehen hinter ihrer Tochter?
„Die neue Ilka ist da, Mama und Papa sind da, die Kleine ist da,
jetzt geh mal durch dein Leben hindurch, und lebe das wirklich auch mal
so lebendig, und hole dir diesen Mann, auf den du Lust hast und gucke,
ob deine Eltern einverstanden sind. Wir testen jetzt mal so ein bisschen.
So mit 19 hattest du doch diesen einen Mann, flirte mal mit dem rum, vor
den Augen deiner Eltern, und guck mal, ob das alles ok ist.“
Ilka ist begeistert: „Der ist ja meine erste große Liebe gewesen,
den hole ich jetzt mal her ... so viel zu reden gibt es da gar nicht,
wir kommen gleich zur Sache“
- Meine Mutter sagt: ich muss mich ja wirklich über meine Tochter
wundern, ich bin richtig stolz auf sie. ... Mutter, ich wusste schon immer,
dass du neidisch auf mich bist ... und mein Vater sagt: mein Gott, ist
das toll, jung zu sein.
Ilka ist ganz betroffen über ihre erlösten Eltern: „Die
sitzen da und gucken zu und finden es toll. Die sind wirklich auch stolz
auf sich, dass sie das so hingekriegt haben. Das war immer ihr innigster
Wunsch, und das hat solche Umwege gebraucht.“
Ilka geht weiter in ihrem Leben vorwärts. „Mit 26 habe ich
ja dann geheiratet, das hat sich halt so ergeben. - Ja. Das war jetzt
nicht schlecht. Gut, das Beste daran war sicherlich unsere Tochter.“
– meinte sie zu ihrem Mann gewandt. „Durch die Tochter konnte
ich viel klären, du hast noch ein bisschen Klärungsbedarf, aber
das ist dein Bier. Es ist klar, mit meinem heutigen Wissen, hätte
ich meinen Mann nach maximal drei Jahren verlassen. - Der merkt jetzt,
dass er mich toll fand, aber viel zu anstrengend.
Warum hat Ilka diesen Mann genommen? In der Psychobionik schauen wir aus
der Position der Ahnen, um diese Attraktionsmuster aufzudecken. Hier lasse
ich sie interpretieren. „Was hast du von ihm gebraucht, was war
es denn? Spür mal hin oder frag ihn.“ Er war sicher ein Papa-Ersatz.
Ilke bestätigt es indirekt: „Er hat mich behütet, ich
war damals mit einem anderen Mann zusammen. Er war der Erste, der gesagt
hat, ich werde um dich kämpfen. Das hat mir imponiert, und er hat
mich gehabt.“
Die Sehnsucht einer Prinzessin gilt dem Prinzen, dem Helden. Die Bemerkung
des Therapeuten klingt provokant: „Also, eigentlich wolltest du
den Helden. Es hat sich nur rausgestellt, er war keiner.“
Ilka bestätigt dies: „Genau. Ich hab dann für die Familie
gekämpft. Er war immer dabei und hat mir den Rücken gestärkt,
dass muss ich schon sagen. Ich hatte Narrenfreiheit.“ Der Therapeut
wird deutlicher: „Du hattest eigentlich einen Papa im Rücken,
guck mal genau hin, eigentlich hättest du einen Papa gebraucht.“
Jetzt sieht es Ilka auch. „Ja, das stimmt, den hatte ich damals
ja nicht.“
Der Therapeut erklärt seine Sichtweise: „Deswegen hast du dir
einen Papa-Ersatz gesucht, ein Mann hat dir nicht den Rücken zu stärken.
Ein Mann hat vor dir zu stehen oder neben dir.“ Ilka bestätigt
auch dies. „Als unsere Ehe auseinander gegangen ist, ist das natürlich
weggefallen, das war dann auch das einzige, was mir gefehlt hat. -
Vater, mein Mann ist ein ganz Lieber, aber wir passen einfach von der
Grundstruktur nicht zusammen. Ich will in eine ganz andere Richtung ...
Mein Vater freut sich und sagt: endlich, das habe ich dir doch schon immer
gesagt! ... Vater, ich muss meine eigenen Erfahrungen machen“ -
protestiert Ilka.
„Er hätte dir den Rücken stärken sollen, dann hättest
du keinen Papa-Ersatz gebraucht.“
Ilka: „Er ist mir damals in den Rücken gefallen, weil seiner
Meinung nach dieser Mann nicht in unsere Familie passte. Mein Mann war
beruflich immer fit, er konnte mich gut ernähren.“ Ilka wendet
sich ihrem Exmann zu: „Auch wenn wir uns jetzt trennen, bin ich
dir unendlich dankbar, dass wir dieses Kind gemeinsam haben, das war für
mich sehr wichtig. Die Tine ist wirklich ein Kind der Liebe, aber unsere
Zeit ist jetzt einfach vorüber, ohne Gram.
Wir sind ja auseinander gegangen, ich kenne auch seine jetzige Frau. Ich
bin froh, dass die jetzt miteinander schlechte Laune haben und ich nichts
mehr damit zu tun habe. Das brauche ich nicht mehr. Nach der Trennung
hätte ich erst mal Geld gebraucht, eine neue Existenz ... mein Vater
hat gesagt: Ok, was möchtest du machen? Das Beste wäre gewesen,
hätte ich mich gleich zu diesem Zeitpunkt selbstständig gemacht.
Ich habe damals Mode entworfen, ich hatte ja schon ein kleines Unternehmen,
das ich hätte weiter führen können. Da konnte ich meine
Kreativität gut leben, da hatte ich tausend Ideen. Ich bin mir sicher,
es wäre für mich ein Leichtes gewesen, Kontakte zu knüpfen
und Erfolg zu haben. Das hätte ich gerne gemacht.“
Ilka muß ihre große Liebe noch einmal verabschieden und so
schauen wir, wie er jetzt in ihrer PSYCHE auftaucht.
Ilka ist traurig: „Wir sind so abrupt auseinander gegangen und habe
nie mehr was voneinander gehört. Das war nicht gut, weil dafür
war die Zeit zu schön.“
Sie ruft ihn: „Weißt du, du mit deinen vielen Frauen, da hast
du mich einfach ein bisschen überfordert in der Situation. Wenn ich
im Leben schon was erlebt gehabt hätte, dann hätte ich dir besser
gegenüberstehen können. Ich war dann damals ziemlich cool, nach
dem Motto, wenn nicht du, dann halt ein Anderer, aber das war ja eigentlich
nicht meine innere Einstellung. Ich wäre gern in das Bewusstsein
gekommen, dass uns Zwei was verbindet. Ich weiß ja bis heute nicht,
ob uns Welten getrennt haben. Du warst halt im Beruf gut, du warst der
Toparzt, und ich war die Kreative. Als meine Eltern dich festnageln wollten,
bist du ausgerastet und hast nicht zu mir gestanden. Dann fingst du mit
deinen vielen Frauen an, und das war blöd. Das hätte ich mir
gewünscht, dass wir das gemerkt hätten, dass das nicht passt.
Das sieht er auch so, er findet, dass wären wir uns eigentlich schuldig
gewesen, weil es einfach toll war, mit uns. Es war spannend vom ersten
Augenblick an, das war der Adrenalinstoß pur. Der hat dann irgendwie
eine Klinik gehabt und ist ins Ausland gegangen und scheint ein bisschen
durcheinander im Kopf zu sein. Das hat wahrscheinlich auch was mit ihm
gemacht. Ich möchte keine Sekunde missen, das war toll. Jetzt bin
ich durch meinen Vater etwas gestärkter.
Vater, dadurch, dass du mir den Rücken gestärkt hast, gehe ich
da ein bisschen gestärkter raus. Ich muss mir nicht meine neue Position
erkämpfen und mich immer wieder beweisen. Das hat mich irgendwann
mal angekotzt. Immer wieder musste ich mich beweisen, ich wollte einfach
mal ich selbst sein. Ich wollte nicht immer geschminkt da rumlaufen, ich
wollte mal rumhängen. Mein Freund hat immer gesagt, wenn du zuhause
bist, lässt du dich ganz schön gehen. Das waren die Alle nicht
gewohnt, aber ich wollte mich auch mal gehen lassen, das gehört auch
zu mir.“
Leider hat dieser Anteil in den letzten 2 Jahren die Oberhand bekommen,
bis sie starb
Doch im Moment geht es Ilka sehr gut. „Das ist so, als ob ich jetzt
eine Ozontherapie hinter mir hätte, das ist der Jungbrunnen, schlechthin.
Es fühlt sich an, als ob meine sämtlichen Zellen frisch mit
Sauerstoff durchlüftet wurden.“ Ihr Papa spürt das auch:
„Ja klar. Der wird gleichzeitig mit mir jung.“
Die Sessionzeit ist noch nicht zuende und so arbeiten wir an dem nächsten
wichtigen Urbild: Der inneren Frau. Der Therapeut fragt nach: „Haben
wir schon mal mit ihr gearbeitet?“ – Ilka erinnert sich: „Kurzfristig,
da kam diese unheimlich schöne Seejungfrau, die dann gleich wieder
verschwand.“
Der Therapeut gibt folgende Anweisungen: „Seejungfrau, ok, die haben
keine Füße. Da muss man immer aufpassen, wer da so kommt. ...
Gut, dann gehst du mal ans Meer, setzt dich da an den Strand, schau mal
nach links, da kommt von ferne ganz langsam ein Punkt auf dich zu, der
wird immer größer und größer, das ist deine innere
Frau. Sie kommt so langsam auf dich zu, dass du sie beobachten kannst,
ihren Gang, ihre Haltung, ihr Aussehen allgemein oder auch, wie sie auf
dich reagiert, wenn sie näher kommt, welche Gefühle du bekommst,
wenn sie da ist, was sie sagt. Lass dir ruhig ein bisschen Zeit, wenn
sie näher kommt, deine Weiblichkeit, deine innere Frau, schau sie
dir genau an.“
Ilka: „Es ist eine Frau mit langen Haaren, die hat ein bisschen
älteres Gesicht, aber einen ganz jugendlichen Körper. Sie kommt
daher mit einem leichten erhabenen Gang, fast so majestätisch und
setzt sich zu mir, aber nicht in den Sand, sondern sie nimmt ein Tuch
und setzt sich darauf. Sie schaut mich an und sagt: mein Gott, wie lange
haben wir uns nicht mehr gesehen. Ich bin darüber schon ergraut.
