|
Die Klientin möchte ihr inneres Kind wieder zum Leben erwecken.
Dazu setzt sie sich als erstes mit dem sexuellen Missbrauch durch ihren
Cousin auseinander. Der durch ihn repräsentierte innere abgespaltene
Schattenanteil wird im ersten Schritt mit dem Schlagstock „bearbeitet“
und dann eingekerkert. Doch an der zugemauerten Stelle rumort es noch
... Weitere Innenweltarbeit ist notwendig, um die gesamte Thematik aufzulösen.
Sonja gelangt durch eine Holztür in eine dunkle Höhle aus Sandstein.
Der Boden ist dreckig, aber stabil und fest. Sie hat Angst. Die Botschaft
der Höhle lautet: „Die kleine Sonja wieder zum Leben erwecken.“
Die Kleine liegt auf dem Boden mit leblosen Gesicht und kann sich nicht
bewegen. Sie hat Fliegen um den Mund. Sonja ist traurig darüber.
Sie geht in Kontakt mit der Kleinen. „Ich möchte gerne, dass
du wieder lebendig wirst. Ich möchte für die sorgen.“
Die Kleine kann dem keinen Glauben schenken. Sie sagt, dass Sonja ihr
das schon versprochen und nicht eingehalten hat.
Sonja erzählt von einer Situation im Urlaub vor 6 Jahren, wo sie
bei einem Spaziergang das Bild der Kleinen, die da in dieser Höhle
stirbt, sieht. Seit der Zeit hat sich Sonja dieses Bild immer wieder gezeigt.
Sonja entschuldigt sich bei der Kleinen: „Ich möchte für
dich da sein, aber ich kann es nicht so, wie ich es gerne möchte.
Freust du dich, dass ich da bin? Ich hab gedacht du wärst wütend
auf mich.“ Die Kleine ist aber nicht wütend. Auf die Frage,
was ihr passiert ist, krümmt sie sich auf dem Boden. Sie will damit
zeigen, dass ihr wehgetan wurde.
Die Kleine setzt sich an den Höhlenrand und schaut hinaus. Sie zeigt
damit, dass sie nicht bereit ist sich mit der schmerzlichen Situation
auseinander zu setzen.
Der Therapeut rät Sonja erst mal näher in Kontakt mit ihr zu
gehen und Vertrauen aufzubauen. Die Kleine sagt zu Sonja : „Du kannst
doch Kinder nicht ausstehen.“ Sonja antwortet ehrlich, dass sie
sie tatsächlich nicht mag, weil sie ihr Scherereien macht und sie
nichts mit ihr anfangen kann.
Sonja geht mit ihrem Bewusstsein in die Kleine und spürt deren Alleinsein.
Daraufhin taucht ein Bild von der kleinen Sonja auf dem Schulweg auf,
wo sie so alleine ist. Sonja nimmt sie ganz in sich gekehrt und verschlossen
wahr. Sie wirkt resigniert.
Sonja ist sich nicht sicher, dem Mädchen wirklich helfen zu wollen:
„Ich hab auch Wiederstände auf dich zuzugehen. Einerseits möchte
ich es schon. Aber auf so ein bockiges Balg habe ich keine Lust.“
Sie zeigt der Kleinen, wo sie ihr Scherereien gemacht hat. „Du bist
immer so schnell wütend, ungeduldig und aggressiv.“
Sonja lehnt ihr inneres Kind ab, weil sie es als schwierig und anstrengend
empfindet. Das drückt sich in dem Bild aus, dass die Kleine im Eingangsbild
wie tot da liegt. Dieser Teil partizipiert nicht richtig am Leben.
Es gilt nun herauszufinden, wie diese Haltung entstanden ist. Wo diese
tiefe Entzweiung stattgefunden hat.
In diesem Zusammenhang taucht Sonjas Mutter auf, die zur Kleinen gesagt
hat: „Mit dem Gesicht kann man sich nur verstecken.“ Die Kleine
reagiert wütend.
Sonja steht auf Seiten ihrer Mutter.
Der Therapeut schlägt vor die Situation aufzurufen, die zu dieser
Haltung beigetragen hat, dass Sonja ihr inneres Kind so ablehnt.
Sonja befindet sich daraufhin im Flur vor ihrem Kinderzimmer: „Da
hab ich immer Angst gehabt, dass der Wolf kommt.“ Sie ist ca. 5/6
Jahre alt.
Sie geht als Beobachter dazu. Die Kleine liegt sehr ängstlich im
Bett. Der Wolf lauert draußen und schlüpft dann ins Bett. Sie
kämpft und schlägt erst wild um sich. Dann wird sie starr und
still und bewegt sich nicht mehr. „Alles ist stocksteif.“
Sie hat ihren Körper verlassen und schwebt über der Szene.
Sonja schwebt auch als Beobachter über dem Bett. „Der Wolf
sitzt über ihr und saugt ihr die Lebensenergie aus.“ Die Kleine
sagt, dass ihr das öfters passiert. Sie kennt den Wolf. Es ist ihr
Cousin Michael, der ca. 17/18 Jahre alt ist.
