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In dieser Sitzung integriert die Klientin ihre abgespaltene Zerstörungswut,
welche sich auf der Symbolebene als Werwolf zeigt, der sie töten
will. Dieses Bild zeigt auf, dass die Klientin ihre Aggression gegen sich
selbst richtet. Durch die Integration dieser bisher unterdrückten
Energie spürt die Klientin wie sie immer mehr „Chefin“
in ihrem Leben wird und zugleich auch ihrer Weiblichkeit immer mehr Raum
geben kann. Der Werwolf hat sich am Ende in eine Bärin verwandelt,
die der Klientin hilfreich zur Seite steht.
Vorgepräch: Sonja kann noch keine riesige Veränderungen in ihrem
Leben feststellen. Sie hat das Gefühl, dass noch einiges hängt.
Sonja gelangt in den Keller ihrer Tante. Sie schreibt das Thema Missbrauch,
Sexualität auf die Holztür und befindet sich daraufhin in einem
dunklen, kühlen Betonkeller, wie in einem Bunker. Der Raum ist sehr
groß und gibt ihr durch seine dicken Wände das Gefühl
von Vertrautheit und Schutz. „Ja, ich fühle mich sehr verletzlich.“
Bunker kann bedeuten, dass für Sonja draußen Krieg herrscht.
Sonja testet, ob sie ihn verlassen kann.
Über eine Leiter kommt sie leicht hinaus und sie landet in einer
moderigen Sumpflandschaft. „Ich empfinde die Landschaft als gefährlich.
Ich ducke mich und bin in Hab-Acht-Stellung.“ Sonja möchte
sich nicht zu weit von ihrem Loch, ihrem Raum, entfernen.
Sie überträgt das auf ihr Leben und stellt fest, dass sie es
als sehr gefährlich empfindet, sich zu zeigen wie sie ist. „Ich
muss schauen, dass ich schnell wieder in den Bunker zurück kann.“
Der Therapeut macht den Vorschlag, dort in der Sumpflandschaft die Gefahr,
oder was sie repräsentiert, zu rufen. Sonja kann ja jederzeit in
ihren Bunker zurück.
Ein Werwolf zeigt sich. „Du siehst sehr böse und furchterregend
aus.“ Er bestätigt, dass er mit dem Missbrauch zu tun hat.
Sonja empfindet den Werwolf als Steigerung des anderen Wolfes, aus den
ersten Sessions. Dieser will sie umbringen. „Warum bist du denn
so böse? Warum willst du mich umbringen? Wo kommst du her?“
Sonja kommt in eine Szene, dass sie in einem Wald ist und von dem Wolf
angefallen wird. Der Wolf zeigt es auf der Symbolebene.
Sonja fragt nach seinem Entstehungsort. „Ich kann so gar nichts
mir dir anfangen. Warum du so bösartig bist.“
Der Wolf ist ja ein Teil von ihr und es macht keinen Sinn, wenn er sie
umbringen will. Er ist ein unterdrückter Teil von Sonja und steht
für etwas, das ist in Ordnung.
Sonja folgt dem Wolf zu einem Tunnel. Davor befindet sich ein toter Mann,
zwischen zwei Pfähle gespannt. Die Eingeweide sind herausgerissen.
Der Wolf gibt zu verstehen, dass er das ist. Sonja hat ihn zwischen die
Pfähle gebunden.
Der Therapeut fasst zusammen, dass Sonja anscheinend irgendwann etwas
ganz aggressives getan hat. Diese tiefe Aggression macht ihr Angst. Daher
auch die Symbolik der Werwolfes. Ein Mensch, der zum Tier wird.
Sonja muss sich den Film anschauen, was da gelaufen ist, um diesen Schattenanteil
zu erlösen.
Sonja bittet den Wolf ihr seine Entstehung zu zeigen.
Sie befindet sich in einer Szene, in der einer auf dem Boden liegt und
ein anderer dabei ist denjenigen zu zerfleischen. Sonja ist davon sehr
berührt. Sie kann sich vorstellen derjenige zu sein, der oben ist
und dem anderen zusetzt.
Sonja spürt diese Gewalt ebenso in sich „So ein Töten
wollen, Zerfleischen wollen.“
Sie geht in ihr heutiges Leben und prüft, wen sie bildlich anfallen
wollte. Eine Ex-Mit-Bewohnerin in der WG taucht auf.
Es heißt ja nur, dass Sonja ganz viel Power in sich hat, die ihren
Weg finden will.
Es kommt ihr lächerlich vor, die WG-Bewohnerin zu zerfleischen. „Es
hat sich was altes so lang angestaut.“
Sonja – es fällt ihr zunächst schwer - lässt diese
Energie frei und schlägt mit dem Schlagstock. Der Werwolf kann mitmachen
oder Sonja kann sogar selbst der Werwolf werden. Sie kann den Teil nur
erlösen, indem sie ihn da sein lässt und ihn lebt.
Sie konfrontiert ihre WG-Bewohnerin von damals. „Ich hab mich damals
so geärgert über dich und die Scheiß-Stimmung die du da
verbreitet hast.“ Sonja fühlt sich jetzt sehr gut in der Rolle
des Werwolfes und damit, dessen Energie zu spüren. „Diese Wut
hab ich so unterdrückt der Frau gegenüber, das war so eine Scheinheiligkeit.“
Der Therapeut rät, den nächsten herbeizuholen, dem sie diese
Werwolf-Energie zeigen will. Sonja schlägt noch mal die Frau.