- Mir bleibt fast das Herz stehen, ich könnte sie.... dich immer
nur angucken. Ich bin erschlagen von dieser Schönheit, so wie handlungsunfähig,
wenn ich dich sehe. In meinen Händen ist jetzt wieder dieses taube
Gefühl, als ob ich wieder in Ohnmacht falle. Ich frage mich, habe
ich gepennt oder hat sie gepennt?
- Kannst du mir mal sagen, wer von uns beiden gepennt hat? Das ist so
ein Moment, wo wir beide aus unserer doch etwas leblosen Haltung raus
kommen und uns bewegen und uns wie zwei Freundinnen austauschen. Wo sind
wir geblieben?“
Ilka soll mit ihrem Bewusstsein ganz in sie hineingehen, denn sie ist
ein Teil ihrer PSYCHE. „Was du machen kannst, geh mal in sie rein,
spür sie mal, schau mal aus ihren Augen heraus, fühl mal, wie
es ist, wenn du ganz Frau bist, wenn du ganz in diese Weiblichkeit rein
gehst, wenn du nur in diesen Teil rein gehst. Das ist ja ein Anteil von
dir. Männlich, weiblich, jeder Mensch hat ja beide Energiequalitäten.
Guck mal, wie dann die Welt aussieht oder sich anfühlt.“
Ilka beschreibt etwas zeitloses, ewiges: „Die Welt fühlt sich
für mich ein bisschen so an, als ob sie stehen bleibt. Als ob wir
jetzt hier am Ufer unseren Raum haben, und da draußen ist der Marktplatz,
da bewegt sich aber nichts. - Warte Mal, das ist nicht ewig, es ist mehr
das Gefühl, als ob das irgendwie zum Leben erweckt werden möchte.“
„Ok, so ein bisschen wie Dornröschen, alles ist im Schlaf und
still, hundert Jahre geschlafen?“ – fragt der Therapeut.
Betroffen redet Ilka mit ihrer inneren Frau: „Weißt du, das
ist schön, dass wir da so sind und der Marktplatz vor uns, aber da
lebt nichts.“
Wie kann man diese tote Welt aufzeigen? Der Therapeut schlägt vor,
die innere Frau solle ihr mal ihr Reich zeigen. „Ja, da ist offensichtlich
noch eine Seite in dir, die ins Leben will, die noch ein Potential hat,
das noch nicht gelebt ist. Frag sie doch mal, ob sie dich mal mitnehmen
will in ihre Welt, in ihr Reich, in ihr Zuhause. Schau mal, wie sie lebt,
in welcher Welt sie ist, wie es sich anfühlt.“
Ilka berichtet: „Wir gehen jetzt in ihr Haus, ein kleines Häuschen
am Waldrand, es kommt mir vor wie ein Lebkuchenhaus. Sie macht den Ofen
an und setzt sich in den Schaukelstuhl, sie legt eine Schallplatte auf.
Ich sag zu ihr: auf dem neuesten Stand bist du auch nicht.“ Belustigt
meint der Therapeut: „Na, die war wahrscheinlich ewig nicht im Leben,
die hat die alte Musik von früher.“
Ilka berichtet weiter: „Sie sitzt jetzt so in ihrem Schaukelstuhl
und nimmt ein Wollknäuel und dröselt etwas schon Gestricktes
wieder auf und strickt einen neuen Schal. Sie steigt in ihre Pantoffeln
und sagt: Ja. Ja.“
Der Therapeut lästert weiter: „Deine innere Frau klingt so
ein bisschen nach einem alten Mütterchen, Lehnstuhl und stricken
und so. Die ist echt nicht mehr auf dem neuesten Stand.“ Ilka hat
es auch bemerkt: „Das ist mir auch aufgefallen.“ Was ist ihr
passiert?
„Frag sie doch mal, was ist passiert, dass sie sich so zurückgezogen
hat, in diese Welt. Es gibt ja auch diese ganz lebendige, erotische, weibliche
Welt, mit viel Spannung.“
Sie hat offensichtlich vergebens auf ihren Prinz gewartet. „Innere
Frau kannst du mir mal sagen, weshalb du dich so zurückgezogen hast?
Dein Leben ist ja jetzt nicht sooo spannend. ... Es hat sich irgendwie
nicht so ergeben, da ist niemand vorbei geritten.“
„Ah ja, sie hat auf den Prinz gewartet, und der ist nicht gekommen.
Sie hat resigniert, so was?“ – „Ja, ein bisschen schon.
- Kannst du mir mal sagen, welche Situation in deinem Leben dazu beigetragen
hat, dass du dich so zurückgezogen hast. ... Da kommt mir jetzt ganz
spontan eine Situation, da habe ich mal so ein Tantra Seminar in Griechenland
gemacht. Wir haben eine Übung gemacht, wobei sich jeder Mann die
Frau genommen hat, zu der er sich hingezogen fühlte. Zu mir kam keiner!
Ich muss dazu sagen, ich bin kurz nach dem Scheitern der zweiten großen
Liebe nach Griechenland gefahren. Bei der Übung haben mir die Männer
dann sagen sollen, warum sie nicht zu mir kamen und dieser eine hat dann
gemeint, das wäre zu anstrengend mit mir. Ich dachte mir, mit mir
kann es kein Mann aushalten. Ich bin bisher keinem Mann begegnet, der
es mit mir ausgehalten hätte, der mich auch einfach mal hat spinnen
lassen. Die waren immer überfordert. Die sind nie zu meinem richtigen
Kern gekommen.“
Ilka kann leider nicht wahrnehmen, das die Welt ein Spiegel ist. Sie projeziert.
Ilka ist leider nie zu ihrem Kern gekommen und wartet auf den Erlöser.
Doch wie kann man ihr das aufzeigen?
Ilka geht noch einmal in diese Situation: „Ich spreche jetzt mit
diesem Mann: Ich möchte dir sagen, das du einfach nicht die Fähigkeit
besitzt, hinzuschauen, wer dir gegenüber steht. Ich möchte das,
was du mir gegeben hast, wieder zurückgeben. Das ist nicht mein Unvermögen,
sondern deins.“ – projeziert sie weiter.
Der Therapeut regt an, sie solle ihm mal ihr wahres Gesicht zeigen in
Gestalt ihrer inneren Frau. Ilka zeigt sie ihm: „Jetzt möchte
ich dir mal zur Krönung dieses Gesprächs meine innere Frau zeigen.
... Er sagt dann: oh, du bist ja gar nicht so.“
Ilka zeigt offensichtlich nicht ihre wahre Natur und so soll sie ihre
innere Frau befragen, warum dies so ist. „Jetzt frage mal deine
innere Frau, warum sie sich damals nicht gezeigt hat. Die war ja offensichtlich
nicht so sichtbar. Es liegt ja auch ein bisschen an ihr, wo war sie da?“
Ilka befolgt den Ratschlag: „Innere Frau, wo warst du denn damals,
warum hast du dich nicht gezeigt? Warum hast du in dem Moment nicht den
Mut gefasst? ... Ich war feige, ich war enttäuscht von der vorhergehenden
Liebe, ich wollte nicht, dass mir das jetzt öfter passiert.“
Ilka hat ihre Enttäuschung nicht verarbeitet und dicht gemacht. Kein
Wunder, das sie dann nur Männer anzieht, die sie nicht wirklich wollen,
weil sie nicht frei ist, sondern noch von dem letzten Liebhaber negativ
besetzt sind. Daher kam kein Mann auf sie zu. Ilka muß mit ihrer
letzten Enttäuschung reden. „Sag es dem Mann vorher, von dem
du dich so spontan getrennt hast, wo du so stolz warst, da hat sich deine
innere Frau zurückgezogen. Hol den herbei, sag es ihm, zeig es ihm.“
Ilka redet mit dem neuronalen Bild ihrer großen Liebe. „Schau,
das hast du mir hier hinterlassen. Eine Frau, die sich nicht mehr traut.
Ich bin dir wirklich mit offenem Herzen entgegengekommen, und du hast
mir irgendwie einen Keil in meine Offenheit reingerammt, dass ich mich
zurückgezogen habe, dass ich mich in meiner Weiblichkeit verletzt
fühlte. Ich habe mich gekränkt gefühlt, diskriminiert.
Ich habe auf Hochtouren gedreht und du hast mich einfach so fallen lassen.
Meine innere Frau hat sich seit dieser Zeit einfach zurückgezogen,
sie wollte nicht mehr. Sie wollte einfach nicht mehr so viel geben.“
- „Ja, und jetzt sitzt sie in der Hütte und strickt einen Schal.
Kein Wunder, dass da kein Prinz mehr vorbeikommt.“
Im folgenden wird sichtbar: Ilka hat sich schon bei ihrer zweiten Liebe
nicht mehr so geöffnet, denn ihr Herz hing immer noch an ihrer ersten
großen Liebe. Dies zeigt ihr die innere Frau klar auf. Bei dem Arzt
hat die innere Frau nicht mehr wirklich aufgemacht und lieber dann den
Lehnstuhl gewählt. Daher kommt auch kein echter Prinz mehr vorbei.
Sie reiten weiter und Ilka bleibt alleine. „Das war halt ein toller
Mann, ich bin keinem tollen Mann mehr begegnet.“
Der Therapeut fühlt sich bestätigt: „Genau das ist es.
Du bist deshalb keinem Prinzen mehr begegnet, weil du hängen geblieben
bist. Wenn du als innere Frau weitergehst, findest du nur noch tolle Männer.
Aber du bist hängen geblieben. Mach das deiner inneren Frau mal klar,
die steht immer noch neben ihm, guck doch mal hin. Die hat nicht losgelassen,
die klammert immer noch.“ – „Hast du ihn losgelassen?
- Nee, so richtig losgelassen hat sie ihn eigentlich nicht.“
Der Therapeut erklärt: „Sie will ihn nicht mehr, hat ihn aber
auch nicht losgelassen. Die ist trotzig und bockig. Kein Wunder, dass
da kein Mann andockt. Die ist total stinksauer auf den Typen, der sie
hat hängen lassen. Sie zieht sich zurück von der Welt, hat es
noch mal versucht bei dem zweiten „Prinzen“, der wollte auch
nicht, und seit der Zeit strickt sie am Schal irgendwo im Lehnstuhl. Und
die ist hübsch, guck doch mal, wie lebendig die ist, die hat doch
Lust aufs Leben. - Ihr habt nicht richtig Abschied nehmen können,
nicht heulen können.“ – „Nee, - Ich habe einen
richtigen Druck auf dem Kopf.“
Die nächste Session ist wichtig zur Beziehungsklärung. Ilka
muß wieder frei werden. Die gebundene Energie muß wieder fließen.