Sonja (wirkt sehr abwesend und emotionslos): „Das hätte er
nicht tun sollen.“
Sie geht als Grosse mit ihrem Cousin in Kontakt: „Du siehst so komisch
aus – wie so ein Käfer.“ Er nimmt Sonja nicht richtig
wahr und saugt weiter.
Sonja bearbeitet das Bild des Cousins mit dem Dhyando. „Hör
auf!“ Er reagiert daraufhin. Sonja: „Du darfst die Sonja
nicht aussaugen. Die kann sich nicht mehr bewegen. Und heute hab ich immer
noch soviel Angst. Ich möchte gerne ein schönes Leben führen...Er
saugt immer noch.“ Sonja schlägt weiter: „Ich würde
dich gerne auseinandernehmen. Ich reiss dir deine Flügel aus. Und
deine Gliedmassen.“ Sie bearbeitet ihn mit den Händen.
Der Therapeut ruft die kleine Sonja mit hinzu, die jetzt erleben kann,
wie Sonja das Insekt auseinander nimmt. „Ich bekomme ihn nicht
richtig klein.“
Die Kleine hat ganz tief in sich resigniert. Eine Haltung von: ich bin
zu klein, ich schaffe das nicht. Sie schwebt immer noch oben über
dem Bett. „Hast du Lust runter zu kommen und mitzuhelfen?“
Sie hat noch Angst. Die Hülle vom Insekt ist jetzt wie von einer
Spinne eingesponnen, es kann sich nicht mehr bewegen. Sonja legt diese
Hülle neben das Bett . Sie steht auf, trampelt auf den Resten herum
und verbrennt sie zudem. „Das tut gut, dass du verbrennst.“
Sonja fragt die Kleine: „Willst du wieder kommen?“ Sie liegt
auf dem Bett und bewegt sich wieder. Sie lächelt liebevoll. „Ist
es O.K., wenn ich dir auf diese Weise helfe?“ Die Kleine ist einverstanden
und lächelt selig. Sonja empfindet das als sehr schön und sagt
der Kleinen, dass sie sie so annehmen kann.
Die Höhle im Eingangsbild ist jetzt grösser und heller. Sie
ist leer. Die Kleine läuft in der Höhle herum und ist stolz:
„Kuck mal das ist meine Höhle.“
Der Therapeut schlägt vor den Cousin Michael in die Höhle zu
rufen. Sonja steht zusammen mit der Kleinen aufrecht am Ende der Höhle,
der Cousin steht am Eingang. Sonja konfrontiert Michael. „Weißt
du was eben gelaufen ist?“ Er schaut niedergeschlagen aus. „Hast
du verstanden was du gemacht hast?“ Die Tragweite war ihm nicht
bewusst. „Kannst du das jetzt sehen?“ Er schaut verhalten
die Kleine an.
Der Therapeut rät , dass die Kleine dem Cousin erzählen soll,
wie es ihr gegangen ist. „Ich habe jede Nacht Angst gehabt ins Bett
zu gehen, dass der Wolf kommt. Ich habe dir vertraut; du warst mein Lieblings-Cousin.
Ich habe gar nicht verstanden, was da passiert. Ich möchte, dass
du das nicht mehr machst.“
Sonja kann die Niedergeschlagenheit ihres Cousins nicht richtig spüren.
„Du kannst die Tragweite nicht abschätzen.“
Sonja erzählt ihrem Cousin mehr von ihrem Leben, wie es ihr ergangen
ist. „Oft wollte ich lieber tot sein. Ich hab nicht viele schöne
Jahre gehabt. Ich habe mit Männern und meiner Sexualität Schwierigkeiten.
Und ich habe immer so viel Angst. Und du bist mit beteiligt, dass es so
gewesen ist. Ich möchte, dass du versuchst es zu verstehen.“
Als Zeichen des Verständnisses soll er sich entschuldigen. „Das
möchte er nicht.“ Sonja: „Das ist mir egal was du denkst,
aber ich möchte meinen Frieden haben. Ich will ein schönes Leben
leben.“ Was will die Kleine? Die Kleine streckt ihre Hand aus und
möchte ihm verzeihen. Sie hat aber noch Angst näher auf den
Cousin zu zugehen.
Idealerweise geht es darum zu erreichen, dass sich der Cousin entschuldigt
und sagt, dass er das nie mehr macht.
Die kleine Sonja spürt den Wunsch, dass ihr Cousin auch ihr verzeiht.
Das deutet eine Schuld bei Sonja an, resultierend aus einer tiefen Liebe
zu ihrem Cousin. Sonja fragt Michael: „Habe ich dich eingeladen.
Habe ich etwas falsch gemacht?“ Er schüttelt mit dem Kopf.
Sonja bekommt dennoch die Botschaft, sie hat ihn eingeladen, weil sie
ihn so gern gehabt hat.