„Das fühlt sich gut an Werwolf zu sein und böse zu sein.“
Sonja fragt den Werwolf, wenn er sich in ihrem Leben ausdrücken dürfte,
was sich da verändern würde. „Ich wäre ganz selbstbewusst
und ich wäre der Chef in meinem Leben. Das fühlt sich richtig
gut an.“
Der Therapeut schlägt vor, zuerfragen welche Nachteile Sonja zu befürchten
hätte. „Ich finde gut, dass du da bist. Ich hätte mir
manche leidvolle Situation erspart, wenn du da gewesen wärst.“
Sonja beschreibt die Situation mit der Ex-Mitbewohnerin: In dieser WG
hatte sie ein Verhältnis mit einem Mann, mit dem sie ihre Sexualität
als sehr schön empfunden hat. Diese Frau in der WG war eifersüchtig
und hat die Beziehung zwischen Sonja und dem Mann, Manuel, vermiest. „Obwohl
er auch ein Arschloch war.“ Sonja holt ihn dazu und konfrontiert
ihn. Er schaut sehr ernst. Sonja hat das Gefühl richtig von ihm gesehen
zu werden. „Ich fand die Sexualität mit dir sehr schön.
So würde ich das auch gerne mit Stefan erleben.“ Sonja hat
das Gefühl von ihm verstanden zu werden. Sie holt ihren Freund Stefan
und zeigt ihm die Situation.
Das Thema ist Durchsetzungsfähigkeit und Sexualität, dass Sonja
zu sich steht.
„Stefan ich weiß nicht, an was es hängt, warum ich es
mit dir nicht so erlebe.“ Sonja fragt Manuel, woran es lag, dass
sie mit ihm so schöne Gefühle hatte. Beide haben sich gegenseitig
sinnlich, körperlichen hingegeben. „Das war schon schön.“
Stefan hätte das auch gerne mit ihr zusammen. Sonja kann sich auch
vorstellen, dass so eine Spannung zwischen ihnen sein kann.
Sonja lässt sich nun in ihrer Innenwelt mit beiden ein, so kann Stefan
die Spannung auch fühlen und kennen lernen. Sonja nimmt diese Gefühle
lange wahr. „Schön.“
Der Werwolf sieht jetzt eher aus wie ein großer Teddybär und
schaut Sonja mit ihrem Freund zu. „So was schönes.“
Sonja geht mit ihm in die Landschaft vom Anfang. Der Wolf ist jetzt eine
große Bärin, die Sonja auf ihrem Rücken trägt. Die
Landschaft ist eine Heidelandschaft, nicht viele Bäume. Aus dem Sumpf
ist ein See geworden und Sonja kann sich in dem Wasser spiegeln. Sonja
sieht eine schöne Frau. Die Frau hat folgende Botschaft: „Liebe
dich selbst. Nimm dich an, so wie du bist.“
Sonja kann zu sich selbst JA sagen. „Ich mag dich. Du gefällst
mir sogar. Schön dich zu sehen.“ Es ist ganz ungewohnt für
Sonja sich so zu sehen. „Ich möchte mich gerne immer so sehen.“
Der Therapeut macht den Vorschlag, dass Sonja ihre innere Frau ruft. Sie
ist sehr schön. „Ich mag wie du dich bewegst, du gefällst
mir. Ich möchte das du das annimmst.“ Sonja lädt sie bewusst
in ihr Leben ein. Die innere Frau bedeutet ihr, dass Sonja sie nicht gewollt
und gedacht hat, sie sei hässlich. Sie hat gar nicht da sein können,
weil sie unter dem Missbrauch gelitten hat.
Sonja fragt sie, ob zum Thema Missbrauch alles aufgelöst ist. Sonja
müsste noch mal in die Besenkammer aus einer Übungssitzung.
Sonja erzählt kurz:
Die Besenkammer ist ein Leichenschauhaus mit zwei Leichen. Sonja hat sich
dort als Erwachsene und als Kind mit 3-4 Jahren gesehen.
Der Tod ist immer schon eine Integration.
Sonja hat jetzt den Impuls den beiden dort Leben einzuhauchen. Sie geht
mit der Bärin und der inneren Frau dort hin. Sonja erweckt die beiden
wieder zum Leben.
Sie empfindet der Kleinen gegenüber sehr viel Mütterlichkeit.
Die Bärin ist auch dabei. Sonja stellt sich vor, mit den beiden zu
verschmelzen.
Sie reitet auf der Bärin aus der Besenkammer und lässt den Raum
verbrennen.
Sonja holt Stefan wieder mit dazu. „Ich wünsche mir sehr, dass
wir beide das so erleben wie vorhin. Ich spüre schon eine Spannung
zwischen uns.“
Sie geht noch mal in den Eingangsraum, den Bunker, zusammen mit Stefan.
Der Bunker ist ganz klein geworden und bedrückend. „Ich will
da nicht bleiben. Ich empfinde dich als sehr beengend. Ich will rausgehen.“
Sonja nimmt Abschied von dem Bunker und bedankt sich dafür, dass
er ihr immer Schutz gewährt hat. „Jetzt brauche ich dich nicht
mehr. Draußen ist kein Werwolf mehr, sondern eine tolle Bärin.
Es war auch sehr einsam in dir. Jetzt möchte ich rausgehen.“
Sonja lässt ihn für alle Fälle weiter bestehen, quasi als
Hintertürchen.
Sie reitet mit Stefan zusammen auf der Bärin. Sonja fragt ihre innere
Frau, ob sie ihr noch etwas mitteilen will. Sie antwortet, Sonja soll
so weiter machen, das gefällt ihr.
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