Ihr Vater will ihr dabei helfen. Ihre erste Liebe hält sie noch gefangen.
Wie sieht jetzt der Eingangsraum aus? „Meine Tochter ist weg. Da
steht noch das Bett mit diesen roten Tüchern ... das Ganze hat jetzt
so einen verführerischen Hintergrund.“
Ilka will sich mit ihrer ersten großen Liebe treffen und Abschied
nehmen. Sie bekommt plötzlich starke Kopfschmerzen. „Kopfschmerzen,
könnt ihr mir mal sagen, weshalb ihr jetzt aufgetaucht seid? ...
Ja, das ist ein blödes Thema. - Da sind so viele Bilder von ihm in
mir, so wie er war, der hat alles auf die Reihe gebracht, der war Spitzenklasse.“
Der Therapeut bestätigt sie: „Ja klar, und da kommt kein Mann
mehr ran! ... Das heißt aber auch, dass du dir sämtliche anderen
Männer verboten hast, und dir verboten, mit ihnen in Begegnung zu
gehen. Wenn du auf einer bestimmten Ebene bleibst, kriegst du von dem
Mann auch nur diese Ebene, und der hat dann keine Chance.“ Ilka
entgegnet: „Jetzt will ich, ich will das jetzt alles gnadenlos auf
den Tisch bringen. Jetzt ist Schluss, ich will das nicht mehr. Aber mir
ist jetzt auch klar, dass ich die Zeit gebraucht habe. Mein Körpergefühl
ist jetzt ganz anders, als ob sich da wirklich was löst, als ob so
eingeschlafenen Körperteile sich lösen würden, wieder aufwachen.“
Ilka ist 56 Jahre und hängt innerlich noch an einem Mann, in den
sie sich mit 19 Jahren verliebte. Ihre Sehnsucht wird wieder freigelegt.
Junge Leute verlieben sich schnell, ältere tun sich oft schwer, da
sind diese ganzen Mauern davor - die Verletzungen.
Ilka bestätigt dies: „Ich war wie abgeschnitten, da kam einfach
niemand mehr vorbei, der mir so richtig gut gefallen hat.“
Das liegt nicht an den Männern, sondern an der Anziehung. „Das
ist ja das Verrückte, dass du immer wieder ganz spezielle Typen anziehst,
weil du ja ein Attraktor bist für die. Wenn du immer wieder auf dieselben
Männer triffst, dann liegt es knallhart an dir, die anderen siehst
du nicht. Der Prinz reitet vorbei, und du siehst ihn nicht.“
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Wortprotokoll
Vorgespräch:
T. Dann erzähl mal kurz, wie geht es dir?
K. Mir geht es gut, ich wollte heute eigentlich aussetzen. Ich hab gedacht,
die Anderen sollen auch mal drankommen. Das hat sich jetzt so geändert,
das Stichwort war: böse Mädchen! Das hier sind alles liebe Mädchen,
und da ist bei mir der Stachel hoch gekommen. Das Thema ist: ich möchte
ein böses Mädchen sein.
T. Bist du Skorpion?
K. Zwilling, Aszendent Jungfrau. Das sind zwei Welten, die da zusammentreffen.
Ich will das auf keinen Fall mehr, ich will nicht so angepasst sein. Es
kotzt mich an.
T. Spätestens in dem Alter muss man sich freischwimmen.
K. Ich hab das mit dem Alter nie so gesehen, aber jetzt ist es einfach
genug. Es langt.
T. Das gefällt mir gut, solche Sessions sind immer toll. Da hab ich
Lust drauf, da fühle ich mich ganz zuhause.
Sitzung:
K. Ich bin da. Ich bin unten, da ist ein Gang, gefliest mit Marmor. Rechts
und links sind Türen, ich entscheide mich für die linke Türe.
Es sind fünf, ich nehme die Mittlere. Oben an der Tür ist ein
Kuhkopf.
T. Steht da schon was drauf oder willst du was draufschreiben?
K. Hier wohnt die böse Ilka!
T. Oh ja. Den Schatten angucken. Bist du bereit, diese Tür zu öffnen?
... Dann öffne sie jetzt. Wie ist deine Wahrnehmung?
K. Da ist schummeriges Licht. Es ist alles so, als ob ich irgendwie in
einen Puff komme. Es ist alles so rot abgehängt ...
T. Guck mal, wie der Fußboden ist.
K. Der ist aus getrocknetem Lehm. Da stehen so rosa Pantöffelchen,
iiihh, so ein bisschen anrüchig.
T. Guck mal, ob die deine Größe haben, ob die für dich
da sind.
K. Nee, die sind Schuhgröße 39.
T. Gut, dann müsste ja irgendjemand in der Nähe sein, guck dich
doch mal um, vielleicht findest du jemand. Oder spür mal, wie geht
es dir da, wie ist dein Grundlebensgefühl?
K. Mein Grundlebensgefühl ist so: die Arme verschränkt und gespannt
wie ein Flitzebogen zu sehen, was da jetzt abgeht.
T. Gut, dann geh mal rein, und guck mal, was kommt, was du wahrnimmst.
K. Da sehe ich meine Tochter ...
T. Wie alt ist die?
K. Die ist so 16 oder 17.
T. Ist das auch grade jetzt ihr Alter?
K. Nee, die ist 26.
T. Also, so vor zehn Jahren.
K. Da oben sehe ich einen Pferdekopf, irgendwie ist das auch so eine Reitschule
... Eisenbeschläge, also, so Hufeisen für das Pferd. Schmetterlinge
...
T. Hat deine Tochter dich schon gesehen? Oder welchen Gesichtsausdruck
hat sie, wie geht es ihr?
K. Die steht mir eigentlich genauso gegenüber, verschränkte
Arme, und wir schauen uns beide an. Zornig, wir sind beide zornig.
T. Wenn du magst, kannst du sie mal fragen, ob sie dir irgendwas Wichtiges
mitteilen will, ob sie eine Botschaft hat oder du sagst ihr, da steht
auf der Tür: ich suche die böse Ilka oder die unangepasste Ilka
oder wie auch immer. Sie ist jetzt aufgetaucht, was hat die mit dem Thema
zu tun? Guck mal, was du sie fragen willst.
K. T., ich möchte dich mal fragen, ich dachte, das hier ist eigentlich
mein Raum, was machst du hier in meinem Raum? ... Sie sagt: Mutter, das
ist mein Raum.
T. Wie will sie das belegen, wie will sie das beweisen, wieso ist das
ihr Raum? Frag mal nach, was soll das? Wo ist sie denn da, was soll das?
K. T., wie kommst du da drauf, dass das dein Raum ist? Ich stehe doch
hier drin ... Ja, du siehst doch hier ist mein Lieblingspferd an der Wand,
und ich wollte jetzt grade zum Reiten gehen. Was machst du hier? ... Hallo
T., ich würde ganz gerne die Fragen stellen. Es ist mir unangenehm,
dass du hier bist, das stört mich. Könntest du bitte dein Pferd
nehmen und davon reiten? ... Nee, sagt sie, ich will gucken, was du hier
machst. ... Das ist mir peinlich.
T. Kennst du so eine Situation aus deinem Leben? Ist so was schon mal
gelaufen?
K. Peinliche Situationen?
T. Ja, oder so ein Mutter-Tochter Kämpfchen.
K. Ja, wie ich so in meine Sturm und Drang Zeiten kam ... Ich hab mit
12 noch die Matratze in das Schlafzimmer meiner Eltern geschoben, weil
ich Angst hatte, alleine zu schlafen. Und dann war ich in der Handelsschule,
da hat mir ein Junge ganz gut gefallen, und von dem Zeitpunkt an habe
ich in meinem Zimmer geschlafen. Danach hatte ich mich verändert,
ich war dann ein ganz normales junges Mädchen. Ich habe dann gemerkt,
dass meine Mutter mir das irgendwie nicht gegönnt hat, sie wollte
mich immer irgendwie in meine Pflichten nehmen.
T. Wenn du deine Mutter jetzt ins Spiel rein bringst, hole sie doch herbei
und sage es ihr.
K. Mutter, ehrlich gesagt, ich möchte nicht, dass du dich hier in
meine Pubertät einmischst. Mach du deins, ich möchte meins machen.
T. Guck mal, wie sie reagiert, und gleichzeitig schau, wie deine Tochter
reagiert. Da scheint sich irgendwas Selbstähnliches aufzubauen. Nicht
umsonst taucht deine Tochter da auf, wenn du dich vorne auf die Tür
schreibst.
K. Die Mutter sagt: Moment mal! Erst hast du mal deine Pflichten hier
abzuleisten, das heißt: Schule, nachmittags hast du dich um mich
zu kümmern. Das war so, wenn ich die Hausaufgaben gemacht hatte,
bin ich mit ihr spazieren gegangen, wir sind dann nach A. gelaufen und
dann wieder mit dem Bus nach Hause. Das hat ihr gefallen, sie kam raus.
Mir hat es auch immer ganz gut gefallen, weil ich dann was gekauft bekam.
Das will sie so beibehalten.
T. Wie ist das für dich?
K. Mutter, das stört mich, weil du mich dann an die Hand nehmen willst,
ich will das aber nicht. Nimm jemand anderen an die Hand, ich kann allein
laufen.
T. Du bist 12, und die will dich an die Hand nehmen. Ja, du wolltest ja
diese unangepasste oder die böse Ilka hoch holen, die du damals nicht
sein durftest. Und guck gleichzeitig, warum taucht deine Tochter mit 16
auf? War die auch so, hat sie dir das auch so gezeigt ...
K. T., wenn ich mir das so anschaue, ist es bei uns so, dass du mich immer
an die Hand nehmen willst. So, als ob sich die Rollen vertauscht hätten,
als ob du die Mutter wärest und ich das Kind.
T. Was sagt T. dazu?
K. Sie sagt: du bist für mich immer die Mutti. ... Aber ich habe
dich, T., immer als meine Mutter gesehen, weil du mich immer angehört
hast, du hast immer alles gewusst, was mir gefehlt hat.
T. Also, sie war quasi so präsent und für dich da, sie hat zugehört.
Sag das doch deiner Mutter mal.