Der Therapeut erklärt, dass es für eine 6-Jährige normal
ist, den Cousin wie einen großen Bruder zu lieben. Dass er es aber
nicht in Ordnung ist, dass er sie missbraucht. Er hat sie ausgenutzt.
Der Cousin müsste sich schuldig fühlen und sich entschuldigen.
Tatsache ist, dass Sonja bis heute Angst hat.
Sonja: „Da ist noch eine Abwehrhaltung bei dir. Du willst das nicht
anerkennen und die Schuld nicht auf dich nehmen.“
Der Therapeut rät ihn zu fragen, wie es für ihn war. Der Cousin
lehnt die Schuld ab. Sonja: „Ich kann keine Reue bei dir entdecken.
Das ärgert mich. Ich habe dir gesagt wie ich es empfunden habe. Und
dass das großen Schaden bei mir angerichtet hat.“ Der Cousin
will sich aus der Affäre ziehen. „Er grinst mich frech an.“
Sonja möchte ihn aus der Höhle schmeißen.
Dann wäre er zwar verschwunden, die kleine hat aber immer noch Angst,
weil er jederzeit wieder kommen könnte.
Sonja fragt die Kleine, was sie braucht um keine Angst mehr zu haben.
Sie bekommt das Bild, dass sie den Cousin in eine Kammer einsperrt. Sie
nimmt das Dhyando zur Hilfe. „Du bist ganz schön widerspenstig!
Das gibt es doch nicht.“
Sonja muss stärker sein als er. Sie schlägt. Wichtig ist, dass
sie ihn wirklich trifft in all ihrer Wut und Verzweiflung – oder
auch Resignation.
Der Cousin macht dennoch was er will. Sonja hat ihn nicht im Griff. Er
tut noch so als ob er nichts damit zu tun hat, was heißt, Sonja
will selbst noch nichts damit zu tun haben.
Sonja: „Ich würde am liebsten einen Flammenwerfer auf ihn
richten.“ Sie kann ihren Cousin aber nicht richtig erwischen und
einsperren.
Der Therapeut schlägt vor jetzt deutlich zu machen, dass Sonja der
Chef in ihrer Innenwelt ist. Sie lässt ihren Cousin Kniebeugen machen.
„Du musst machen, was ich will. Geh jetzt da rein! Jetzt könnte
ich ausflippen!“
Sonja muss die Energie aufwenden und ausdrücken. Sie packt ihren
Cousin, krallt ihm ins Gesicht. Er muss merken, dass sie der Chef ist
und er machen muss, was sie will. Sonja hat ihn jetzt eingesperrt, er
streckt immer noch seine Hände heraus und will sie greifen. „Was
willst du von mir?... Er will mich aussaugen.“
Das heißt, der Cousin hat den Zusammenhang noch nicht begriffen.
Der Therapeut fasst zusammen, dass dieses Ergebnis – Sonja hat ihren
Cousin eingesperrt – ein erster Schritt ist. Sie kann nicht alles
auf einmal auflösen, aber deutlich erkennen, dass es noch nicht gelöst
ist. Dass der Cousin noch an ihr hängt.
Sonja holt die Kleine und zeigt ihr, dass der Cousin eingesperrt ist.
Diese ist aufgeregt und nimmt wahr, dass er nicht mehr an sie heran kann.
Sie fühlt sich noch nicht so ganz sicher.
Sonja: „Ich bringe den soweit, dass er dir nie mehr was machen
kann. Ich bleibe da dran. Ich nehme dich erst mal in den Arm. Der ist
da eingeschlossen.“ Die Kleine ist noch ängstlich, weil der
Cousin wieder eklig wird und seine Arme aus dem Gitter herausstreckt.
Sonja sägt ihm mit der Motorsäge die Arme ab und zerstört
ihm das Gesicht. „Jetzt ist es besser. Er kann nicht mehr so raus.“
Die Kleine möchte nicht zusammen mit ihm in einer Höhle sein.
Sonja verspricht ihr: „Jetzt haben wir ihn schon so weit gebracht.
Und wir können aus der Höhle rausgehen. Ich komme noch öfters.
Dass du keine Angst mehr haben brauchst.“
Sonja hat das Vertrauen der Kleinen gewonnen, obwohl sie noch unsicher
ist, ob sie es halten kann. „Aber ich glaube, dass ich einen Weg
gefunden habe, wie ich dir helfen kann.“
Die Höhle im Eingangsbild ist noch unheimlich und bedrohlich. Es
ist immer noch Angst in der Höhle.
Der Therapeut schlägt Sonja vor, die Höhle zu fragen, ob sie
das Thema für diese Sitzung so stehen lassen kann. Sonja mauert
daraufhin noch das Loch mit dem Gitter zu.
Sie kann erkennen, dass ihr Cousin einen Schattenanteil repräsentiert,
den sie bewusst dort einsperrt. Es ist kein unbewusstes Verdrängen.
„An der zugemauerten Stelle rumort es.“
Sonja fragt die Höhle und erhält als Antwort, dass das Thema
für den Augenblick O.K. ist, aber in den nächsten Tagen weiter
bearbeitet werden soll.
|