K. Mutter, schau mal, siehst du, was da abgeht, da hat irgendwie ein Rollentausch
stattgefunden. Das, was du mir nicht gegeben hast, das hat mir jetzt meine
Tochter gegeben. Und ich habe damit ihr Leben blockiert. Das kann doch
nicht sein, wie findest du das? Los, antworte mir, wie findest du das?
T. Genau, mache sie mal ein bisschen an.
K. ... (richtet sich auf, greift nach dem Schlagstock, schlagt ein bisschen)
... Das war deine Aufgabe, und das muss jetzt meine Tochter übernehmen.
Das kann doch nicht sein. Wo warst du denn? Wach doch mal auf! ... Sie
sagt: Beruhige dich mal, beruhige dich! ... Nein, ich will mich nicht
beruhigen.
T. Genau, stell dich mal hin vor sie. Hol deinen Papa mit herbei, der
soll sich das auch angucken.
K. Vater, schau dir das mal an, und du bist auch daran schuld. ... Er
sagt: Moment, sachte, sachte, mein Kind, setz dich erst mal ganz ruhig
hin. ... Nein. Ich will nicht mehr ruhig dasitzen, da ist doch alles schief
gelaufen. ... (K. schreit und schlägt) ... Das gibt es doch nicht.
Das nützt nichts, dass du geknickt bist.
T. Beschreib mir mal, wie er da ist.
K. Er sitzt so richtig in sich zusammengefallen in so einer Büßerhaltung
da und denkt, ich hätte jetzt Mitleid. Scheiße mache ich. Meine
Mutter geht jetzt grad ein Stück zurück und denkt sich: es ist
mir lieber, die Zwei kämpfen. Sie will sich wieder mal aus der Verantwortung
raus stehlen.
T. Und, erlaubst du es?
K. Nee, Mutter, komm her. Ja, sie hält die Hände vor das Gesicht,
das nützt aber nichts. ... (schlägt kräftig) ...
T. Und, was passiert?
K. Das ist so, als ob ein Auge so um die Ecke flitzt und sich so auf ihren
Kopf setzt und mich da so abglotzt, also, beobachtet, was ich mache. Das
findet die gut. Die findet das gut, dass ich mich engagiere.
T. Sag es ihr mal direkt.
K. Hey, Mutter, das kann ja nicht sein. Du willst bei mir abgucken, wie
ich es mache. Jetzt zieht sie das Auge wieder zurück. ... (schlägt)
T. Aber anscheinend findet sie es heimlich gut, was du machst. Heimlich
ist sie stolz auf dich. Jetzt setz du dich endlich mal durch und gehst
deinen Weg. Frag sie mal.
K. Mutter, das nützt jetzt nichts, ich möchte jetzt endlich
meinen Weg gehen. Lässt du mich den gehen? ... Sie will schon Ja
sagen, aber es kommt nicht richtig raus. ... (schlägt) ... Sag Ja.
Sag jetzt Ja, verdammte Scheiße. ... Die T. sitzt da und ihr Gesicht
wird so richtig hübsch, sie wird richtig so eine ganz tolle junge
Frau, in dem Moment, wo ich meiner Mutter eins überbrate.
T. Frag mal, was bei deiner Tochter abgeht.
K. T., was geht denn bei dir ab? ... Sie fühlt so eine Art Erlösung,
sie darf jung sein. Sie steht da, hält die Arme hoch und sagt: ich
darf jung sein. Ich darf machen, was ich möchte. Und ich weiß,
dass das meine Mutter auch will.
T. Ja klar, du erlöst sie auch grade dadurch.
K. ... (beginnt wieder kräftig zu schlagen) ... Ich hasse dich dafür,
du blödes Schwein. Ich hasse dich dafür, dass du uns so gepiesackt
hast. ...
Mutter mach weiter. Die muss endlich aus unserem Leben verschwinden, jetzt
kriegt auch gleich mein Vater noch eine rein. ... (schlägt) ... Die
T. sitzt nur dabei und sagt: Mutter, das machst du toll. Erste Sahne.
... Weg mit euch, ich möchte euch nicht mehr sehen. ... Komm Mutter,
lauf zur Höchstform auf.
T. Spür mal, du hast dich dein ganzes Leben angepasst, du warst immer
brav. Und sag deiner Mama ruhig auch, was daraus geworden ist, dass du
krank geworden bist und die ganzen Sachen.
K. Mutter, guck mal, das gibt es doch nicht, Ich bin einmal in meinem
Leben ausgebrochen, und das habe ich wirklich büßen müssen.
Das war während meiner Studienzeit, da war ich nicht so angepasst.
Und ihr habt mich dann wieder so richtig auf den Boden der Tatsachen gebracht.
Ich weiß ja, wie es geht, und eigentlich habe ich damals Gefallen
daran gefunden. Ihr habt das damals so schamlos ausgenutzt, als ich dann
nicht mehr wusste, wie ich es beruflich weitermache. Ich wollte da gerne
so ein bisschen rumhängen ...
T. Wie haben deine Eltern dich gekriegt? Guck mal genau hin. Hol doch
mal diese Ilka von damals herbei. Guck mal, wie alt ist die denn?
K. Ich hatte damals in der Kanzlei meines Vaters gearbeitet, und das hat
mich so angeödet. Mein Vater hat mich dann mal in sein Büro
zitiert und gesagt: Sag mir mal was zu dieser Stromrechnung, und die ging
mir am Arsch vorbei. ... (schlägt wieder) ... Ich sag dir das, Vater,
die geht mir so am Arsch vorbei, was interessiert mich das, ob der Zählerstand
stimmt oder weiß der Henker was. ... Ich hing da fest, vor lauter
Verzweiflung habe ich viel gegessen. Du wolltest einen Nachfolger, Vater,
das wusste ich, ich habe gedacht, mir fällt die Decke auf den Kopf.
Abends bin ich dann bedienen gegangen in irgendwelchen Sportlergaststätten,
und dann hast du, Vater mich zur Rede gestellt. Und du Mutter, hast dann
gesagt, das passt doch nicht, was du da machst.
T. Genau, geh jetzt mal in diese Situation.
K. Also, meine Mutter sagt: Ilka, wir haben gehört, dass du abends
bedienst, und das passt doch nicht. ... Ich mag aber meinen Job in der
Kanzlei nicht, das gefällt mir nicht, ich will da raus. ... Dann
hat mein Vater gesagt: ok, dann mach halt was anderes. ... Ich will das
nicht zuhause machen, ich will mich auf meinen Steuerberater vorbereiten.
Ich habe den hinters Licht geführt, ich wollte mein Lotterleben weiterführen.
T. Sag es ihm direkt. Du wolltest ja jetzt diesen anderen Teil raus lassen.
Brav warst du ja lange genug.
K. ... (schlägt die ganze Zeit) ... Ich will nicht, ich will keinen
Scheiß Steuerberater machen. Ich will es nicht, es geht mir am Arsch
vorbei. Ich möchte mein Lotterleben haben. Ich möchte rummachen,
ich möchte dahin und dorthin, ich möchte nach Hamburg. Ich weiß
gar nicht mehr, wie der hieß, zu dem will ich fahren. Und dann will
ich woanders hinfahren und nicht hier rumhängen, das interessiert
mich nicht. Ich möchte das jetzt ausleben, ich möchte gucken,
was für mich richtig ist oder was falsch ist. Es ist mein Leben.
T. Ja, das ist dein Leben. Guck mal, was er sagt dazu.
K. Ja, wenn du das so machen willst, ich habe das auch nicht machen können,
dann enterbe ich dich.
T. Scheiß Vater!
K. Ich meine, das Erbe hatte ich schon mit einberechnet. Das ist Scheiße
gelaufen. ... Vater, über das Erbe können wir jetzt nicht handeln,
das bleibt mir, das brauche ich.
T. Ja, mache es ihm klar, er kann nicht einfach sein Kind enterben, das
geht nicht.
K. Vater, ich merke jetzt auch, wie es in dir kocht, weil du das auch
gerne gemacht hättest. Und jetzt stehe ich vor dir und fordere es
ein. Und du willst mich einfach bremsen, du willst mich bremsen.
T. Sag ihm ruhig, du lässt dich von niemandem mehr bremsen, du gehst
jetzt deinen Weg. Also, setz dich durch.
K. Ich lasse mich durch dich nicht bremsen, und das Geld habe ich mir
verdient. Ich bin auf die Welt gekommen und habe dir alles Mögliche
gezeigt. Du wolltest ja nicht hingucken, das ist dein Problem. 18 oder
19 Jahre sind jetzt genug, du hättest genug von mir lernen können,
jetzt ist Schluss. Das Erbe her, und ich gehe.
T. Eigentlich müsste er stolz sein auf dich, du bist selbstbewusst,
gehst deinen Weg, er hat sich gar nicht richtig getraut.
K. Vater, du hast dich nicht getraut, ok, du hast gleich Familie gehabt,
zwei Kinder, das war aber deine Entscheidung. Gut, du hattest auch die
Unterschenkelamputation, und dadurch warst du ein bisschen gebremst. Aber,
du hast doch gut ausgesehen, hättest du halt was daraus gemacht.
Du hast doch immer gesagt, du wärest selbst mit einem Holzbein schneller
als ich. Hättest du halt was daraus gemacht. ... (schlägt) ...
T. Ja, wie fühlt es sich an, wenn du so vor ihm stehst, sag es ihm.
K. Vater, ich möchte jetzt eine Entscheidung haben, diese Entscheidung
ist für mich lebensnotwendig. Ich sage dir, treffe die Richtige!
T. Guck mal, was dein Vater jetzt macht.
K. Vater, ich merke, wie du ins Wanken kommst. Du hast das so noch gar
nie gesehen. ... Nee, hat er nicht, er hat es nicht gemerkt.
T. Du warst zu brav, Ilka, das ist nicht aufgefallen, er hat das nicht
mal vermutet. Frag ihn mal, ob das so war.
K. Hast du ... ah, ok, du hast es mir nicht zugetraut! Das machen ja die
Wenigsten, das ist ja eigentlich auch meine Masche. ... (schlägt
wieder) ...
T. Da hast du dich selbst gelinkt, auf harmlos gemacht, und keiner traut
dir was zu.
K. Irgendwie will er mir den Weg nicht verbauen.
T. Frag mal, was ist denn sein tiefster Beweggrund? Liebt er dich oder
was, weil er ja doch irgendwie zu dir hält und dich dann doch nicht
enterbt.
K. Vater, was ist denn dein Beweggrund? Du siehst ja anscheinend, dass
mein Weg doch wichtig ist, dass ich den gehen muss? Was bringt dich ins
Zweifeln? ... Er sagt: Eigentlich habe ich das alles hier für meine
Kinder geschaffen, und ich habe ja meine Kinder immer geliebt. ... Das
wussten wir ja auch. Ich weiß, dass du das alles nur für deine
Kinder gemacht hast, du hast uns beide geliebt, auch wenn ich dir vielleicht
ein bisschen näher war. Aber mein Bruder hat dann später aufgeholt,
als ich eine Zeitlang in Ungnade gefallen war.
T. Frag mal deinen Vater, ob diese Geschichte jetzt vorbei ist, ob er
dich jetzt wieder genauso lieb hat, wie früher.
K. Vater, kannst du mir mal sagen, liebst du mich jetzt genauso ... ?
Weißt du noch, wie das war, als ich dir als kleines Kind zu Weihnachten
vor Aufregung aufs Hosenbein gepinkelt habe? Dann bist du sogar hingegangen
und hast mich gewickelt. Liebst du mich jetzt genauso wie damals? ...
Ja, da hat sich nichts geändert. ... Das tut mir aber gut, das zu
hören. ... (weint) ...
T. Spür das mal, dass du die ganze Zeit danach gesucht hast.
K. Vater, danach habe ich die ganze Zeit gesucht, dass du mich wieder
so liebst wie am Anfang.
T. Lass ihn mal bei dir auftauchen, und hole die Kleine auch mit dazu.
K. Meine Tochter?
T. Und dich als Kleine.
K. T., komm wir gehen mal zu Opa. Wir sitzen jetzt da, der Opa in der
Mitte und wir außen rum. Wir bewundern den Opa oder meinen Vater,
das hat er sich auch immer gewünscht ... Vater, durch deine Großzügigkeit
und Großherzigkeit hast du das erreicht, was du immer wolltest.
Ganz einfach. Die T. hat dich eigentlich immer geliebt, genau wie ich
das auch immer gemacht habe. Das hätten wir natürlich alles
einfacher haben können, wir hätten nur aufeinander zugehen müssen
und versuchen müssen, den Anderen ein bisschen zu verstehen. Wenn
man liebt, kann man auch beim Anderen Dinge akzeptieren, die man selber
nicht so mag oder versteht. ... Er bejaht das jetzt.
T. Frag ihn doch mal, ob er jetzt bedingungslos hinter dir steht, ob er
dich einfach liebt.
K. Vater, jetzt möchte ich von dir wirklich wissen, stehst du bedingungslos
hinter mir, auch, wenn ich Scheiße mache, auch, wenn ich hier die
Sau raus lasse? ... Ja. Ich weiß das jetzt, manchmal machst du Scheiß,
manchmal bist du beim Lernen ein biss-chen kompliziert, aber du gehst
deinen Weg. ... Bedingungslos, Vater? ... Ja, bedingungslos.
T. Dann soll er sich mal hinter dich stellen, und fühle das mal.
Stell dich mal hin, stell dir mal vor, er steht hinter dir, wie fühlt
sich das an?
K. Da bin ich gar nicht so impulsiv, sondern ich fühle mich ganz
ruhig und rund, aber total schlagkräftig, kraftvoll. Ohne, dass ich
laut sein muss, ich darf ganz leise sein, mich sieht auch jetzt jeder.
T. Ist dieses Gefühl neu oder anders?
K. Ja, es ist nicht so anstrengend, es ist klarer für mich, es kommt
klarer rüber, wo es für mich hingeht. Ich brauche jetzt nicht
mehr so viel ausprobieren, was richtig ist, weil ich gestärkt bin.
T. Dann sag das doch mal mit deinen Worten deinem Vater, wie toll das
für dich ist.
K. Vater, ich finde das toll, das war das, was wir beide immer gewollt
haben, ich musste jetzt 54 Jahre alt werden, das wir uns dahingehend arrangieren
konnten.
T. Und du musstest erstmal heftig krank werden.
K. Er sagt: ok, du hast viel dabei gelernt. ... Ja, das stimmt. ... Er
sagt auch: Das ist dein Werkzeug für deine Zukunft.
T. Ja, Lebenserfahrung. Du hast gelernt, wie das Leben funktioniert. ...
Dann hol doch mal die kleine Ilka herbei, guck mal, wie die auftaucht,
wie alt sie ist.
K. Ilka, komm mal her. Die hat einen Schulranzen auf, sie ist sechs oder
sieben, und sie sagt: ok, jetzt geht es mal hier weiter, ich will was
lernen. Die will sich hier gar nicht aufhalten.
T. Ja, das ist auch richtig, die muss auch frei sein ... Guck mal, wie
dein Vater und sie aufeinander reagieren.
K. Mein Vater sitzt so selbstgefällig auf einem Stuhl und sagt: Oh,
das habe ich gut gemacht.
T. Ja, jetzt lass mal deine Mama auftauchen. Wie sieht die aus, wenn sie
auftaucht?
K. Die Mutter kommt jetzt aufgemotzt rein und sagt zum Vater: ok, los,
wir haben jetzt was zu tun. Das sieht so aus, als ob sie ihre Stellung
als Frau in der Familie wieder hätte.
T. Wie fühlt sich das für dich an? Sage es ihr mal.
K. Mutter, das finde ich jetzt toll. Ich möchte jetzt mal ein bisschen
hingucken, wie du, Mutter das machst. Mutter, ich will das jetzt mal sehen,
wie du den Vater verführst, ich möchte Zuschauerin sein.
T. Guck mal, ob die das überhaupt hinkriegen.
K. Das ist ja witzig, und plötzlich starten die durch. Das ist kaum
zu glauben.
T. Guck mal, was ist denn da für eine Spannung zwischen deinen Eltern,
haben die Lust aufeinander, lieben die sich?
K. Das ist total liebevoll. Ich habe von meinen Eltern ein altes Bild
gefunden, da sitzt sie bei ihm auf dem Schoß, die necken sich.
T. Wie ist das, wenn du deine Eltern als Liebespaar siehst, als erotisches
Paar sogar, die Lust aufeinander haben? Ist das neu oder eher vertraut?
K. Das ist total neu, das habe ich noch nie gesehen. Ich habe nie gesehen,
dass die sich in den Arm genommen haben, ich kann mich nicht erinnern.
Deshalb musste ich das mit meinen Freunden erstmal alles so ausprobieren,
weil ich es von zu Hause aus nicht kannte. Auch, das Zuneigung gepflegt
wurde, nein, es gab immer nur Pflichten, was hast du erreicht, wie ist
der Kontostand? Was anderes gab es nicht, das waren die Hauptthemen.
T. Das ist ja toll, jetzt haben wir deine Eltern als Liebespaar, das innere
Kind ist frei und fühlt sich gut ...
K. Und die T.?
T. Guck mal, was macht sie? Die dürfte ja jetzt nicht mehr für
dich die Mama spielen.
K. Nee, nee, die sitzt da und lächelt nur noch, ... du hast ein helles,
lichtvolles Gesicht, es sieht aus wie beleuchtet, dein Gesicht ist so
jugendhaft, so zart, als ob du grade erblüht wärest, wie eine
Blume, die zum ersten Mal in ihrem Leben Wasser kriegt.
T. Spür mal, ob sich in dir was verändert hat, dass du auch
die Mutterrolle annehmen kannst. Ich hatte vorhin die Idee, dass du vielleicht
die Mutterrolle deswegen nicht richtig angenommen hast, weil du deine
Mama nicht so richtig als Mama akzeptiert hast. Oder sie nicht so haben
wolltest oder nicht so werden wolltest wie sie.
K. Ja, ich wollte nicht so werden wie meine Mutter. Da habe ich mich das
ganze Leben lang gegen gewehrt, ... Mutter, für mich war das immer
schlimm, du wurdest nur geduldet, der Vater hat zwar direkt nichts gesagt,
dich aber nie mit Respekt behandelt. Ich habe das schon getan, aber so
war halt die Atmosphäre bei uns zuhause.
T. Sag ihr ruhig, dass du nie so werden wolltest wie sie.
K. Ich wollte nie so werden wie du, ich wollte erfolgreich werden wie
der Vater, aber nie so unterwürfig und mit meiner Meinung mich zurückhaltend
wie du. Immer so dieses Gedeckelte, das wollt ich nie, weißt du,
Mutter, das hat bei mir bewirkt, dass ich oft Sprachschwierigkeiten hatte.
Ich habe dann immer nur halbe Sätze gesprochen, weil ich mich nicht
traute, die ganze Wahrheit zu sagen, und ich hätte mir ja auch Feinde
machen können.
T. Also, immer die Kontrolle behalten, immer aufpassen, niemals autonom
drauflos reden.
K. Früher habe ich immer drauflos geredet, ich habe eigentlich immer
gesagt, was ich wollte und was ich dachte, bis das irgendwann wohl mal
verloren gegangen ist.
T. Aber jetzt holst du es alles wieder zurück. ... Frag doch mal
deine Mutter, ob sie das auch toll findet, ob sie auch hinter dir steht,
ob sie das richtig gut findet, wie du bist.
K. Mutter, du hast mich ja jetzt schon mit einem Auge beguckt oder belauert,
fast schon, findest du das denn auch gut, was ich jetzt mache? ... Ja,
ich finde das toll, weil ich es hätte auch machen sollen. Für
mich war es das kleinere Übel, immer zurückzustecken, und ich
habe es ausgehalten.
T. Das war ihre Taktik, um durchzukommen. Eigentlich hätte sie es
gerne gemacht wie du, sie hat sich nur nicht getraut. ... Jetzt hast du
deine Eltern hinter dir, wie ist das? Die sind sogar stolz auf dich,
K. Ich auch.
T. Die neue Ilka ist da, Mama und Papa sind da, die Kleine ist da, jetzt
geh mal durch dein Leben hindurch, und lebe das wirklich auch mal so lebendig,
und hole dir diesen Mann, auf den du Lust hast und gucke, ob deine Eltern
einverstanden sind. Wir testen jetzt mal so ein bisschen. So mit 19 hattest
du doch diesen einen Mann, flirte mal mit dem rum, vor den Augen deiner
Eltern, und guck mal, ob das alles ok ist.
K. Der ist ja meine erste große Liebe gewesen, den hole ich jetzt
mal her ... so viel zu reden gibt es da gar nicht, wir kommen gleich zur
Sache ...
T. Hol deine Eltern her, die sollen zugucken, wir wollen die ja testen,
wir wollen gucken, ob die einverstanden sind.
K. Meine Mutter sagt: ich muss mich ja wirklich über meine Tochter
wundern, ich bin richtig stolz auf sie. ... Mutter, ich wusste schon immer,
dass du neidisch auf mich bist ... und mein Vater sagt: mein Gott, ist
das toll, jung zu sein. Die sitzen da und gucken zu und finden es toll.
Die sind wirklich auch stolz auf sich, dass sie das so hingekriegt haben.
Das war immer ihr innigster Wunsch, und das hat solche Umwege gebraucht.
T. Jetzt bist du da.
K. Ich spinne das jetzt mal so zehn Jahre weiter.
T. Ja, geh mal ruhig durch diese heftigen Situationen, die wir ja alle
schon mal bearbeitet haben, und guck mal, ob sie stabil geblieben sind,
ob diene Eltern einverstanden sind.
K. Mit 26 habe ich ja dann geheiratet, das hat sich halt so ergeben ...
T. Das ist weit verbreitet.
K. Ja. Das war jetzt nicht schlecht. Gut, das Beste daran war sicherlich
unsere Tochter ...
T. Sag das deinem Mann.
K. T., also, der hieß auch T., das haben wir ja jetzt schon öfter
erörtert, das Beste an unserer Beziehung war sicherlich unsere Tochter,
die mich einen großen Teil meines Weges begleitet hat. Durch die
Tochter konnte ich viel klären, du hast noch ein bisschen Klärungsbedarf,
aber das ist dein Bier. Es ist klar, mit meinem heutigen Wissen, hätte
ich meinen Mann nach maximal drei Jahren verlassen.
T. Sag ihm das und guck mal, ob er einverstanden ist.
K. Der merkt jetzt, dass er mich toll fand, aber viel zu anstrengend.
... Du warst zwar auch innerlich ein bisschen unruhig, aber auch so gesetzt,
du bist nur mit mir ausgeflippt, da war für mich kein Spielraum.
T. Das heißt, er hat dich gebraucht, damit er lebendig wurde.
K. Ja. Insofern habe ich dir auch was gegeben ...
T. Was hast du von ihm gebraucht, was war es denn? Spür mal hin oder
frag ihn
K. Er hat mich behütet, ich war damals mit einem anderen Mann zusammen.
Er war der Erste, der gesagt hat, ich werde um dich kämpfen. Das
hat mir imponiert, und er hat mich gehabt.
T. Also, eigentlich wolltest du den Helden. Es hat sich nur rausgestellt,
er war keiner.
K. Genau. Ich hab dann für die Familie gekämpft. Er war immer
dabei und hat mir den Rücken gestärkt, dass muss ich schon sagen.
... T., das muss ich dir schon mal sagen, du warst immer dabei und hast
mir den Rücken gestärkt. Ich hatte Narrenfreiheit ...
T. Du hattest eigentlich einen Papa im Rücken, guck mal genau hin,
eigentlich hättest du einen Papa gebraucht.
K. Ja, das stimmt, den hatte ich damals ja nicht.
T. Deswegen hast du dir einen gesucht, ein Mann hat dir nicht den Rücken
zu stärken, ein Mann hat vor dir zu stehen oder neben dir.
K. Als unsere Ehe auseinander gegangen ist, ist das natürlich weggefallen,
das war dann auch das einzige, was mir gefehlt hat.
T. Sag das mal deinem Papa und frag ihn, ob er dir den Rücken stärkt
...
K. Vater, der T. ist ein ganz Lieber, aber wir passen einfach von der
Grundstruktur nicht zusammen. Ich will in eine ganz andere Richtung ...
Mein Vater freut sich und sagt: endlich, das habe ich dir doch schon immer
gesagt! ... Vater, ich muss meine eigenen Erfahrungen machen.
T. Er hätte dir den Rücken stärken sollen, dann hättest
du keinen Papaersatz gebraucht.
K. Er ist mir damals in den Rücken gefallen, weil seiner Meinung
nach dieser Mann nicht in unsere Familie passte. Mein Mann war beruflich
immer fit, er konnte mich gut ernähren. ... T., auch wenn wir uns
jetzt trennen, bin ich dir unendlich dankbar, dass wir dieses Kind gemeinsam
haben, das war für mich sehr wichtig. Die T. ist wirklich ein Kind
der Liebe, aber unsere Zeit ist jetzt einfach vorüber, ohne Gram.
Wir sind ja auseinander gegangen, ich kenne auch seine jetzige Frau, ich
bin froh, dass die jetzt miteinander schlechte Laune haben und ich nichts
mehr damit zu tun habe. Das brauche ich nicht mehr. Nach der Trennung
hätte ich erst mal Geld gebraucht, eine neue Existenz ... mein Vater
hat gesagt: ok, was möchtest du machen? Das Beste wäre gewesen,
hätte ich mich gleich zu diesem Zeitpunkt selbstständig gemacht.
Ich habe damals Mode entworfen, ich hatte ja schon ein kleines Unternehmen,
das ich hätte weiter führen können. Da konnte ich meine
Kreativität gut leben, da hatte ich tausend Ideen. Ich bin mir sicher,
es wäre für mich ein Leichtes gewesen, Kontakte zu knüpfen
und Erfolg zu haben. Das hätte ich gemacht.
T. Gut, stell es dir ruhig mal vor, geh mal ein Stück weiter, guck
mal, ob es geht. Spiel mal durch, ob es passt, ob es Widerstände
gibt.
K. Nee. Ich hätte dann aber den T., die erste große Liebe,
der ja auch in A. geblieben ist, wieder getroffen, und wir hätten
dann klar Schiff gemacht. Wir sind so abrupt auseinander gegangen und
habe nie mehr was voneinander gehört. Das war nicht gut, weil dafür
war die Zeit zu schön.
T. Triff dich noch mal ganz bewusst mit ihm im Inneren, und rede mit ihm.
Sag ihm, dass es dir leid tut oder was deiner Meinung nach schief gelaufen
ist. Kläre es jetzt .
K. Weißt du, T., du, mit deinen vielen Frauen, da hast du mich einfach
ein bisschen überfordert in der Situation. Wenn ich im Leben schon
was erlebt gehabt hätte, dann hätte ich dir besser gegenüberstehen
können. Ich war dann damals ziemlich cool, nach dem Motto, wenn nicht
du, dann halt ein Anderer, aber das war ja eigentlich nicht meine innere
Einstellung. Ich wäre gern in das Bewusstsein gekommen, dass uns
Zwei was verbindet. Ich weiß ja bis heute nicht, ob uns Welten getrennt
haben. Du warst halt im Beruf gut, du warst der Toparzt, und ich war die
Kreative. Ich habe auch bei dir den Sport mit rein gebracht, die Bewegung,
das Leichte. Da bist du dann auch mal ausgeflippt, das war doch eigentlich
nicht schlecht. Als meine Eltern dich festnageln wollten, bist du ausgerastet
und hast nicht zu mir gestanden. Dann fingst du mit deinen vielen Frauen
an, und das war blöd. Das hätte ich mir gewünscht, dass
wir das gemerkt hätten, dass das nicht passt.
T. Guck mal, hör mal, was er sagt, wenn du ihn jetzt so da sein lässt.
K. Das sieht er auch so, er findet, dass wären wir uns eigentlich
schuldig gewesen, weil es einfach toll war, mit uns. Es war spannend vom
ersten Augenblick an, das war der Adrenalinstoß pur. Der hat dann
irgendwie eine Klinik gehabt und ist ins Ausland gegangen und scheint
ein bisschen durcheinander im Kopf zu sein. Das hat wahrscheinlich auch
was mit ihm gemacht.
T. Guck mal, ob du ihn jetzt loslassen kannst, ob du einverstanden bist
mit allem, was du mit ihm durch lebt, gelernt hast, wie du ihn kennen
gelernt hast.
K. Ich möchte keine Sekunde missen, das war toll. Jetzt bin ich durch
meinen Vater etwas gestärkter ...
T. Dann sag ihm das auch.
K. Vater, dadurch, dass du mir den Rücken gestärkt hast, gehe
ich da ein bisschen gestärkter raus. Ich muss mir nicht meine neue
Position erkämpfen und mich immer wieder beweisen. Das hat mich irgendwann
mal angekotzt. Immer wieder musste ich mich beweisen, ich wollte einfach
mal ich selbst sein. Ich wollte nicht immer geschminkt da rumlaufen, ich
wollte mal rumhängen. Der T. hat immer gesagt, wenn du zuhause bist,
lässt du dich ganz schön gehen. Das waren die Alle nicht gewohnt,
aber ich wollte mich auch mal gehen lassen, das gehört auch zu mir.
T. Ja, sag es dem T., wenigstens dort konntest du sein, wie du bist, dafür
bist du ihm auch noch dankbar.
K. Weißt du, das war auch meine Seite und wenn du mich richtig liebst,
dann liebst du auch das an mir.
T. Guck mal, ob er nickt oder mit dem Kopf schüttelt.
K. Ja, er nickt. Ich wäre auch beruflich meinen Weg gegangen, ohne
dass das für mich irgendein Problem gewesen wäre. So habe ich
mir das alles erkämpfen müssen, ich weiß, meine Falten
hier, die kommen von dem Verbissenen. Die Leichtigkeit ist mir einfach
abhanden gekommen, früher habe ich mir gedacht: ach, jetzt schauen
wir mal, und es ist mir alles zugeflogen. Es gibt nicht eine Situation,
die letztendlich nicht so gelaufen wäre, wie ich das wollte. Aber
ich musste dafür hart kämpfen, und irgendwann habe ich nicht
mehr gewollt.
T. Guck mal, wie es jetzt ist, wenn dein Papa da ist.
K. Na ja, das ist so, als ob ich jetzt eine Ozontherapie hinter mir hätte,
das ist der Jungbrunnen, schlechthin. Es fühlt sich an, als ob meine
sämtlichen Zellen frisch mit Sauerstoff durchlüftet wurden.
T. Kann Papa das spüren, wie wichtig er war, und wie heftig das war,
dass er nicht da war?
K. Ja klar. Der wird gleichzeitig mit mir jung.
T. Dann geh mal weiter durch dein Leben, und guck mal, was verändert
sich noch alles oder was musst du noch ansprechen, was muss du noch klären.
Es geht ja darum, dass du letztendlich mit Allem einverstanden bist und
alles, mit dem du nicht einverstanden bist, wird verändert und aufgearbeitet.
Mama und Papa müssen hinter dir stehen ...
K. Ich hätte jetzt mit dieser Rückenstärkung auch den Mann
gefunden, der mir gegenüberstehen kann.
T. Das können wir ja noch machen.
K. Ja, unbedingt. Deswegen bin ich ja auch hier.
T. Zwei Sessions haben wir ja noch vor uns. Wenn dein innerer Papa, deine
innere Mama, dein inneres Kind erlöst sind und hinter dir stehen,
dann geht es noch um diese Männlichkeit und Weiblichkeit, um deinen
inneren Prinzen, wenn du so willst. Ja, wir rufen die einfach mal so auf.
Du hast ja eine innere Frau, einen inneren Mann, arbeiten wir erst mal
mit der inneren Frau. Haben wir schon mal mit der gearbeitet?
K. Kurzfristig, da kam diese unheimlich schöne Seejungfrau, die dann
gleich wieder verschwand.
T. Seejungfrau, ok, die haben keine Füße. Da muss man immer
aufpassen, wer da so kommt. ... Gut, dann gehst du mal ans Meer, setzt
dich da an den Strand, schau mal nach links, da kommt von ferne ganz langsam
ein Punkt auf dich zu, der wird immer größer und größer,
das ist deine innere Frau. Sie kommt so langsam auf dich zu, dass du sie
beobachten kannst, ihren Gang, ihre Haltung, ihr Aussehen allgemein oder
auch, wie sie auf dich reagiert, wenn sie näher kommt, welche Gefühle
du bekommst, wenn sie da ist, was sie sagt. Lass dir ruhig ein bisschen
Zeit, wenn sie näher kommt, deine Weiblichkeit, deine innere Frau,
schau sie dir genau an.
K. Es ist eine Frau mit langen Haaren, die hat ein bisschen älteres
Gesicht, aber einen ganz jugendlichen Körper. Sie kommt daher mit
einem leichten erhabenen Gang, fast so majestätisch und setzt sich
zu mir, aber nicht in den Sand, sondern sie nimmt ein Tuch und setzt sich
darauf. Sie schaut mich an und sagt: mein Gott, wie lange haben wir uns
nicht mehr gesehen. Ich bin darüber schon ergraut.
T. Wie geht es dir, wenn du sie siehst?
K. Mir bleibt fast das Herz stehen, ich könnte sie, dich immer nur
angucken. Ich bin erschlagen von dieser Schönheit, so wie handlungsunfähig,
wenn ich dich sehe. In meinen Händen ist jetzt wieder dieses taube
Gefühl, als ob ich wieder in Ohnmacht falle. Ich frage mich, habe
ich gepennt oder hat sie gepennt?
T. Frag sie. Frag sie, wo sie war die ganze Zeit.
K. Kannst du mir mal sagen, wer von uns beiden gepennt hat. Das ist so
ein Moment, wo wir beide aus unserer doch etwas leblosen Haltung raus
kommen und uns bewegen und uns wie zwei Freundinnen austauschen. Wo sind
wir geblieben?
T. Was du machen kannst, geh mal in sie rein, spür sie mal, schau
mal aus ihren Augen heraus, fühl mal, wie es ist, wenn du ganz Frau
bist, wenn du ganz in diese Weiblichkeit rein gehst, wenn du nur in diesen
Teil rein gehst. Das ist ja ein Anteil von dir. Männlich, weiblich,
jeder Mensch hat ja beide Energiequalitäten. Guck mal, wie dann die
Welt aussieht oder sich anfühlt.
K. Die Welt fühlt sich für mich ein bisschen so an, als ob sie
stehen bleibt. Als ob wir jetzt hier am Ufer unseren Raum haben, und da
draußen ist der Marktplatz, da bewegt sich aber nichts.
T. Also, was Zeitloses, was Ewiges. ... Guck mal, wie die Ilka aussieht,
wenn du in der inneren Frau bist und sie anguckst.
K. Warte Mal, das ist nicht ewig, es ist mehr das Gefühl, als ob
das irgendwie zum Leben erweckt werden möchte.
T. Ok, so ein bisschen wie Dornröschen, alles ist im Schlaf und still,
hundert Jahre geschlafen ...
K. Weißt du, das ist schön, dass wir da so sind und der Marktplatz
vor uns, aber da lebt nichts.
T. Ja, da ist offensichtlich noch eine Seit in dir, die ins Leben will,
die noch ein Potential hat, das noch nicht gelebt ist oder so was. ...
Frag sie doch mal, ob sie dich mal mitnehmen will in ihre Welt, in ihr
Reich, in ihr zuhause ...
K. Kannst du dich mal mit in dein zuhause nehmen? ... Ja, wenn du willst.
T. Guck mal, wie sie lebt, in welcher Welt sie ist, wie es sich anfühlt
...
K. Wir gehen jetzt in ihr Haus, ein kleines Häuschen am Waldrand,
es kommt mir vor wie ein Lebkuchenhaus. Sie macht den Ofen an und setzt
sich in den Schaukelstuhl, sie macht eine Schallplatte an. Ich sag zu
ihr: auf dem neuesten Stand bist du auch nicht.
T. Na, die war wahrscheinlich ewig nicht im Leben, die hat die alte Musik
von früher.
K. Sie sitzt jetzt so in ihrem Schaukelstuhl und nimmt ein Wollknäuel
und dröselt etwas schon Gestricktes wieder auf und strickt einen
neuen Schal. Sie steigt in ihre Pantoffeln und sagt: Ja. Ja.
T. Deine innere Frau klingt so ein bisschen nach einem alten Mütterchen,
Lehnstuhl und stricken und so. Die ist echt nicht mehr auf dem neuesten
Stand.
K. Das ist mir auch aufgefallen.
T. Frag sie doch mal, was ist passiert, dass sie sich so zurückgezogen
hat, in diese Welt. Es gibt ja auch diese ganz lebendige, erotische, weibliche
Welt, mit viel Spannung ...
K. Innere Frau kannst du mir mal sagen, weshalb du dich so zurückgezogen
hast? Dein Leben ist ja jetzt nicht sooo spannend. ... Es hat sich irgendwie
nicht so ergeben, da ist niemand vorbei geritten.
T. Ah ja, sie hat auf den Prinz gewartet, und der ist nicht gekommen.
Sie hat resigniert, so was? Frag sie mal.
K. Hast du resigniert? ... Ja, ein bisschen schon.
T. Dann soll sie dir doch mal die Situation zeigen in deinem Leben, wo
sie angefangen hat zu sagen: Ach, dann lassen wir das mal alles, jetzt
ziehe ich mich mal zurück in meinen Lehnstuhl. Frag sie, und sie
soll dir die Situation zeigen.
K. Kannst du mir mal sagen, welche Situation in deinem Leben dazu beigetragen
hat, dass du dich so zurückgezogen hast. ... Da kommt mir jetzt ganz
spontan eine Situation, da habe ich mal so ein Tantra Seminar in Griechenland
gemacht. Da habe ich zufällig jemanden kennen gelernt, den kannte
ich vom Namen her. Wir haben dann eine Übung gemacht, wobei sich
jeder Mann die Frau genommen hat, zu der er sich hingezogen fühlte.
Zu mir kam keiner! Ich muss dazu sagen, ich bin kurz nach dem Scheitern
der zweiten großen Liebe nach Griechenland gefahren. Bei der Übung
haben mir die Männer dann sagen sollen, warum sie nicht zu mir kamen
und dieser eine hat dann gemeint, das wäre zu anstrengend mit mir.
Ich dachte mir, mit mir kann es kein Mann aushalten. Ich bin bisher keinem
Mann begegnet, der es mit mir ausgehalten hätte, der mich auch einfach
mal hat spinnen lassen. Ich komme ja dann wieder zur Ruhe. Die waren immer
überfordert. Die sind nie zu meinem richtigen Kern gekommen.
T. Dann bring doch mal diese innere Frau, die da am Strand aufgetaucht
ist, dorthin, und die soll das sagen, dass sie sich in dem Moment schon
ein Stückchen zurückgezogen hat, in den Lehnstuhl und so weiter.
Das ist schon so eine kleine Schlüsselsituation, wahrscheinlich gibt
es noch welche vorher, die müssen wir noch alle finden.
K. Ich spreche jetzt mit diesem Mann, ich weiß nicht mehr, wie er
hieß: ich möchte dir sagen, das du einfach nicht die Fähigkeit
besitzt, hinzuschauen, wer dir gegenüber steht. Ich möchte das,
was du mir gegeben hast, wieder zurückgeben. Das ist nicht mein Unvermögen,
sondern deins.
T. Und zeig ihm deine innere Frau ...
K. Jetzt möchte ich dir mal zur Krönung dieses Gesprächs
meine innere Frau zeigen. ... Er sagt dann: oh, du bist ja gar nicht so.
T. Jetzt frage mal deine innere Frau, warum sie sich damals nicht gezeigt
hat. Die war ja offensichtlich nicht so sichtbar. Es liegt ja auch ein
bisschen an ihr, wo war sie da?
K. Innere Frau, wo warst du denn damals, warum hast du dich nicht gezeigt?
Warum hast du in dem Moment nicht den Mut gefasst? ... Ich war feige,
ich war enttäuscht von der vorhergehenden Liebe, ich wollte nicht,
dass mir das jetzt öfter passiert.
T. Sag es dem Mann vorher, wo du dich so spontan getrennt hast, wo du
so stolz warst, da hat sich deine innere Frau zurückgezogen. Hol
den herbei, sag es ihm, zeig es ihm.
K. G., schau, das hast du mir hier hinterlassen. Eine Frau, die sich nicht
mehr traut. Ich bin dir wirklich mit offenem Herzen entgegengekommen,
und du hast mir irgendwie einen Keil in meine Offenheit reingerammt, dass
ich mich zurückgezogen habe, dass ich mich in meiner Weiblichkeit
verletzt fühlte. Ich habe mich gekränkt gefühlt, diskriminiert.
Ich habe auf Hochtouren gedreht und du hast mich einfach so fallen lassen.
T. Und sag ihm ruhig, dass deine innere Frau sich seitdem zurückgezogen
hat bis heute.
K. Meine innere Frau hat sich seit dieser Zeit einfach zurückgezogen,
sie wollte nicht mehr. Sie wollte einfach nicht mehr so viel geben.
T. Ja, und jetzt sitzt sie in der Hütte und strickt einen Schal.
Kein Wunder, dass da kein Prinz mehr vorbeikommt. Mit dem Gerhard musst
du noch was machen, das ist nicht ok. Bring die doch mal beide zusammen
deine innere Frau und ihn. Guck mal, wie die aufeinander reagieren. Was
ist denn da so schief gelaufen?
K. Wenn der die innere Frau sieht, dann haut der gleich ab.
T. Frag mal die innere Frau, wie das für sie ist, dass er sofort
abhaut?
K. Sie hat ja keine Resonanz, und dann geht sie einfach davon aus, dass
sie ihm nicht gefallen hat.
T. Das heißt, sie hat sich ihm geöffnet, aber er hat sie gar
nicht erkannt. Dann sag ihm das mal so.
K. G., schau, diese innere Frau hat sich dir geöffnet, und du hast
sie einfach ignoriert, du hast sie nicht gesehen, du hast sie nicht erkannt,
und vor lauter Schiss hast du dich abgewandt
T. Da liegt der Verdacht nahe, dass er vielleicht wirklich Angst hat vor
einer tollen Frau, wenn er dann so viele Frauen hat, manchmal ist das
ja so ein Zusammenhang.
K. Der G. war die zweite Liebe, nicht die erste, der hieß T.. Ich
weiß nicht, ob der G. so viele Frauen hatte.
T. Dann wäre da noch die Frage, ist die innere Frau bei der ersten
Liebe hängen geblieben oder ist sie weitergegangen? Frag sie mal.
Oder hol diese erste Liebe auch noch herbei und den Gerhard, dann stehen
ja zwei Männer da, und dann stellst du deine innere Frau mal hin,
und guck mal, zu wem stellt die sich.
K. Zum T., zum Ersten.
T. Ah ja, dann frag sie doch mal ganz direkt, ob sie beim G. überhaupt
anwesend?
K. Innere Frau, warst du bei dem G. überhaupt anwesend? ... Nee.
T. Der G. hatte gar keine Chance, weil die Frau bei der großen Liebe
hängen geblieben ist. Und wenn du genau hinguckst, siehst du, dass
die heute immer noch da hängt. Frag sie mal.
K. Hängst du immer noch dort? ... Na ja.
T. Die Alternative ist der Lehnstuhl. Genau das ist der Punkt, deshalb
findest du heute keinen Mann mehr, deshalb muss das schief laufen mit
dem G., die innere Frau ist gar nicht mehr anwesend ...
K. Das war halt ein toller Mann, ich bin keinem tollen Mann mehr begegnet.
T. Genau das ist es. Du bist deshalb keinem mehr begegnet, weil du hängen
geblieben bist. Wenn du als innere Frau weitergehst, findest du nur noch
tolle Männer. Aber du bist hängen geblieben. Mach das deiner
inneren Frau mal klar, die steht immer noch neben ihm, guck doch mal hin.
Die hat nicht losgelassen, die klammert immer noch.
K. Innere Frau, sag mal, bist du bei dem T. hängen geblieben? ...
Ja, scheint so.
T. Frag sie doch mal, ob sie ihn immer noch will.
K. Willst du ihn immer noch? ... Nee.
T. Hat sie ihn losgelassen, frag sie?
K. Hast du ihn losgelassen?
T. Guck mal, ob sie nickt oder mit dem Kopf schüttelt?
K. Nee, so richtig losgelassen hat sie ihn eigentlich nicht.
T. Sie will ihn nicht mehr, hat ihn aber auch nicht losgelassen. Die ist
trotzig und bockig. Kein Wunder, dass da kein Mann andockt. ... Was machen
wir da jetzt? Wir müssen die Zwei zusammenbringen, die müssen
das noch klären. Die ist total stinksauer auf den Typen, der sie
hat hängen lassen. Sie zieht sich zurück von der Welt, hat es
noch mal versucht bei Gerhard, der wollte auch nicht, und seit der Zeit
strickt sie am Schal irgendwo im Lehnstuhl. Und die ist hübsch, guck
doch mal, wie lebendig die ist, die hat doch Lust aufs Leben.
K. Ja!
T. Mach das mal dem ersten Mann, dem T. klar.
K. T., guck mal, du hast nicht mit mir geredet, du hast mich einfach fallen
lassen ...
T. Ihr habt nicht richtig Abschied nehmen können, nicht heulen können
K. Nee.
T. Das ist Scheiße.
K. Ich habe einen richtigen Druck auf dem Kopf.
T. Ein Volltreffer! ... Dann machen wir in der nächsten Session Beziehungsklärung,
dann hat die innere Frau mit der ersten großen Liebe noch eine ganze
Menge am Laufen, das müssen wir alles noch klären. Du musst
ja frei werden davon, du musst die Energie für dich haben. Zeig das
trotzdem deinem Papa noch mal.
K. Vater, schau mal, wie ich da noch an diesem T. hänge, wie meine
Weiblichkeit da noch hängt. ... Mein Vater sagt: mein Gott, ich will
dir helfen, was ich machen kann, das mache ich. Das kriegen wir hin, das
ziehen wir jetzt durch.
T. Na siehste, wenigstens dein Vater ist auf deiner Seite. Das ist toll.
der war ja dagegen, guck mal, wie der sich verwandelt hat. Deshalb ist
das auch so schief gelaufen, eigentlich war es ganz tief ein Konflikt
mit deinem Vater. Den haben wir jetzt aufgearbeitet, dein Vater steht
jetzt hinter dir, aber die innere Frau ist mit dem T. immer noch sehr
verbunden. Das machen wir das nächste Mal, da gehen wir über
die Emotionen, über Atemtherapie. Da musst du richtig reingehen.
K. Das mache ich.
T. Wenn du die Energie noch frei hast, dann bist du total da. Weißt
du, du hast natürlich dein Leben als Frau gelebt, aber ich vermute
mal, weil das viele so machen, du hast überwiegend doch männlich
reagiert, also immer in der Kontrolle geblieben, aufgepasst und gemanagt.
Da hauen alle Männer ab, das ist doch klar, die haben Schiss davor.
K. Da kann ich dir jede Menge Geschichten erzählen. Da habe ich dann
förmlich gesucht ...
T. Da hättest du nur einen Mann finden müssen, der dich knackt,
aber wie will der das machen, wenn die innere Frau noch an dem ersten
Typ dranhängt. Das ist fast unmöglich. ... Jetzt haben wir es
doch auf dem Punkt. ... Gut, geh mal in den ersten Raum zurück, wie
hat der sich verändert? Du wolltest ja diese Ilka kennen lernen,
die nicht so angepasst ist.
K. Meine Tochter ist weg. Da steht noch das Bett mit diesen roten Tüchern
... das Ganze hat jetzt so einen verführerischen Hintergrund ...
T. Das Thema steht noch an. ... Bis zur nächsten Session können
die innere Frau und der T. sich ja schon mal miteinander beschäftigen
und sich auseinandersetzen. Sag den Beiden, dass das jetzt geklärt
wird, und dass du nicht willst, dass es ungeklärt bleibt.
K. T., wir müssen wirklich Abschied voneinander nehmen, das ist nicht
gut gelaufen und steht noch offen, und ich möchte, dass wir das miteinander
klären, dass wir uns alles sagen, was zu sagen ist, und dass wir
uns gegenseitig die Freiheit geben, unsere Weiblichkeit und Männlichkeit
zu leben, das wir uns treffe, um das zu klären. ... Er stimmt zu,
er will das. ... Ich habe jetzt voll Kopfschmerzen.
T. Frag doch mal die Kopfschmerzen, warum sie grade jetzt auftauchen,
was sie dir sagen wollen, was ihre Botschaft ist.
K. Kopfschmerzen, könnt ihr mir mal sagen, weshalb ihr jetzt aufgetaucht
seid? ... Ja, das ist ein blödes Thema
T. Ja klar, das ist immer ein blödes Thema, wenn man an der ersten
Liebe hängt.
K. Da sind so viele Bilder von ihm in mir, so wie er war, der hat alles
auf die Reihe gebracht, der war Spitzenklasse.
T. Ja klar, und da kommt kein Mann mehr ran! ... Das heißt aber
auch, dass du dir sämtliche anderen Männer verboten hast, und
dir verboten, mit ihnen in Begegnung zu gehen. Wenn du auf einer bestimmten
Ebene bleibst, kriegst du von dem Mann auch nur diese Ebene, und der hat
dann keine Chance. ... Gut, dann lassen wir es so stehen.
K. Aber merkst du was? Jetzt will ich, ich will das jetzt alles gnadenlos
auf den Tisch bringen. Jetzt ist Schluss, ich will das nicht mehr. Aber
mir ist jetzt auch klar, dass ich die Zeit gebraucht habe. Mein Körpergefühl
ist jetzt ganz anders, als ob sich da wirklich was löst, als ob so
eingeschlafenen Körperteile sich lösen würden, wieder aufwachen.
T. Erstmal geht es übers Schlagen, über die Aktivität,
aber da wird jetzt auch die andere Seite kommen, dahinter werden die anderen
Gefühle kommen, da musst du tiefer und tiefer gehen.
K. Da bin ich jetzt gespannt, weil ich diese Gefühle jetzt will.
Ich will die jetzt hoch holen und spüren.
T. Na gut, dann holst du die ganzen Sehnsüchte hoch, es fängt
alles wieder an zu brennen. Da sind diese ganzen Verletzungen, da hängt
so viel drin. Junge Leute verlieben sich schnell, ältere tun sich
oft schwer, da sind diese ganzen Mauern davor, die Verletzungen, wie gesagt
...
K. Ich hatte da nie Schwierigkeiten, und irgendwann war Schluss. Ich war
wie abgeschnitten, da kam einfach niemand mehr vorbei, der mir so richtig
gut gefallen hat.
T. Das ist ja das Verrückte, dass du immer wieder ganz spezielle
Typen anziehst, weil du ja ein Attraktor bist für die. Wenn du immer
wieder auf dieselben Männer triffst, dann liegt es knallhart an dir,
die anderen siehst du nicht. Der Prinz reitet vorbei, und du siehst ihn
nicht. |